Schwarz-Weiß Foto von drei jungen Männern

Fotoausstellung über griechische Gastarbeiter in den Siebzigern

Stand:

Das Dortmunder Hoesch-Museum zeigt Menschen auf Spielplätzen, in Kneipen und Kirchen. Bewegende Bilder über das Leben von Griechen im Ruhrgebiet vor 50 Jahren.

Von Stefan Keim

Fotoausstellung über griechische Gastarbeiter in den Siebzigern

WDR 4 Ausgehen 09.04.2026 01:01 Min. Verfügbar bis 08.04.2027 WDR 4

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Ein Spielplatz im Dortmunder Norden. Jungs balgen sich im Sandkasten. Andere lungern ein bisschen herum. Im Hintergrund sieht man ein Hakenkreuz. Aber da schaut keiner hin. Die Ausstellung "Wie´s innen aussieht, geht niemand was an" führt 50 Jahre zurück, ins Jahr 1976 im Dortmunder Norden. Hier wohnen viele griechische Gastarbeiter mit ihren Familien. Sie wissen noch nicht, ob sie wirklich lange bleiben wollen. Erstmal sind sie nur da, um Geld zu verdienen. Aber leben wollen sie trotzdem.

Die Fotografen Jürgen Spiler und Thomas Strenge waren damals Anfang 20. Man sieht sie selbst auf einem der Schwarzweißfotos, junge Männer mit damals modernen Wuschelköpfen. Sie haben so lange auf den Spielplätzen gesessen, bis niemandem mehr auffiel, dass sie da waren. Sie haben das Vertrauen der Griechinnen und Griechen gewonnen, durften bei Hochzeiten und Gottesdiensten dabei sein, in die engen Wohnungen kommen.

Thomas Strenge und Jürgen stehen vor den Fotos in der Ausstellung.

Thomas Strenge und Jürgen Spiler lassen mit ihren Fotos den Alltag von Dortmunder Griechen in den 1970er Jahren wieder aufleben.

"Wir wurden zum Essen eingeladen", erzählt Thomas Strenge. "Wir haben getrunken, gegessen und erstmal gar nicht fotografiert", ergänzt Jürgen Spiler. "Nach einer gewissen Zeit waren wir Bestandteil der Familien. Wir waren plötzlich unsichtbar als Fotografen." Das waren die Momente, in denen sie authentische Fotografien machen konnten.

Ein besonders berührendes Bild zeigt einen Tisch, der mit Tellern und Essen überladen ist. In der vollgestopften Wohnung wird abwechselnd gegessen, weil nicht für jeden zugleich Platz am Tisch ist.

Die Bilder zeigen Menschen, die Nähe suchen. Sie lachen und tanzen, die Jugendlichen schauen oft cool in die Kamera, mit Dauerwellen über Lederjacken. Dieser Anblick hat 1976 in Dortmund manche verstört. Zeitungsausschnitte erzählen die Geschichte der Ausstellung. Eigentlich war sie als Teil der Auslandskulturtage geplant. Aber die Stadtoberen waren der Meinung, dass die Bilder ein zu negatives Bild von Dortmund zeigen. Lustigerweise haben Dortmunds Verwaltungsspitzen viele Jahre später ganz ähnliche Sätze gesagt, als der Dortmund-Tatort im Ersten startete.

Isolde Parussel, die Leiterin des Hoesch-Museums steht neben zwei Ausstellungsstücken die an der Wand hängen.

Die Leiterin des Hoesch-Museums Isolde Parussel hat die Arbeit der Fotografen vor etwa 10 Jahren wiederentdeckt.

Durch Zufall fand die Leiterin des Hoesch-Museums, Isolde Parussel, heraus, dass es die Bilder noch gab. Die beiden Fotografen leben auch noch in Dortmund. So entstand die Idee, die Ausstellung 50 Jahre später noch einmal zu zeigen. Diesmal richtig und ohne Distanzierung. "Es ist ein Thema des Ruhrgebiets. Ankommen, aufgenommen werden, Integration, nicht Integration", sagt Isolde Parussel.

Viele große Medien haben berichtet, es gab schon viel Publikum. Weil die Bilder so viel Menschlichkeit rüber bringen und nicht mit dem Zeigefinger Toleranz predigen, sondern man ganz von alleine darüber schmunzelt, worüber sich vor 50 Jahren Leute aufgeregt haben. Und vielleicht auf den Gedanken kommt, dass die Araber, die in den vergangenen Jahren zu uns gekommen sind, genau so normal und menschlich sind, wie die Griechen und Italiener damals.

Termine

Die Fotoausstellung ist bis 28. Juni im Hoesch-Museum Dortmund. Eintritt frei, auch ins Museum.

Weitere Ausgehtipps

Sendung: WDR.de, WDR 4 Kulturtipp, 08.04.2026, 11:30 Uhr.

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