Da sind sie, Urmel, der Saurier, der im Eis überlebt hat, und der kleine König Kalle Wirsch. Schauspielerinnen stecken in den riesigen Kostümen und ahmen die Stimmen aus den Originalstücken der Augsburger Puppenkiste nach. Die Puppen leben, denken, diskutieren. Das ist oft komisch und auch anrührend. Denn sie leben im Theater und träumen vom Sonnenlicht, vom Leben draußen.
"Herzfaden" heißt ein wunderschöner Roman von Thomas Hettche über die Geschichte der Augsburger Puppenkiste. Der "Herzfaden", so erklärt Theatergründer Walter Oehmichen im Buch, ist "der wichtigste Faden der Marionette. Nicht sie wird mit ihm geführt, sondern mit ihm führt sie uns." Thomas Wehling spielt Oehmichen auf der Bühne, ein Mann voller Energie und Verletzlichkeit. Er hat als Offizier die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erlebt. Nun will er zu Hause in Augsburg eine Welt der Schönheit aufbauen. Mit Marionetten statt Menschen. Denn Puppen können sich so etwas wie Unschuld bewahren.
So einfach ist es natürlich nicht. Es gibt eine Kasper-Marionette, in der ebenso viel Witz wie Bosheit steckt. Christine Diensberg spielt sie im direkten Kontakt mit dem Publikum. Hauptfigur ist Hannelore, genannt HaTü (Brit Dehler), die Tochter Walter Oehmichens. Mitten in Schutt und Hunger, gegen manche Widerstände kämpft sie mit ihrer Familie um ihr Theater. Nils Zapfe hat mit zwei grandiosen Puppenspielern eine tolle Aufführung mit Menschen und Figuren inszeniert, eine Geschichte vom Erwachsenwerden in schwierigen Zeiten. Und von der Kraft, sich die Träume nicht zerstören zu lassen.
Termine
Termine: 3., 24. Mai, 2., 7., 24. Juni, 5., 7. Juli im Theater Bielefeld
Weitere Ausgehtipps
Sendung: WDR.de, WDR 4 Kulturtipp, 22.04.2026, 12:00 Uhr.