Bild von Karen Oehme in weiß-braun, sie trägt eine Kurzhaarfrisur und ein gestreiftes Oberteil

Karen Oehme wurde 1983 vergewaltigt und ermordet

Mord an Karen Oehme: Wie konnte der Fall nach 20 Jahren gelöst werden?

Stand:

1983 wird die Assistenz-Tierärztin Karen Oehme tot in einem Haferfeld bei Dülmen im Münsterland gefunden. Trotz zahlreicher Spuren kann die Polizei erst zwei Jahrzehnte später den Täter fassen. Ein Rechtsmediziner erklärt, warum der Fall doch noch aufgeklärt werden konnte.

Von Helena Kaufmann
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Der Fall Karen Oehme

Juli 1983, Karen Oehme ist 25 Jahre alt und hospitiert in der Tierklinik Hochmoor in Gescher. Die studierte Tiermedizinerin verabschiedet sich mit einer Grillparty von ihren Kollegen. Wenige Stunden später wird sie tot in einem Haferfeld gefunden. Ihr Körper ist entblößt und weist Spuren eines Kampfes auf. Neben ihrem Auto findet die Polizei später Erbrochenes. Reste von Frikadellen und Kartoffelsalat.

Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass Oehme mehrfach gewürgt wurde. Der Täter handelte nicht im Affekt. Es war keine Körperverletzung mit Todesfolge, sondern Mord. Doch der Täter bleibt zunächst unbekannt. Mehr zu dem Fall und ein Interview mit Sven Oehme, der Bruder des Opfers, zeigen wir bei WDR Lokalzeit MordOrte auf YouTube.

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Lange galt der Fall als Cold Case. Doch 19 Jahre nach der Tat kann der Täter doch noch überführt werden. Forensikern ist es mit der damals neuen PCR-Methode gelungen, ein Profil des Täters zu erstellen. Maximilian Hagen ist Rechtsmediziner am Uniklinikum Münster und erklärt, wie eine Obduktion heutzutage abläuft und warum die Forschung zum Tatzeitpunkt noch nicht so weit war.

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So läuft eine Obduktion ab

Lokalzeit: Was sind die ersten Schritte, wenn ein Leichnam in der Rechtsmedizin eintrifft?

Maximilian Hagen: Zuerst wird der Leichnam ins System eingepflegt, sodass jeder weiß, welcher Leichnam zu welcher Zeit wirklich bei uns liegt. Der erste Schritt bei einer Obduktion ist dann immer eine detaillierte äußerliche Besichtigung. Das fängt bei der Kleidung an. Manche Sachen können offensichtlich sein, zum Beispiel ein Textildefekt nach einer Schnittverletzung durch ein Messer, andere ganz subtil wie Textileinschmelzungen nach einem Verkehrsunfall. 

Dr. Maximilian Hagen in seiner Arbeitskleidung. Er befindet sich in einem Untersuchungszimmer.

Rechtsmediziner Dr. Maximilian Hagen führt regelmäßig Obduktionen durch

Lokalzeit: Worauf achten Sie bei einer Leiche, wenn Sie etwas über Todesumstände und Todeszeitpunkt erfahren wollen?  

Hagen: Zu erkennen, woran jemand verstorben ist, ist die große Kunst. Es gibt Fälle mit dem einen großen Befund, wie eine Schussverletzung oder ein sichtbarer Herzinfarkt. Letztlich muss man bei jeder einzelnen Sektion auf jedes Detail achten. Man weiß nie, was kommt. Ein Beispiel: Bei einem Verkehrsunfall zwischen einem PKW und einem LKW kann es auf der Hand liegen, woran der Autofahrer verstorben ist. Vielleicht ist es aber auch zu dem Unfall gekommen, weil der PKW-Fahrer eine innere Erkrankung hatte - ein Herzinfarkt oder einen epileptischen Anfall zum Beispiel. All das gilt es in der Obduktion zu klären.

