Akrobaten zeigen eine Kür mit Hebeformationen. Eine Akrobatin fliegt durch die Luft, weitere Akrobaten warten mit offenen Armen darauf, sie aufzufangen.

Zeitgenössischer Zirkus in Düsseldorf

Stand:

Akrobatik mit Handlung und einem Thema zeigen viele neue Zirkuskompanien. Beim Düsseldorf Festival sind einige der besten zu Gast, zum Beispiel Circa aus Australien mit dem Stück "Wolf".

Von Stefan Keim

Zeitgenössischer Zirkus in Düsseldorf

WDR 4 Ausgehen 04.09.2025 02:43 Min. Verfügbar bis 05.09.2026 WDR 4

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Wenn der Vorhang aufgeht, hängt ein Mann am Seil. Das klingt zunächst wenig spektakulär, aber er scheint wirklich in der Luft zu schweben. Wenn er sich dem Boden nähert, springt ein weiterer heran, auf allen Vieren wie ein Wolf. Der Abend beginnt mit der Begegnung von Mensch und Raubtier. Der Wolf bedeutet Lebensgefahr, die Flucht nach oben ist ein Mittel, ihm zu entkommen. Auf die Bäume am besten. Aber da ist kein Baum. Nur ein Seil.

Seit 20 Jahren gibt es die australische Kompanie Circa. Sie ist eine der führenden Vertreterinnen des zeitgenössischen Zirkus. Das sind Gruppen, die nicht mit Tieren arbeiten und auch keine Nummernrevuen zeigen. Sie entwerfen Stücke zu einem Thema und entwickeln rasante Akrobatikshows mit Stunts und tänzerischen Elementen. Das Düsseldorf Festival zeigt seit vielen Jahren solche Aufführungen. Sie kommen beim Publikum großartig an, weil sie für alle verständlich sind. Man muss keine Vorbildung haben, um sich eine Begegnung mit einem Wolf vorstellen zu können. Wer sich allerdings auskennt, entdeckt eine Menge Feinheiten.

Das Ensemble kämpft, wirft sich gegenseitig durch die Luft, klettert aufeinander, fällt runter. Viele Bewegungen wirken spontan, manche überraschend, natürlich sind sie alle haargenau choreographiert. Brutal wirkt es, wenn ein Tänzer den anderen in der Luft fliegend vor die Brust tritt und wegstößt. Und gelegentlich entsteht in der Rauferei eine Geste der Zärtlichkeit, des Zusammenhalts.

Eine ganz neue Gruppe des zeitgenössischen Zirkus hat sich gerade in Dänemark gegründet. Das Copenhagen Collective heißt sie. Und ihr Stück "The Genesis" hat kein Bühnenbild, dafür eine ausgefeilte Lichtregie. Scheinwerfer umgeben die Spielfläche. Es gibt einige witzige Szenen und immer wieder beeindruckende Bilder. Einmal bilden die Körper des Ensembles einen Haufen oder einen Hügel. Einer steht darauf wie ein Baum, dann klettert eine Frau auf ihn, er legt sich zurück, so dass sie auf seiner Brust stehen kann. Ohne weitere Absicherung, ein Bild wie ein Gemälde. Beim zeitgenössischen Zirkus kommt man öfter mal ins Staunen.

Termine

Das Düsseldorf Festival läuft vom 10. – 28. September.

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