Die Festtagshaube eines Dienstmädchens liegt in der Ausstellung. Sie kommt ungefähr aus dem Jahr 1830. Wer sich Kopfhörer ausgeliehen oder eine App auf sein Smartphone geladen hat, kann ein kurzes Hörspiel anhören. Eine bescheidene, leise Stimme ertönt: "Ich verdinge mich als Dienstmagd im Hause vornehmer bürgerlicher Herrschaften", sagt sie. "Sieh nicht hin. Ich bin vom geringen Stand und gehöre zum Gesinde."
Doch! Wir sehen hin! Weil natürlich die Dienstmägde ebenso zur Stadtgeschichte Hamms gehören wie die Oberbürgermeister oder Händler. Die Frau, von der vielleicht noch ein paar Haare in der Haube kleben, ist über 100 Jahre alt geworden. "Sogar Gott hat mich vergessen", sagt sie im Hörspiel. Aber die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung "Hör mal hin!" im Gustav-Lübcke-Museum werden das nicht tun.
800 Jahre Stadtgeschichte Hamms erzählt die Ausstellung in 24 Dingen. Zu jedem gibt es ein Hörspiel mit atmosphärischen Geräuschen. Das älteste Objekt ist ein verrostetes Kettenhemd aus dem zwölften Jahrhundert, wahrscheinlich in einer Burg hergestellt, die es schon lange nicht mehr gibt. Ein Ledereimer erzählt von den vielen Bränden, unter denen die Stadt zu leiden hatte. So einen Eimer musste schließlich jeder Haushalt besitzen, um das Feuer bekämpfen zu können.
Bierflaschen erzählen von einer Brauerei im Kloster und von einem Bunker im Zweiten Weltkrieg, eine Benzin-Sicherheitslampe steht für die harte Arbeit im Bergwerk. Die Hörspiele machen die Geschichte auf sinnliche Art lebendig. Besonders toll: Wer gerade nicht so mobil ist, kann sich diese Ausstellung auch komplett online zu Hause ansehen und alle Audios anhören. Hamm zeigt vorbildhaft, wie sich Stadtgeschichte spannend, berührend und manchmal auch witzig erzählen lässt. Und natürlich gibt es viele Ähnlichkeiten zu anderen Städten, so dass die Ausstellung für alle interessant ist, die Geschichte mögen.
Termine
- Bis 14. Juni
- Dienstag bis Samstag: 10:00 – 17:00 Uhr
- Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr
Weitere Ausgehtipps
Sendung: WDR.de, WDR 4 Kulturtipp, 21.01.2026, 10:30 Uhr.