Rechtsanwalt Hans Reinhardt

True-Crime-Wörterbuch: Jurist Hans Reinhardt erklärt Fachbegriffe

Sozialprognose und Legalprognose

Ob ein verurteilter Täter frühzeitig aus der Haft kommt, hängt von dessen Sozialprognose ab. Wie entsteht die überhaupt? Und welche Risiken gibt es dabei? Rechtsanwalt Hans Reinhardt klärt auf.

Was versteht man unter Sozialprognose?

Unter einer Sozialprognose (auch Legalprognose) versteht man die kriminologisch-psychiatrische Risikoeinschätzung eines Straftäters. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob er in Zukunft straffrei leben - und somit vorzeitig entlassen werden kann.

Die endgültige Entscheidung trifft allein ein Richter, der dabei auch einen Ermessensspielraum hat. Zur Vorbereitung auf diese Entscheidung werden verschiedene psychiatrische Gutachten erstellt. Sie setzen sich mit der Tat, der Persönlichkeit des Täters und seiner Entwicklung im Strafvollzug auseinander.

Gerade bei Gewaltdelikten (insbesondere im Sexualbereich) muss zwingend ein schriftliches Gutachten eines Sachverständigen eingeholt werden. Bei derartigen Delikten will und muss der Richter auf Nummer sicher gehen, denn die Rückfallgefahr wird bei triebgesteuerten Taten weitaus höher eingeschätzt. In der Praxis ist es schon häufig zu Rückfällen und damit zu falschen Prognosen gekommen, entsprechend ist hier besondere Vorsicht geboten. Andererseits müssen aber bei Prognosen auch Risiken in Kauf genommen werden.

Ein Fallbeispiel: Der Rhein-Ruhr-Ripper

Frank Gust ist neun Jahre alt, als er sein Meerschweinchen mit einer Betonplatte erschlägt. Ab diesem Zeitpunkt entwickelt der spätere Serienmörder weitere grausame Charaktereigenschaften. Mit 13 dringt er in die Leichenhalle eines Friedhofs Oberhausen ein. Mit 24 tötet er zum ersten Mal ein Pferd. Doch es bleibt nicht bei Tieren. Insgesamt tötet der sogenannte Rhein-Ruhr-Ripper vier Frauen.

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Bereits 1994 deutet Frank Gust seiner Mutter gegenüber an, einen Mord begangen zu haben. Diese berichtet jedoch erst 1999 einer Freundin davon, die daraufhin die Polizei auf den Serienmörder aufmerksam macht. Kurze Zeit später wird er verhaftet. Gust wird zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Seit 2020 hat er regelmäßige Freigang. Ob Gust eines Tages freigelassen werden darf, muss letztendlich von psychologischen Gutachtern und den Gerichten entschieden werden.

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