"In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter." So steht es auf der Schleife bei der Beerdigung des Firmenpatriarchen Gernot. Mit 94 Jahren ist er sanft entschlafen. Vor 20 Jahren hätte sich wohl niemand über diese Beileidsbekundung aufgeregt. Doch heute ist das anders. Fühlen sich die Frauen bei der männlichen Form wirklich mitgemeint? Und damit die Schleife nicht zu lang wird, sollte man nicht vielleicht doch ein Gendersternchen einsetzen? Oder einen Doppelpunkt? Am Sarg entsteht eine wilde Debatte.
Über sprachliche Kleinigkeiten ist vielerorts ein Kulturkampf entbrannt. Das Autorenduo Dietmar Jakobs und Moritz Netenjakob macht sich einfach mal darüber lustig. Die beiden haben mit dem Erfolgsstück "Extrawurst" schon einen riesigen Erfolg gehabt. Gerade läuft die Verfilmung in den Kinos mit Hape Kerkeling und Christoph Maria Herbst. "Kalter weißer Mann" ist eine ebenso treffsichere Komödie. Denn die Autoren schlagen sich nicht auf eine Seite, sondern haben für jedes Argument eine passende Pointe. So kann das Publikum erst mal lachen. Und plötzlich kommt einem manche Begründung, die man vorher nicht nachvollziehen konnte, gar nicht mehr so blöd vor.
Das liegt auch daran, dass es keine richtig unsympathische Figur gibt. Horst Bohne, der sich als Nachfolger des Verblichenen sieht, ist zwar ein Sturkopf, aber geistig recht beweglich. Seine Rivalin mit der Berufsbezeichnung "Head of new development" verheddert sich selbst in der sprachlichen Korrektheit. Die Praktikantin, der Social-Media-Experte, die unterdrückte und sangesfreudige Sekretärin und der zunehmend genervte Pfarrer – sie alle teilen ein Schicksal. Sie sind überfordert und müssen sich irgendwie zusammenraufen, um die Beerdigung nicht völlig entgleisen zu lassen. Und dafür müssen sie erstmal eine gemeinsame Sprache finden. Eine intelligente, witzige und grandios gespielte Komödie mit René Heinersdorff an der Spitze eines tollen Ensembles.
Termine
Bis 22. März im Contra-Kreis-Theater in Bonn: Vorstellungen mittwochs bis samstags um 19.30 Uhr und sonntags um 18:00 Uhr.
Weitere Ausgehtipps
Sendung: WDR.de, WDR 4 Kulturtipp, 18.02.2026, 14:30 Uhr.