Amphibienarche aus Kreis Höxter soll ganz NRW mit bedrohten Fröschen, Unken und Kröten versorgen
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 10.06.2028.
14 Amphibienarten leben im Kreis Höxter. Vier von ihnen sind vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet. Und genau die werden seit Frühjahr 2024 in der Amphibienarche in Brakel-Modexen gezüchtet. Wenn die Kröten, Unken und Frösche groß genug sind, werden sie in Teichen und Tümpeln ausgesetzt, nicht nur in Ostwestfalen-Lippe, sondern auch im benachbarten Sauerland, und wenn es weiterhin so erfolgreich läuft, irgendwann in ganz NRW.
Lurche müssen sich wohlfühlen
Einfach ist die Amphibienzucht nicht, jedenfalls dann nicht, wenn es um hunderte von Tieren geht. "Dafür gab es kein Handbuch", erzählt Frank Grawe von der Landschaftsstation im Kreis Höxter. Die Außengehege der Arche mussten so gebaut werden, dass sich die Lurche dort wohlfühlen und paaren. Außerdem werden sie mit Gittern geschützt, damit sich Störche und Waschbären nicht bedienen.
Amphibien machen Arbeit
Laubfrösche lieben es, wenn es in ihren Terrarien schön feucht ist. Und jeden Tag müssen einige hundert Lurche von den Beschäftigten der Landschaftsstation gefüttert werden, etwa mit Grillen. "Das ist personalaufwendig", sagt Grawe. Auch das Wasser müsse regelmäßig gewechselt werden.
Der stark bedrohte Laubfrosch wird neuerdings ebenfalls in der Amphibienarche gezüchtet.
Der Froschkönig ist ein Sympathieträger
Das alles kostet Geld - und das nicht gerade wenig. Mit mehr als 200.000 Euro fördern die NRW-Stiftung, der LWL und der Kreis Höxter die Amphibienarche. Der Erfolg lässt sich sehen: fast 1000 Kröten und Unken wurden schon ausgesetzt, bald geht's für die ersten Laubfrösche in die Freiheit. Besucherinnen und Besucher der Amphibienarche sind begeistert, besonders Schulklassen, erzählt Frank Grawe. Na klar, der Laubfrosch, Vorbild für den Froschkönig, sei ein Sympathieträger.
Unken lieben trübe kleine Tümpel
Dennis Wiegard (vorn) und Frank Grawe von der Landschaftsstation Höxter setzen die Gelbbauchunken in Nieheim frei. Die Tiere lieben solche kleinen, trüben Tümpel.
Zur Zeit werden viele Tiere ausgesetzt, etwa in den Nieheimer Tongruben. In unauffälligen, trüben, kleinen Tümpeln fühlen sich Gelbbauchunken besonders wohl. Allerdings leben sie auch in Freiheit weiter hinter (Schutz-)Gittern, damit sie nicht gleich wieder gefressen werden. Den Männern von der Landschaftsstation fällt der Abschied von den warzigen Tieren leicht.
"Das ist der Moment, auf den wir fast ein Jahr lang hingearbeitet haben, der krönende Abschluss. Wenn die sich jetzt noch reproduzieren, haben wir gewonnen." Dennis Wiegard und Frank Grawe, Landschaftsstation Kreis Höxter
Unkenrufe und Gequake erwünscht
Die Beschäftigten der Landschaftsstation Höxter kümmern sich übrigens auch um neue Kröten-, Unken- und Froschparadiese. Nach und nach werden 400 Tümpel renaturiert oder neu ausgegraben. Unkenrufe und lautes Gequake sind hier ausdrücklich erwünscht.
Unsere Quellen:
- Landschaftsstation im Kreis Höxter
- Recherche vor Ort
- Beobachtungen des Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Amphibienarche aus Kreis Höxter soll ganz NRW mit bedrohten Fröschen, Unken und Kröten versorgen, 10.06.2026, 06:02 Uhr
