Der erste Blick beim Betreten der Ausstellung fällt auf einen Schminktisch. Eine Menge Kosmetikkram liegt darauf, Lippenstift, Lidschatten, Schwämmchen, was man so braucht, um perfekt schön zu sein. Der erste Raum der Ausstellung "Behind Beauty" führt in den Backstagebereich eines Theaters oder einer Modenschau.
Dann geht es in den großen Hauptraum – über einen Laufsteg. Kaum schreitet man darüber, fangen Scheinwerfer an zu blinken. Und in einem Spiegel sieht man sich selbst, leicht zeitverzögert, kann posieren oder es lassen, egal, jede Besucherin und jeder Besucher ist direkt dem eigenen Blick ausgesetzt. Und vielleicht schauen auch die anderen in der Ausstellung mal rüber, wenn jemand neues reinkommt.
Sich zeigen, sich inszenieren, das spielt eine große Rolle. Die Schau zeigt, wie es Schönheitsideale der letzten Jahrzehnte gemacht haben. Claudia Schiffer, das Topmodel der Neunziger, kommt aus der Gegend. Sie ist in Rheinberg geboren und in einer Düsseldorfer Disco entdeckt worden. Außerdem ist sie gerade 55 Jahre alt geworden. Wir sehen nicht nur einige tolle Plakate, auch das, auf dem sie sich mit ihrem Kind zeigt. Das war damals umstritten. Es geht auch darum, wie sie ihren Ruhm genutzt hat, um als Geschäftsfrau Erfolg zu haben.
Die Kosmetikindustrie ist weitgehend eine Frauendomäne. Viele Unternehmen werden von Frauen geleitet und nicht immer geht es um die gängigen Schönheitsideale. Ulla Popken zum Beispiel hat mit Plus-Size-Fashion eine Marktlücke entdeckt. Und Yves Saint-Laurent – einer der wenigen Männer in der Ausstellung – setzt gern auf Provokation und hat eine sehr beliebte Parfümreihe Opium genannt. Bei den Schönheitsidealen vertritt Arnold Schwarzenegger die Männlichkeit. Die Body-Building-Welle hat er in den siebziger Jahren mit gegründet, der muskelbepackte Körper geht auf die Darstellung antiker Helden zurück.
Das verlangt natürlich viel Training. Wer schön sein will, muss leiden. Das Sprichwort könnte sich als lippenstiftroter Faden durch die Ausstellung ziehen. Am besten sieht man es am Kleid der einzigen deutschen Miss Universe. Das war Marlene Schmidt im Jahr 1961. Das Kleid ist glamourös und glitzernd, aber es zeigt auch Schweißspuren. Perfekte Schönheit ist sehr viel Arbeit. Und natürliche Schönheit kommt doch eher von innen.
Termine
- Bis 1. November im LWL-Museum Textilwerk Bocholt.
- Dienstag bis Sonntag 10:00 – 18:00 Uhr.