Auf den ersten Blick sieht das kleine Kunstwerk richtig hübsch aus. Eine Marienfigur sitzt auf einem Baum mit einem schlanken Stamm. Doch dann fällt der Blick auf die Äste. Das sind gar keine Äste, das sind Zähne. Hier handelt es sich um einen Natternbaum aus dem 15. Jahrhundert. Glaubt man der historischen Überlieferung, soll dieses Gerät in der Lage gewesen sein, Gift im Essen anzuzeigen. Es erfüllte die Funktion eines Vorkosters. Doch das war wohl nur eine Legende. Denn die scheinbaren Natternzungen sind Haifischzähne, der Natternbaum war doch bloß Deko.
Der Natternbaum ist eins der schrägsten Stücke in der Ausstellung "Mahlzeit! – Wie Essen uns verbindet". Obwohl sie im Museum für Archäologie und Kultur in Herne stattfindet, geht es nicht nur um Gegenstände, die Forscher irgendwann ausgebuddelt haben. So sieht das Publikum gleich beim Betreten der Ausstellung einen Film über eine Supra – ein Festmahl in Georgien – und über historische Puppenküchen. Damit sollten Mädchen auf ihre spätere Rolle als Ehefrau, Köchin und Mutter vorbereitet werden. Was die Macherinnen und Macher der Ausstellung heute natürlich kritisch sehen.
Essen und Getränke gibt es nicht in der Ausstellung. Wenn zu viele auf den Boden krümeln, kämen die Ratten, das Museum liegt im Keller. Dafür gibt es viele Gelegenheiten zum Mitmachen. Quizaufgaben an Bildschirmen, ein Memoryspiel mit Essensbildern, einen Zapfhahn, unter den man die richtigen Trinkgefäße für die darüber angegebenen Getränke stellen muss. Mit einer VR-Brille kann man sich virtuell zu einem historischen Festessen setzen. Und auf einem Bildschirm läuft – passend zur Jahreszeit – ein Video des Münchner Oktoberfests.
Neben einem Faustkeil hängen Ikea-Teller an der Wand. Es geht quer durch die Jahrhunderte. Manche Stücke sind extra für die Ausstellung gemacht worden. Zum Beispiel ein mexikanischer Totenschrein, der mit Essen vollgepackt ist. Eine Künstlerin aus Bochum hat ihn hergestellt. In Mexiko werden die Toten ekstatisch mit einem Festmahl gefeiert, bei uns gibt’s meistens Streuselkuchen als Leichenschmaus. Beides hat seinen Platz in der Ausstellung, denn beides verbindet Menschen. Mahlzeit!
Termine
Bis 13. September 2026 im LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne.