Einige haben ja immer gedacht, Sinalco kommt aus Duisburg. Das darf man am Landestheater Detmold aber nicht laut sagen. "O Gott", sagt Autor und Regisseur Peter Lund. "Sinalco ist Detmold. Nach Duisburg ging die Marke in den neunziger Jahren. Aber geboren wurde sie 1905 hier und deswegen feiern wir auch 120 Jahre Sinalco.“
Peter Lund legt aber großen Wert darauf, dass er mit "Das Glück ist eine Orange" kein Werbestück für die Limonadenfirma geschrieben hat. Das Musical spielt auf zwei Zeitebenen. Einmal in den sechziger Jahren. Da kommt eine junge Frau in die Firma und erlebt den charismatischen Unternehmer Gustav Hardorp. Er hat Sinalco in der Zeit des Wirtschaftswunders nach vorne gebracht. Aber Hardorp war auch ein strammer Nazi und der zweite Teil der Geschichte findet zur Zeit des Nationalsozialismus statt.
1935 verdrängt Hardorp den jüdischen Geschäftsführer Carl Vogel. Aber der Firmenboss hat nicht nur schlechte Seiten. Er kümmert sich um seine Belegschaft, sorgt für gutes Kantinenessen und ordentliche Bezahlung. Hardorp hat ausführlich Tagebuch geführt. Die sind nun eine Grundlage des Textbuchs. Auch sonst hat Peter Lund beim Schreiben des Stücks auf historische Erkenntnisse zurück gegriffen.
Andere Figuren sind erfunden. Ein Werbefachmann zum Beispiel oder die Vorarbeiterin Emma Puhlmann. Diese Rolle steht für viele Frauen zu dieser Zeit in Ostwestfalen. Emma hat mit zwölf Jahren zu Hause angefangen, Orangen zu pressen und kam dann in den Betrieb. Dort wird sie schnell zu einer zentralen Figur, traut sich, den Mund aufzumachen, kennt viele Geheimnisse und Sorgen.
Die Opernsängerin Brigitte Bauma singt und spielt Emma Puhlmann mit sehr viel Ausstrahlung. Die Aufführung ist eine tolle Zusammenarbeit des hauseigenen Ensembles samt Chor, Ballett und Orchester mit dazu engagierten Musicaldarstellern. Thomas Zaufkes Musik nimmt populäre Schlager der Wirtschaftswunderzeit ebenso auf, wie die berühmten Werbemelodien von Sinalco.
So ist ein abwechslungsreiches Stück entstanden, das neben vielen fröhlichen Nummern auch immer wieder ernsthafte und dramatische Momente hat. Wenn es darum geht, wie man sich in einer Diktatur verhält, weist das Musical in unsere Gegenwart. Das Glück ist doch nur im Werbeslogan eine Orange.
Termine
28. und 29. Dezember, weitere Termine in 2026 bis 3. Juli. Schon viele Karten verkauft, frühzeitig buchen!
Sendung: Top 444, Kulturtipp, 27.11.2025, 10 Uhr.