Rechtsanwalt Hans Reinhardt

True-Crime-Wörterbuch: Jurist Hans Reinhardt erklärt Fachbegriffe

Besondere Schwere der Schuld: Was bedeutet das?

Wenn ein Gericht einen Täter verurteilt, kann es dabei die "besondere Schwere der Schuld" feststellen. Aber wann genau passiert das? Und welche Folgen hat das für den Verurteilten? Rechtsanwalt Hans Reinhardt klärt auf.

Was bedeutet "besondere Schwere der Schuld"?

Eine lebenslängliche Freiheitsstrafe bedeutet nicht, dass Verurteilte wirklich bis zu ihrem Tod im Gefängnis bleiben. Nach 15 Jahren kann eine frühzeitige Haftentlassung beantragt werden. Anders verhält es sich, wenn das Gericht neben dem Urteil "Lebenslänglich" die sogenannte "besondere Schwere der Schuld" festgestellt hat. Wenn also die Tat grausam und brutal begangen wurde, die Motive besonders verwerflich waren oder der Person abartige sexuelle, auch gewalttätige Neigungen zugeschrieben werden.

In der Regel verlängert sich dann die Verbüßungsdauer um fünf bis zehn Jahre - das liegt im Ermessen der Strafvollstreckungskammer des Gerichts am jeweiligen Gefängnisort. Also kann frühestens nach 20 Jahren ein Antrag auf vorzeitige Entlassung zur Bewährung gestellt werden. Bei weiter bestehender Gefährlichkeit ist auch eine unbegrenzte Verbüßung der Haft möglich.

Ein Fallbeispiel: Der Polizistenmord von Holzminden

Es ist der frühe Morgen des 12. Oktober 1991, als bei der Polizei ein angeblicher Wildunfall auf dem Waldparkplatz Rottmündetal gemeldet wird. Die beiden Polizeiobermeister Jörg L. und Andreas W. übernehmen den Fall, der sich anhört wie ein Routineeinsatz. Wenig später sind beide tot.

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Die Ermittlungen in dem Fall führen die Polizei ins Gefängnis - und zum Täter. Wärter erkennen in einem veröffentlichten Anruf die Stimme des gerade erst entlassenen Dietmar J. Er und seine zwei Brüder werden festgenommen. Zwei Jahre nach Prozessbeginn wird Dietmar J. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete eine Sicherheitsverwahrung an. Anfang August 2024, fast 30 Jahre nach seiner Verurteilung, wird J. auf Bewährung aus der Haft entlassen.

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