Birgit Brammertz hält ein Huhn. Neben ihr sitzt eine Seniorin, die das Huhn streichelt.

Hühner gegen Demenz: Wie die Tiere wertvolle Erinnerungen wecken

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Wenn die Zwerghühner Gisela und Paula die Pflege- und Seniorenheime in Aachen besuchen, sorgen sie für leuchtende Augen. Wie die Tiere Freude schenken, Erinnerungen wecken und den Alltag mit Demenz ein kleines Stück leichter machen.

Von Lena Breuer

Birgit Brammertz setzt ihr braunes Zwerghuhn Paula auf den Schoß einer älteren Dame. "So, jetzt ganz vorsichtig, einmal mit der Hand unter den Bauch", erklärt sie. "Die brauchen was zum Festhalten, mit den Krallen." Paula gackert ein bisschen, zappelt kurz mit den Flügeln und sitzt dann ganz entspannt. "Schauen Sie, sie fühlt sich direkt wohl bei Ihnen", sagt Brammertz und lacht. Die 59-Jährige trägt Jeans und eine hellblaue Bluse. Die blond-grauen Haare liegen offen auf ihren Schultern. In der Tagespflegeeinrichtung der Caritas wurde sie heute Morgen schon sehnsüchtig erwartet.

Birgit Brammertz über die besonderen Momente, die Hühner hervorrufen können

00:30 Min. Verfügbar bis 30.09.2027

Rund 20 Seniorinnen und Senioren sitzen im Kreis um die gelernte Industriekauffrau herum. "Ich bereite immer eine kleine Show vor. Wir reden viel, ich beantworte Fragen zur Hühnerhaltung und dann darf natürlich ganz viel gestreichelt werden", erklärt Brammertz, während sie das zweite Huhn aus einer Transportbox holt. "Wer von Ihnen will denn mal die Gisela halten?" Fast alle Hände in der Runde gehen hoch.

Demenz: Aktive Erinnerungsarbeit durch tiergestützte Therapie

"Wenn die Menschen hier ein Huhn auf dem Schoß haben, dann passiert ganz viel. Da kommen unglaublich viele Erinnerungen hoch", erklärt Anne Albrecht, Pflegekraft der Caritas. Viele der Patientinnen und Patienten hier leiden an Demenz oder zeigen erste Anzeichen - wie rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland, so die Deutsche Alzheimer Gesellschaft.

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Tiergestützte Therapie kann dem Verein zufolge die Lebensqualität der Betroffenen stark erhöhen und Depressionen vorbeugen. "Ohne ehrenamtliches Engagement, wie das von Frau Brammertz, könnten wir das hier überhaupt nicht leisten", erklärt Pflegekraft Albrecht. "Und dass sie auch noch mit Hühnern kommt, ist sensationell. Wir sind hier im ländlichen Teil der Städteregion Aachen, hier hatten viele selbst früher Hühner."

Vom Hund zum Huhn

Vor 16 Jahren fing Brammertz an, mit ihren Hunden in Altenheime zu gehen. Dann kam Sterbebegleitung dazu. "Irgendwann habe ich gedacht: Warum nicht auch mit Hühnern", erzählt die 59-Jährige. Sie steht immer noch in der Runde der Seniorinnen und Senioren, kümmert sich um die Tiere, die auf deren Schößen sitzen. "Ich liebe Hühner. Die sind klug, lustig und einfach richtig flauschig. Am Anfang hat mich mein Mann ausgelacht, aber allein wegen der Herausforderung habe ich das gemacht."

Das Ehrenamt von Birgit Brammertz hat auch einen tragischen Beweggrund

00:34 Min. Verfügbar bis 30.09.2027

Mindestens zweimal im Monat ist Brammertz mit ihren Hühnern im Einsatz für Senioren. "Für mich ist das eine Herzensangelegenheit." Zwerghuhn Paula sitzt mittlerweile auf dem Schoß eines älteren Herren. Ihre Augen sind geschlossen. Der Senior streichelt sanft über das Gefieder und fängt plötzlich an, ein Lied zu singen. Textsicher, Zeile für Zeile, in der plötzlichen Erinnerung versunken. "Für solche Momente mache ich das", erklärt Brammertz. "Dem Tier geht es gut und schauen Sie, was da gerade passiert. Das kann doch nur glücklich machen."

Über dieses Thema haben wir auch am 30.08.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit am Samstag, 19.30 Uhr.