Männer in Frauenkleidern – das klingt zunächst nach altmodischem Herrenwitz. Wenn man allerdings dazu Geschichten mit ernsthaftem Hintergrund erzählt, kann ein großartiger Theaterabend entstehen. "Tootsie" war 1982 ein populärer Kinofilm mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle. 2018 wurde dann in Chicago die Musicalfassung uraufgeführt – und ebenfalls zum Hit. Dieses Stück ist nun am Theater Bonn zu sehen.
Von der großen Leinwand auf die Bühne
Das Musical verändert den Film in einem wichtigen Punkt. Auf der Leinwand bewirbt sich Michael, ein arbeitsloser Schauspieler, als Frau auf eine Rolle in einer Fernsehsoap und wird zum Star. In Bonn glänzt er als Amme in einem neuen "Romeo und Julia"-Musical. So wird aus einer Mediensatire eine hinreißende Parodie auf den Broadway und die Beklopptheiten der Theaterwelt – und ist gleichzeitig eine Huldigung an das Musical.
Julian Culemann als Michael, der sich als Dorothy ausgibt
Auch als Dorothy bleibt Michael immer ein heterosexueller Mann. Er verliebt sich hemmungslos in die Hauptdarstellerin des Musicals. Was leicht nachvollziehbar ist, denn Julie wird von Bettina Mönch gespielt, einer der besten Musicaldarstellerinnen derzeit, schauspielerisch wahrhaftig, stimmlich grandios und überwältigend temperamentvoll.
Julian Culeman – der Star der Aufführung
Doch natürlich ist Julian Culemann der Star der Aufführung. Er muss stimmlich variabel sein, in den Höhen weiblich, in den Tiefen männlich klingen, ohne dass die Stimme jemals verstellt klingt. Er muss die großen Nummern abliefern, aber auch in den intimen Szenen große Sensibilität entwickeln. All das gelingt Julian Culemann perfekt.
Die musikalische Umsetzung lädt zum Mitfühlen ein
Überhaupt ist "Tootsie" ein richtiger Hammer, Jürgen Grimm gibt der Band Feuer, jede Rolle ist prima besetzt. Wie präzise und effektvoll Komponist und Textdichter David Yazdek arbeitet, sieht man am besten an der Rolle von Sandy, einer Freundin Michaels. Auch sie ist völlig erfolglos, privat wie beruflich. Sobald auch nur die Andeutung eines Hoffnungsschimmers aufleuchtet, malt sie sich in einem wilden Stakkato-Rhythmus aus, wie alles kaputt geht und sie wieder enttäuscht wird. Das ist einerseits extrem witzig und zugleich traurig, weil die Musik beschreibt, wie sie sich selbst im Weg steht. Aber auch sie findet ein Happy-End. Das gehört sich so im Musical, es gibt Hoffnung und feiert die Liebe und die Freundschaft. Riesenjubel für "Tootsie" in Bonn.
Termine
8. und 15. November und 6., 13. und 22. Dezember im Opernhaus in Bonn. Weitere Aufführungen in 2026.