Kabarettist Jürgen B. Hausmann nach Krise zurück

WDR 03:22 Min. Verfügbar bis 18.05.2028

"Mein Crash hat alles verändert" Jürgen B. Hausmann ist zurück auf der Bühne

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Nach Burnout und Autounfall ging erstmal gar nichts mehr. Jetzt ist er zurück auf der Bühne. Ein Gespräch mit dem Alsdorfer Kabarettisten Jürgen Beckers alias Jürgen B. Hausmann über seine Krise und die neue Kraft.

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Sophia Naim

Sie sind nach vier Monaten Pause wieder auf der Bühne. Wie fühlt es sich an?

Jürgen Beckers: Sehr gut! Ich musste eine lange Hürde überwinden, durch die lange Pause von vier Monaten. Auf der Bühne hatte ich mehr Lampenfieber als sonst, aber es fühlt sich sehr gut an und eigentlich auch besser als vorher. Ich bin lockerer geworden durch die ganze Umstellung, empfinde wieder mehr Freude und genieße meine Auftritte jetzt viel bewusster.

"Mein Crash hat alles verändert. Es gibt ein Leben davor und eins danach." Jürgen Beckers, Kabarettist aus Alsdorf

Mein Zusammenbruch, mein Crash hat dazu beigetragen, mich neu zu positionieren, langsamer zu werden, bewusster zu werden und eben auch die Dinge, die schön sind, mehr zu genießen und die Dinge und Personen, die einen mehr belasten, auch zurückzudrängen.

Was würden Sie Leuten raten, die durch viel Stress und Druck in ihrem Leben auch auf einen Crash zusteuern?

Beckers: Ich habe lange nicht auf meinen Körper gehört. Bis es dann zu spät war, dass der Körper sich vehement gewehrt hat und dann auch abgeschaltet hat. Ich kann nur jedem empfehlen, sobald der Körper sich meldet, darauf zu reagieren und zurückzuschalten.

Was waren die ersten Warnsignale?

Beckers: Ich habe schlechter geschlafen. Und: Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr mit derselben Lust und Freude auf die Bühne gegangen bin. Es war anstrengend. Und das, obwohl es ja meine Passion ist. Die Bühne ist ja mein Leben. Da wäre schon der Punkt, wo ich hätte auf die Bremse treten sollen. Dazu kam dann Ende 2025 der Autounfall.

"Da ist der Karren buchstäblich vor die Wand gefahren, mein Körper hat gestreikt, ich bin ohnmächtig geworden. Da habe ich gemerkt: Es geht nicht mehr weiter." Jürgen Beckers, Kabarettist aus Alsdorf

Wo haben Sie Hilfe bekommen?

Beckers: Ich war in einer professionellen Klinik - das kann ich auch jedem empfehlen, der ähnliche Probleme hat. Die haben zunächst die Situation analysiert, die Krankheit diagnostiziert und daraus auch die Schritte eingeleitet. Dort wurde mir empfohlen, wie ich mein Leben ändern muss. Ich wollte wieder in ein normales Leben zurückkehren - wenn auch nicht in das von vorher! Das habe ich von Anfang an gesagt: Da will ich nicht mehr zurück.

Haben Sie zwischendurch gedacht: "Das war's! Ich kehre nicht zurück auf die Bühne"?

Beckers: In der ersten, härtesten Phase denkt man darüber nach, mit der Bühne wirklich Schluss zu machen und zu sagen: Ich schaff das nicht mehr. Man ist dann von der Anspannung und von der Belastung so dominiert. Aber mit der Zeit und durch die Behandlung wurde ich langsam wieder fitter, auch psychisch. Dann kam die Lust zurück, wieder aufzutreten. 

Hat sich Ihr Humor durch die schwierige Zeit verändert?

Jürgen B. Hausmann mit Schürze

Jürgen B. Hausmann im Jahr 2019 auf der Bühne

Beckers: Die Grundsubstanz des Humors ist gleich geblieben, aber sie ist besinnlicher geworden. Einer der ersten Hoffnungs-Momente war, dass ich auch in der Klinik lustig sein konnte und dass das auch bei den Mit-Patienten ankam. Das heißt nicht, dass ich meine Programme aufgeführt habe, ich wusste nur: Mein Grundhumor ist noch vorhanden. Wir haben auch viele ernste und sehr einfühlsame Gespräche geführt, aber das nimmt ja alles Einfluss aufeinander.

"Wichtig: Auch mal den Kopf leer laufen lassen. Einfach nichts tun. Das ist uns allen fremd geworden!" Jürgen Beckers, Kabarettist aus Alsdorf

Mir hilft es, jetzt regelmäßig Pausen einzulegen. Ohne Input von außen. Ich stelle mich selbst mehr in den Mittelpunkt. Das ist kein Egoismus, sondern Vernunft. Ich sehe es auch nicht als Faulenzerei, sondern als essenziell. Gerade wenn man kreativ sein will, muss man den Druck loswerden. Dadurch habe ich letztlich drei, vier neue Szenen in mein Programm eingebaut, die mir in der Zeit eingefallen sind.

Es ist bemerkenswert, wie offen Sie mit Ihrer Krise umgehen. Hatten Sie nie Scham, darüber zu sprechen?

Beckers: Das ist natürlich eine Typ-Frage. Mir hilft es, darüber zu sprechen, als Teil der Selbsttherapie. Ich hätte ein Problem damit, das kaschieren zu wollen. Ich gebe ja nicht jedes Detail preis, will aber grundsätzlich zu der Situation stehen. Das ist auch Teil des Kampfes für mein neues Leben. Es ist wie bei einem Sprichwort: Fallen darf man, aber man muss wieder aufstehen!

Jetzt gerade sind Sie mit ihrem Programm "Dat is e Ding!" zum 25-jährigen Bühnenjubiläum unterwegs. Ab November mit dem neuen Programm "Karneval anno dazumal". Fühlen Sie sich wieder 100 Prozent fit?

Beckers: Meine Kraft ist zu 95 Prozent zurück, die restlichen fünf Prozent kommen dazu durch mehr Bewusstsein und durch Entschleunigung. Ich muss sagen: Die 100 Prozent von früher will ich auch gar nicht mehr zurück. Ich will lieber einen Gang runterschalten. Das fällt mir manchmal zwar noch schwer, aber das muss ich mir selber beibringen!

Unsere Quelle:

  • Gespräch mit Jürgen Beckers

Sendung: WDR.de, Kabarettist Jürgen B. Hausmann nach Krise zurück, 20.05.2026, 07:02 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 20.05.2026

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