Der Godelheimer See in Höxter von oben

Leichenfund im Mai 2001: der Godelheimer See in Höxter

Cold Case gelöst Die Tote aus dem Godelheimer See in Höxter

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Grausamer Fund vor 25 Jahren in einem See bei Höxter: Taucher finden die Überreste einer Frauenleiche. Wer ist die Tote? Wie ist sie gestorben? Jahrzehntelang stehen die Ermittler vor einem Rätsel. Bis ein Aufruf in der Öffentlichkeit den entscheidenden Durchbruch bringt.

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Stefan Weisemann
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Schock unter Wasser: Taucher finden Leichenteile

Im Mai 2001 gleiten zwei Taucher der DLRG bei einem Lehrgang durch den Godelheimer See in Höxter. Unter Wasser ist es dunkel, nur ihre Taschenlampen werfen einen Lichtkegel. Der Schein der Lampen fällt auf den Grund des Sees, auf Pflanzen und dann - auf Knochen. Beckenknochen und Beinknochen eines Menschen. Es sind Überreste einer zerstückelten Leiche. Sie liegt wohl schon seit Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, im See.

Schon drei Jahre zuvor hatte eine Sporttaucherin von einer Leiche im Godelheimer See berichtet. Eine anschließende Suchaktion blieb aber erfolglos. Jetzt gibt es Gewissheit. Spezialtaucher der Kölner Polizei bergen die Leichenteile.

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Die Taucher suchen auch nach weiteren Knochen. Aber ohne Erfolg. Der Kopf und der Oberkörper der Leiche bleiben verschwunden. An den Knien und Oberschenkeln finden die Ermittler jedoch etwas Auffälliges: Sie sind schlaufenförmig mit beigem Paketband umwickelt.

Die Polizei geht deshalb schnell von einem Tötungsdelikt aus. Ein Unfall oder Suizid erscheinen unwahrscheinlich. Doch ansonsten steht sie vor einem Rätsel. Wie ist die Person ums Leben gekommen? Und wer ist sie überhaupt?

Die Ermittler gehen Hinweisen aus der Bevölkerung nach, durchforsten Vermisstenanzeigen, lassen die Leichenteile untersuchen, nehmen DNA-Proben. Doch kein Vermisstenfall passt zur Leiche, kein Hinweis bringt einen Durchbruch. Die Fragen bleiben unbeantwortet, der Fall ungelöst.

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Fortschritt bei DNA: Das Aussehen der Toten

"Jeder ungeklärte Fall ist natürlich ein Stachel im Pelz des Kriminalbeamten", sagt Kriminalhauptkommissar Markus Mertens 25 Jahre später. Er und seine Kollegen bei der Polizei Bielefeld geben deshalb nicht auf. In der Mordkommission "Seestern" rollen sie den Fall noch einmal auf.

Die Ermittler setzen dabei unter anderem auf neue Erkenntnisse aus der Untersuchung der DNA der Toten. Schließlich haben sich Technik und Methoden auf diesem Gebiet in den letzten Jahrzehnten sehr stark weiterentwickelt. Mittlerweile ist es zum Beispiel möglich, aus der DNA auch Rückschlüsse auf das mögliche Äußere einer Person zu ziehen.

Kriminalhauptkommissar Markus Mertens von der Bielefelder Polizei steht am Ufer des Godelheimer Sees in Höxter

Hat den Cold Case um die Leiche im See neu aufgerollt: Kriminalhauptkommissar Markus Mertens

So lässt sich auch die Tote aus dem See heute genauer beschreiben, obwohl damals praktisch nur noch Knochen gefunden wurden: "Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte sie blaue Augen, helles Haar und einen blassen bis mittleren Hauttyp. Zum Todeszeitpunkt dürfte das Opfer etwa 18 bis 30 Jahre alt gewesen sein", sagt Mertens.

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Trotz neuer Erkenntnisse: Fall bleibt zunächst ungelöst

Die Polizei durchforstet mit der DNA der Toten noch einmal alle möglichen Datenbanken. Doch es gibt keinen Treffer. Nicht deutschlandweit, nicht europaweit, nicht weltweit. Nirgendwo gibt es eine Übereinstimmung mit einer DNA naher Verwandter. Ihre Identität bleibt zunächst ungeklärt.

