Die Preise wirken verlockend: Millionen Deutsche bestellen bei Plattformen wie Temu, Shein oder im Amazon Marketplace Produkte chinesischer Anbieter. Doch Verbraucherschützer schlagen lautstark Alarm: Aktuelle Stichproben zeigen zahlreiche und gravierende Mängel bei Produktinformationen – mit System.
Gesetzesverstöße bei Temu, Shein & Co
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBZ) hat zwischen März und April 30 Angebote auf Plattformen wie Temu, Shein, Amazon, Ebay und Zalando untersucht. Ergebnis: Keine einzige Produktseite enthielt alle gesetzlich vorgeschriebenen Informationen.
Besonders problematisch: Händlerangaben wie Name, Adresse oder Ansprechpartner in der EU fehlen häufig ganz oder sind unverständlich. Dabei sind diese Informationen elementar, wenn Kunden von ihren Rechten Gebrauch machen wollen, ob Widerrufsrecht oder Anspruch auf Garantie.
Chinesische Anbieter verstoßen demnach systematisch gegen EU-Recht – während europäische Anbieter die Vorgaben zumindest teilweise einhalten. Besonders ärgerlich: Das Widerrufsrecht wird oft ausgehebelt. Wer Produkte zurücksenden will, soll sie – so verlangen es die chinesischen Händler immer wieder – auf eigene Kosten nach China schicken. Versandkosten und Zoll übersteigen dabei oft den Warenwert.
Kein Kontakt, keine Sicherheit
Verbraucher berichten, dass Rückfragen regelmäßig ins Leere laufen – oft gibt es nur ein Kontaktformular, auf das niemand reagiert. Dazu fehlen Sicherheitskennzeichnungen wie CE-Zeichen, Warnhinweise oder technische Standards. Besonders heikel bei Spielzeug und Elektronik: Hier drohen regelmäßig sogar Gesundheits- und Sicherheitsrisiken.
Auch die Qualität ist oft mangelhaft. Kunden schildern Kleidung mit falschen Größen oder Drucke, die nach der ersten Wäsche verschwinden. Elektronikgeräte sind fehleranfällig oder unsicher. Besonders brisant: Einige Produkte dürfen laut EU-Richtlinien gar nicht verkauft werden – und trotzdem sind sie bestellbar.
Fälle aus NRW
- Düsseldorf: Ein Mann bestellt ein Ladegerät für 15 €. Es geht sofort kaputt. Rückversand nach China hätte 28 € gekostet, der Händler bot nur 30 % Rückerstattung an.
- Köln: Eine Frau kauft über Instagram ein Kleid für 45 €. Geliefert wird ein Billigprodukt, das bei der ersten Wäsche zerfällt. Rückversand: 35 €.
- Essen: Ein Vater bestellt Spielzeug über Amazon. Anbieter: „Müller GmbH“. Das Produkt enthält Schadstoffe, die Firma existiert gar nicht.
Täuschung mit Fake-Bewertungen
Selbst wer Temu und Shein meidet, ist nicht sicher. Chinesische Anbieter treten auch bei Amazon und Zalando auf – teils unter deutschem Namen. Sie fälschen systematisch Bewertungen, etwa über WhatsApp-Gruppen mit bezahlten 5-Sterne-Rezensenten. Auch auf Instagram schalten Fake-Shops Werbung mit gestohlenen Produktfotos und emotionalen Geschichten („Familienunternehmen schließt“, „Restposten“).
80 % der Online-Produkte stammen aus China
Laut „Transatlantic Consumer Dialogue“, ein Forum, in dem Verbraucherorganisationen aus den USA und der EU gemeinsam Empfehlungen zu verbraucherpolitischen Themen erarbeiten, stammen inzwischen rund 80 % der auf deutschen Plattformen angebotenen Produkte aus China. Bei Elektronik und Spielzeug zeigt der Bericht gravierende Lücken bei der Produktsicherheit.
Politik reagiert zögerlich
„Die Umsetzung der Regeln des Digital Services Act lässt zu wünschen übrig“, kritisiert Ramona Pop vom vzbv. Bei Problemen ist oft unklar, wer haftet. Die EU-Kommission hat Ermittlungen gegen Temu und Shein eingeleitet. Auch das Bundeswirtschaftsministerium kündigt stärkere Kontrollen an.
So schützt Ihr Euch beim Online-Shopping
Bei Social-Media-Shops (Instagram, Facebook):
- Vorsicht bei zu guten Angeboten für Markenprodukte
- Emotional aufgeladene Geschichten kritisch prüfen
- Profil des Anbieters checken: neu erstellt? Nur ein paar Beiträge?
- Keine Vorkasse an unbekannte Shops
Bei Amazon Marketplace:
- Verkäufer prüfen: „Verkauf durch Amazon“ oder Drittanbieter?
- Bewertungen kritisch lesen: auffällig positiv? Alle gleich formuliert?
- Stimmt die Produktbeschreibung mit alten Bewertungen überein?
- Fehlt ein deutsches Impressum? Finger weg.
Allgemeine Tipps:
- Rücksendeadresse vorab prüfen
- Anbieter googeln mit „Betrug“ oder „Erfahrungen“
- PayPal oder Rechnung bevorzugen
- iPhone für 300 €? Wahrscheinlich Fake
- Bei Verdacht: Screenshots machen, Polizei informieren
Im Betrugsfall:
- Rückbuchung bei Bank oder PayPal beantragen
- Keine Rücksendung auf eigene Kosten nach China
- Anzeige bei Polizei erstatten
- Plattform über den Fake-Shop informieren
Viele Produkte auf chinesischen Plattformen sind nicht nur qualitativ fragwürdig – sie verstoßen auch gegen europäisches Recht. Verbraucher brauchen mehr Schutz, Plattformen mehr Verantwortung. Bis dahin gilt: Angebote kritisch prüfen und im Zweifel lieber nicht kaufen.
Unsere Quellen:
- Verbraucherzentrale Bundesverband
- Transatlantic Consumer Dialogue
Kommentare zum Thema
das sind betrüger. es gibt KEINEN service, das rückgaberecht wird nicht eingehalten. das problem ist, der kunde erkennt nicht immer, welcher anbieter dahinter steckt. seriös ist das leider nicht.
Regenjacke bei amazon bestellt.War zu groß und von schlechter Qualität. Rücksendung in der Orginaltüte sollte 30 Euro kosten,im Karton nur 6,50 € Wir werden nie mehr bei amazon bestellen.Da kann ich doch gleich zu einem noch günstigerm Preis bei temu bestellen See
Jeder Verkäufer versucht zu täuschen, wenn er sein Angebot möglichts gut darstellt. Dafür gibt es national Regeln, die international nicht gelten. Wenn ich nach alter Väter Sitte Offline im Einzelhandel kaufe habe ich mehr möglichkeiten das Angebot zu prüfen. Wer will kann Lotto spielen, ich kaufe beim Händler in der Nähe, dem ich notfalls täglich auf den Geist gehen kann wenn Versprechen nicht eingehalten wurden.
Wenn du Produkte aus China bestellst, verzichtest du im Prinzip auf dein Widerrufsrecht. Kaufe deshalb lieber nur günstige Produkte, damit der Verlust nicht zu hoch ist, wenn etwas schiefgeht.