Zahl der Sozialwohnungen geht zurück | Aktuelle Stunde
WDR. 00:31 Min.. Verfügbar bis 16.06.2028.
Wohnungsmarkt : Zahl der Sozialwohnungen in NRW sinkt weiter
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Wohnraum ist knapp. Gerade in Großstädten ist es schwierig, eine Wohnung zu finden – vor allem für alle, die nicht so viel Geld ausgeben können. Sozialwohnungen sollen eigentlich Abhilfe schaffen. Doch neue Zahlen zeigen: Es gibt immer weniger Sozialwohnungen. Besonders viele sind zuletzt in Nordrhein-Westfalen verschwunden.
Nach Daten der Bundesregierung gab es in Nordrhein-Westfalen Ende 2025 knapp 400.00 Sozialwohnungen. Zwar sind gut 6.700 Sozialwohnungen neu entstanden, gleichzeitig sind jedoch gut 26.000 Wohnungen aus der Sozialbindung herausgefallen, sodass unterm Strich ein Minus von mehr als 18.000 Wohnungen steht.
Damit liegt NRW im bundesweiten Trend. Laut einer Antwort des Bundesbauministeriums auf eine Anfrage der Linkenabgeordneten Caren Lay gab es in ganz Deutschland Ende 2025 rund 20.000 Sozialwohnungen weniger als noch ein Jahr zuvor.
NRW ist bei den Sozialwohnungen vergleichsweise gut aufgestellt
Trotz des drastischen Rückgangs bei den Sozialwohnungen ist die Lage in Nordrhein-Westfalen noch recht komfortabel. Laut dem „Sozialen Wohn-Monitor“ des Pestel Instituts sind gut sieben Prozent aller Mietwohnungen Sozialwohnungen. Dieser Anteil ist in keinem Flächenland so hoch wie in NRW.
NRW steht beim Bestand an Sozialwohnungen sehr gut da. Länder wie Hessen, Bayern und Baden-Württemberg sind wesentlich schlechter dran. Matthias Günther, Geschäftsführer Pestel Institut
Bei Sozialwohnungen bekommt ein Investor Geld vom Staat für den Bau neuer Wohnungen. Im Gegenzug verpflichtet er sich dazu, die Mieten auf einem niedrigen Niveau zu halten und die Wohnungen an Menschen mit geringem Einkommen zu vermieten. Diese Bindung läuft in der Regel 20 oder 30 Jahre.
Nach Ablauf der Sozialbindung können die Mieten steigen
Wenn die Preisbindung ausläuft, kann es für die Mieterinnen und Mieter teuer werden. Dann nämlich dürfen die Vermieter die Miete schrittweise bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete erhöhen. Innerhalb von drei Jahren können die Mieten dann um bis zu 20 Prozent steigen.
Da in den 90er-Jahren besonders viele Sozialwohnungen gebaut wurden, fallen derzeit entsprechend viele Wohnungen aus der Bindung heraus - allein in NRW sind es in den nächsten zehn Jahren etwa 180.000 Wohnungen. Nur um den Bestand zu erhalten, müssten landesweit jedes Jahr etwa 20.000 neue Sozialwohnungen entstehen.
Landesregierung investiert in Sozialwohnungen
Die NRW-Landesregierung versucht, mit einem Investitionsprogramm gegenzusteuern. Mit 2,4 Milliarden Euro fördert das Land Wohnraum für Menschen mit wenig Einkommen - nach Angaben der Landesregierung so viel wie noch nie zuvor.
Das sei der richtige Schritt, meint Ökonom Matthias Günther vom Pestel Institut. "In der Vergangenheit hat sich die Politik auf die Subjektförderung konzetriert, also einzelnen Haushalten über das Wohngeld geholfen", so Günther. Das räche sich nun.
Wohngeld hat noch nie Wohnungen gebaut. Beim Sozialen Wohnungsbau müssen jedoch Wohnungen gebaut werden, wenn man die Förderung in Anspruch nehmen möchte. Matthias Günther, Geschäftsführer Pestel Institut
Laut Landesregierung ist der Rückgang bei der Zahl der Sozialwohnungen in NRW zuletzt immerhin etwas geringer ausgefallen als noch vor einigen Jahren. Auch der Bund will in Sozialwohnungen investieren. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) will dafür bis zum Jahr 2029 23,5 Milliarden Euro ausgeben.
Im Fokus steht dabei der Bau neuer Wohnungen, doch es gibt auch andere Ansätze - auch in NRW. Dabei verwandelt das Land bestehenden Wohnungen in Sozialwohnungen. Dabei erhalten Eigentümer eine Förderung, wenn sie sich verpflichten, die Mieten für einen bestimmten Zeitraum zu deckeln. Außerdem erkauft sich das Land durch eine entsprechende Förderung eine Verlängerung der Sozialbindung. Zuletzt konnten jährlich so knapp 2000 Sozialwohnungen neu geschaffen beziehungsweise erhalten werden.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Matthias Günther, Pestel-Institut
- WDR-Anfrage NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung
- Sozialer Wohn-Monitor 2026
- NRW-Landesregierung: Förderboom für bezahlbare Mieten und Eigentum geht weiter
- Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Linkenabgeordneten Caren Lay
Sendung: WDR 5, "Das Wirtschaftsmagazin", 16.06.2026, 13:34 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 16.06.2026, 18:45 Uhr