Immerhin setzt sich für die Ermittler dank der neuen Erkenntnisse nach und nach ein etwas klareres Bild des Falls zusammen. Auch dafür, dass damals nur Teile der Leiche im See gefunden wurden, gibt es eine mögliche Erklärung. "Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Körper hier damals am Stück eingebracht worden ist, ist sehr groß", sagt Ermittler Mertens, während er am Ufer des Sees steht.

Seine Vermutung: Regelmäßig wurde ein Schwimmgreifer auf dem Godelheimer See eingesetzt, um Kies und Sand abzubauen. Dessen Greifer könnte die Leiche auf dem Grund zertrennt haben - ohne dass der Baggerführer über Wasser etwas davon mitbekommen hat. Doch die entscheidenden Fragen bleiben erst einmal dieselben wie beim Fund der Leichenteile vor 25 Jahren: Wie ist die Frau ums Leben gekommen? Und wer ist sie überhaupt?

Ein beiges Paketband mit zwei geknoteten Schlaufen, mit diesem Paketband waren die Beine der Leiche umwickelt

Erstmals veröffentlicht: das Paketband, das um die Beine der Leiche gewickelt war

Im Februar 2026 wenden sich die Ermittler an die Öffentlichkeit. Sie bitten um Hinweise, ob sich jemand an das plötzliche Verschwinden einer Frau im Raum Höxter erinnern kann. Außerdem veröffentlichen sie zum ersten Mal Bilder von dem Paketband, das um die Beine der Leiche gewickelt war.

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Öffentlicher Aufruf: Fall bekommt überraschende Wende

Dieser Aufruf wird schließlich zum Durchbruch. Die Polizei bekommt sieben Hinweise. Den alles entscheidenden von einer Frau, die Ende der 1980er-Jahre die Krankengymnastikschule der Weserbergland-Kliniken in Höxter besucht hat. Sie erinnert sich daran, dass im September 1988 eine Mitschülerin plötzlich verschwunden ist. Martina S., damals 25 Jahre alt.

Die Frau meldet sich bei der Polizei in Hannover. Diesmal haben die Ermittler Glück. Denn bei der Kripo in Hannover ist aus einem anderen Fall eine Speichelprobe des Bruders von Martina S. hinterlegt. "Bereits bei der ersten Inaugenscheinnahme der beiden DNA-Meldebögen fielen deutliche Ähnlichkeiten auf", sagt Kommissar Mertens. Und tatsächlich: Die genauere DNA-Analyse bestätigt, dass Martina S. die Leiche aus dem Godelheimer See ist.

Jetzt wissen die Ermittler auch genau, wie sie aussah. Sie hatte blaue Augen, mittelblonde Haare und helle Haut. Genauso, wie es die DNA-Analyse ergeben hatte. Eine Bestätigung für die Arbeit der Ermittler.

Damit blieb noch eine Frage: Wie ist Martina S. ums Leben gekommen? Die Ermittler sprechen mit Menschen, die Kontakt zu ihr hatten. Und sie werten eine kurze Notiz aus, die die junge Frau damals in ihrer Wohngemeinschaft hinterlassen hat. Es war offenbar ein Abschiedsbrief.

So gibt es eine letzte Wendung in diesem Cold Case. Die Ermittler gehen jetzt doch von einem Suizid aus. Auch das um die Beine gewickelte Paketband spricht nicht gegen diese neue Theorie: Es könnte "zur Anbringung eines beschwerenden Gegenstandes im Kniebereich oder zur Einschränkung der eigenen Bewegungsfreiheit bei einem 'Ins-Wasser-Gehen' eingesetzt worden sein", erklärt Mertens.

Mehr als 37 Jahre nach ihrem Verschwinden in Höxter, 25 Jahre nach dem Fund ihrer Leiche im Godelheimer See: Der Tod von Martina S. ist damit endlich aufgeklärt.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Kriminalhauptkommissar Markus Mertens
  • WDR-Interview mit Gerichtsmediziner Maximilian Hagen
  • Polizei Bielefeld

Dieser Beitrag liefert Informationen zum WDR MordOrte Youtube-Video "Das jahrelange Rätsel vom Godelheimer See" vom 04.05.2026, 17 Uhr.

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