Filmregisseur, Autor, Schauspieler, Jazzmusiker – all das ist Woody Allen. Im November wird er 90 Jahre alt. Er dreht nicht mehr wie früher jedes Jahr einen neuen Film. Aber er hat gerade seinen ersten Roman geschrieben – und nach langer Zeit mal wieder ein Theaterstück. Die Welturaufführung von "Vollversammlung im Neurosengarten" ist gerade in Deutschland zu sehen, im Essener Theater im Rathaus.
Kaum geht der Vorhang auf, merkt man den typischen Witz von Woody Allen. In einem hochmodern eingerichteten Apartment in New York wartet ein Pärchen – Jake und Sheila – auf zwei Gäste. Die sollen miteinander verkuppelt werden, denn sie sind sehr schüchtern. Aber eigentlich füreinander geschaffen. Da knallt Boots in den Abend, die Exfrau von Jake, eine blonde Energiegranate mit lautem Lachen und herziger Hemmungslosigkeit. Sie bringt alle durcheinander, flirtet erst mit ihrem Ex und sucht sich dann den plötzlich gar nicht mehr so schüchternen Gast aus. Der fährt voll auf Boots ab.
Woody Allen macht sich seit den siebziger Jahren gerne über Intellektuelle lustig. Auch diesmal stehen ein Schriftsteller, eine Professorin und eine Buchhändlerin auf der Bühne. Sie werfen mit Literaturzitaten um sich, was ihnen überhaupt nichts hilft. Denn wenn die Triebe übernehmen und die Neurosen blühen, sind sie völlig machtlos.
Der Text ist nicht der stärkste von Woody Allen, aber das fünfköpfige Ensemble gibt Vollgas. Es ist hinreißend, wie Markus Angenvorth als verklemmter Gast erstarrt, wie Ralf Stech als Jake versucht, die Kontrollle zu behalten, und wie Dorkas Kiefer im roten Kleid die ganze Gesellschaft aufmischt. Aline Hochscheid und Bianca Spiegel zeigen bei aller komödiantischen Spiellust auch ernsthafte Seiten. Wie überhaupt enthält die Komödie zwar viele hintergründige Pointen, hat aber auch eine philosophische Ebene.
Am Ende gibt es ein Happy-End, zumindest für zwei, zumindest auf Zeit. Ob die neue Liebe hält, weiß keiner. Aber so ist es nun mal im Leben. Nicht nur, wenn man, wie Woody Allen, alle Pflanzen im Neurosengarten so liebevoll begießt, dass sie bunt und fröhlich blühen.
Termine
Bis 11. Oktober im Theater im Rathaus in Essen.