Ehrenamtliche Taucher reinigen Seehundbecken im Tierpark Bochum

WDR 04:34 Min. Verfügbar bis 18.05.2028

Ehrenamt im Tierpark Taucher reinigen Seehundbecken in Bochum

Stand:

Seit 2013 engagieren sich die Mitglieder des Deutschen Unterwasserclubs (DUC) Wattenscheid e.V. freiwillig für den Bochumer Tierpark. Heute wird der Tauchclub aus Wattenscheid von Kollegen der Turtle Divers aus Essen unterstützt. Das Ziel: Saubermachen.

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Melanie Klüting

Sechs Sehunde und zwölf Humboldt-Pinguine leben in der "Nordseewelt" im Bochumer Tierpark. Mit einer halben Million Liter Salzwasser ist das Becken ein echtes Highlight dort. Regelmäßig muss es aber auch gereinigt werden.

Bevor es damit aber losgeht, füttert Tierpflegerin Inga Riebel die Seehunde und Pinguine. Auf dem Speiseplan steht Makrele. Zweimal am Tag werden die Tiere gefüttert, dabei verputzen sie rund 20 bis 30 Kilo Fisch.

Erst der Fisch, dann die Arbeit

Viel von den Fischresten wird über Filteranlagen unter dem Becken rausgefiltert, aber eben nicht alles. Auch der Algenbewuchs muss eingedämmt werden. Früher wurde das Becken immer komplett gereinigt, bis die weißen Betonwände zusehen waren.

Eine Tierpflegerin steht am Rand des Seehundbeckens

Tierpflegerin Inga Riebel kümmert sich seit 15 Jahren um die Tiere

Inzwischen haben sich Zoos weiterentwickelt und wissen: Die Tiere brauchen ihre Rückzugsorte. Und sie zeigen sich auch, wenn sie nicht ständig das Gefühl haben, beobachtet zu werden. Dann halten sie sich fast sogar mehr an der Wasseroberfläche auf im dem Wissen, dass sie sich auch mal verkrümeln können.

"Die Taucher machen das Becken sauber, aber nicht klinisch rein. Wir haben es zuhause ja auch sauber, aber es riecht nicht alles nach Desinfektionsmittel." Tierpflegerin Inga Riebel

Unterwasser Fensterputzen

Die vier großen Panoramafenster macht heute Dominik Wischer sauber. Der junge Vater ist Mitglied der Turtle Divers aus Essen und unterstützt heute das erste Mal. Er gibt zu: Fensterputzen ist sonst nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Aber für die Tiere und die Besucher schmeißt er sich gerne in das 12 Grad kalte Nass.

Ein Mann ist in Tauchausrüstung an der Wasseroberfläche

Dominik Wicher ist zum ersten Mal bei der Putz-Aktion dabei

Der Essener ist so fokussiert auf seine Aufgabe, die Fenster vom Algenbelag zu befreien, dass er den neugierigen Seehund hinter sich gar nicht bemerkt. Beobachtet wird Wischer nicht nur von dem Tier, sondern auch von mehreren Kindern draußen vor der Scheibe. Sie winken und geben dem Taucher Bescheid, wo er noch ordentlich putzen muss.

Ein selbstkonstruierter Mähroboter für den Algenteppich

Auch der erfahrene Taucher Fritz Grumm vom DUC Wattenscheid ist heute mit vor Ort. Ohne seine Arbeit wäre das Team wohl aufgeschmissen. Denn Grumm hat zusammen mit einem Vereinskollegen zwei Maschinen in ihrem Keller entwickelt, um den Algenteppich aus dem Robbenbecken abzumähen. Die Maschinen, die es so nicht zu kaufen gibt, sind an große Schläuche angeschlossen, die den Schmutz nach oben zum Team an Land befördern.

Ein Taucher entfernt Algen vom Boden des Seehundbeckens mit einem Mähroboter

Taucher entfernt Algen mit einem selbtsgebauten Mähroboter

Schwere Arbeit, aber großartige Erlebnisse

Alle Taucher vom DUC und von den Turtle Divers haben schweres Equipment. Denn Salzwasser hat eine höhere Dichte und mehr Auftriebskraft. Darum müssen die Taucher extra Blei anlegen, um schwer genug zu sein. Da kann so eine Ausrüstung gerne mal vierzig Kilogramm wiegen.

Durch die Maschinen ist es sehr laut unter Wasser und die meisten Tiere ziehen sich während der Arbeiten zurück. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass einige Neugierige vorbeischwimmen.

Ein Pinguin lässt sich freiwillig von einem Taucher streicheln.

Taucher Fritz Grumm mit Pinguin Paul, der von Hand aufgezogen wurde

Maschinen-Konstrukteur Fritz Grumm taucht seit 50 Jahren. Er hatte schon viele Tierbegegnungen unter Wasser, zum Beispiel eine im Bochumer Tierpark mit Pinguin Paul:

"Paul hatte gedacht, wir machen diese ganze Geschichte nur für ihn. Der kam immer auf uns zu und wollte gestreichelt werden." Tauchclubmitglied Fritz Grumm

Putz-Aktion für Taucher und Tier besonders

Der Einsatz hat nicht nur optische Vorteile. Durch die regelmäßige Reinigung wird die Wasserqualität verbessert und das Filtersystem entlastet. Gleichzeitig spart der Tierpark Wasser, Energie und Kosten.

Nach vier Stunden harter Arbeit und 17 Eimern voller Schmutz kommt das letzte Tauchteam an die Wasseroberfläche. Und dann gibt es auch für sie etwas zu essen. Bei Pommes Currywurst und einem Kaltgetränk lässt das ehrenamtliche Tauch-Team den Tag ausklingen.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin vor Ort im Tierpark Bochum
  • Tierpark Bochum
  • Interview mit Tierpflegerin Inga Riebel
  • Interview mit Fritz Grumm DUC Wattenscheid

Sendung: WDR.de, Ehrenamtliche Taucher reinigen Seehundbecken im Tierpark Bochum, 18.05.2026, 13:05 Uhr

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