Lokalzeit: Wie oft helfen rechtsmedizinische Erkenntnisse dabei, Fälle überhaupt erst als Verbrechen zu erkennen?

Hagen: Zum Glück sind es nur absolute Einzelfälle, bei denen erst im Rahmen der Obduktion klar wird, dass es sich um ein Verbrechen handelt. Das ist immer sehr unschön, weil Zeit und Spuren verloren gehen. In der Regel weiß man schon vor Ort, dass es sich um ein Kapitalverbrechen, also um einen Mord handeln kann, und dann wird dementsprechend auf jedes Detail geachtet.

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Chancen durch neue DNA-Methoden

Lokalzeit: 1983 wurde die Tiermedizinerin Karen Oehme tot in einem Haferfeld gefunden. Man hatte Spermien, einen blutigen Handabdruck am T-Shirt, Jeans-Fasern und ein Haar gefunden. Warum konnte man mit dieser Menge an Spuren den Täter nicht finden?

Hagen: Das Problem war, dass man mit den damaligen Methoden zur Erstellung eines DNA-Profils viel gute DNA brauchte, und die hatte man damals nicht.

Lokalzeit: Was ist gute DNA?

Hagen: Früher brauchte man ein Hundertstel Gramm reine, unzerstörte DNA. Das ist so viel wie in einem kleinen Tropfen Blut. Man denkt jetzt vielleicht, das sei nicht viel, aber an einem Tatort gibt es meist nur eingetrocknete Reste von Spuren und diese Spuren sind gleichzeitig äußeren Einwirkungen ausgesetzt. Unter anderem Hitze, Feuchtigkeit und Bakterien führen dazu, dass die DNA kaputt geht. Wenn ich mit der damaligen Methode diese inkomplette DNA untersuche und die Analyse nicht gelingt, ist die Probe weg und das Ergebnis ist einfach nutzlos. Dann habe ich nichts gewonnen.

Ein Rechtsmediziner in Arbeitskleidung. Er befindet sich in einem Labor und hält eine Pipette in der Hand

Die Wissenschaft war zum Tatzeitpunkt noch nicht weit genug

Lokalzeit: Das heißt, man war damals mehr auf die klassischen Ermittlungsmethoden angewiesen?

Hagen: Genau, also Zeugenaussagen, Fingerabdrücke, Haare, die man am Tatort findet. Damit konnte man zum Beispiel eine Haaranalyse machen oder die Haarfarbe oder die Blutgruppe bestimmen. Wenn ich jetzt weiß, der Tatverdächtige hat Spuren hinterlassen und er hat die Blutgruppe A, dann weiß ich damit zwar relativ wenig, weil Millionen Menschen diese Blutgruppe haben, aber wenn ich schon einen Tatverdächtigen habe, kann ich ihn damit abgleichen: Hat unser Tatverdächtige die Merkmale, die wir am Tatort gefunden haben?

Lokalzeit: In den 2000ern gab es dann den Gamechanger. Wo stand die Wissenschaft da?

Hagen: Damals wurde die PCR-Methode entwickelt und wird seitdem im großen Maßstab gebraucht. Die neue Methode hat es möglich gemacht, zerstörte und fragmentierte DNA vor der Analyse zu vervielfachen und ein DNA-Teilprofil zu erstellen. Damit ist aber immer noch nicht eindeutig, zu wem das Teilprofil gehört. Erst der Abgleich mit der DNA des Tatverdächtigen bringt den entscheidenden Beweis. Wenn dann auch noch weitere Spuren auf den Tatverdächtigen hinweisen, verdichtet sich das Bild und das Gericht kann sich sicher sein, dass sie den Täter haben.

Lokalzeit: So konnte schlussendlich auch der Fall Karen Oehme gelöst werden?

Hagen: Ja, mithilfe der neuen PCR-Methode konnten die Ermittler im Fall Karen Oehme ein Profil des Täters erstellen und in der Datenbank des BKA gab es dann den entscheidenden Match.

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