Die "Rente mit 63" bedeutet: Wer sehr lange gearbeitet hat und Beiträge in die staatliche Rentenversicherung eingezahlt hat, nämlich 45 Jahre, darf früher in Rente gehen. Ohne weniger Geld zu bekommen.
Für alle anderen gilt: Sie bekommen in der Regel weniger Rente, wenn sie vorher aufhören zu arbeiten. Das reguläre Eintrittsalter steigt schrittweise auf 67 Jahre an. Für jeden Monat, den Beschäftigte früher in den Ruhestand gehen, gibt es normalerweise weniger Rente.
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Wichtig ist: Die Bezeichnung "Rente mit 63" ist im Grunde nicht mehr ganz korrekt. Denn die Altersgrenzen werden schrittweise angehoben - bis auf 67 Jahre.
Für viele Jahrgänge liegt der abschlagsfreie Renteneintritt für langjährig Versicherte mittlerweile deshalb eher bei 64 oder 65 Jahren. In einigen Fällen sogar höher. Nach 35 Versicherungsjahren mit Abschlägen in Rente zu gehen, daran will die Kommission grundsätzlich aber nichts ändern.
Viele Tausend Menschen in NRW wären betroffen
Die meisten Menschen gingen bundesweit im vergangenen Jahr im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW in die abschlagsfreie Rente. Über 50.000. Das teilte die Deutsche Rentenversicherung auf WDR-Anfrage mit. Bayern folgt mit 43.000. Am Ende der Statistik steht das kleinste Bundesland Bremen mit knapp 1.400 Fällen. Insgesamt nutzten im Jahr 2025 bundesweit mehr als 260.000 Menschen die Möglichkeit, vorzeitig ohne Abschläge in Rente zu gehen.
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Die "Rente mit 63" nutzen vor allem Menschen mit durchgehender Beschäftigung, die früh in den Beruf eingestiegen sind. Sie sind meistens männlich und gut ausgebildet. Ein Facharbeiter etwa mit Berufsabschluss, der seit seinem 16. Lebensjahr ohne große Unterbrechungen gearbeitet hat - und so auf 45 Beitragsjahre kommt.
Wer längere Pausen hatte, zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit oder lange Teilzeit, kann die abschlagsfreie vorzeitige Rente oft gar nicht nutzen oder verzichtet darauf.
Die Schere geht seit Jahren immer weiter auseinander
Weil die Zahl der Rentner schneller steigt als die Zahl der Beitragszahler, fehlt dem System Geld. Neue Daten bestätigen diesen Trend und befeuern die Diskussion um die Zukunft der Alterssicherung. Im Kern ist es eine erfreuliche Entwicklung: Statistisch gesehen leben wir immer länger. Für das deutsche Rentensystem wird das jedoch zunehmend zum Problem.
Ende des vergangenen Jahres haben rund 19 Millionen Menschen eine Altersrente bekommen - so viele wie noch nie. Das geht aus neuen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hervor, die dem WDR vorliegen. Demgegenüber stehen rund 40 Millionen Beitragszahler. Aktuell finanzieren etwa zwei Berufstätige einen Rentner. Anfang der 60er-Jahre lag dieses Verhältnis noch bei sechs zu eins. In Nordrhein-Westfalen gab es zuletzt 3,683 Millionen Rentnerinnen und Rentner.
Und viele Menschen starten weiterhin früher in den Ruhestand. Im vergangenen Jahr nahm knapp ein Drittel aller Neu-Rentner für eine vorzeitige Rente Abschläge in Kauf. Diejenigen, die sich für solch einen früheren Ruhestand entschieden, arbeiteten im Schnitt 33 Monate weniger als gesetzlich vorgesehen.
Die so genannte Regelaltersgrenze wird schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Beschäftigte des relevanten Geburtsjahrgangs 1959 konnten im vergangenen Jahr nach 66 Jahren und zwei Monaten in Rente gehen. Der Geburtsjahrgang 1960 muss für die abschlagsfreie Rente bereits zwei Monate länger arbeiten.
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Vergleichsweise hohe Renten in Nordrhein-Westfalen
Die gesetzliche Rente fällt in Nordrhein-Westfalen im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch aus. Laut Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung lag die durchschnittliche Bruttorente nach mindestens 35 Versicherungsjahren in NRW zuletzt bei monatlich 1.773 Euro, wobei Männer gut 500 Euro mehr erhielten als Frauen.
"In Nordrhein-Westfalen haben viele Männer in gut bezahlten Jobs im Bergbau gearbeitet. Sie erhalten heute daraus vergleichsweise hohe Renten." Rentenatlas 2025, Deutsche Rentenversicherung
Anteil der Frührentner sinkt in NRW
Auffällig: Der Anteil derer, die frühzeitig in Rente gehen, ist in den vergangenen Jahren gesunken. So ging im Jahr 2011 noch fast jeder Zweite frühzeitig in Rente. Die Rentenversicherung führt das darauf zurück, dass die "Altersrente für Frauen" und die "Altersrente wegen Arbeitslosigkeit" zuletzt weggefallen sind.
Viele ältere Menschen arbeiten weiter
Hinzu komme, dass mehr Menschen über 60 Jahre einen Job haben. Während im Jahr 2015 noch gut jeder Zweite zwischen 60 und 64 Jahren weiterhin gearbeitet hat, waren es zehn Jahre später schon etwa zwei Drittel. Und: Viele Seniorinnen und Senioren in NRW arbeiten auch im Rentenalter noch weiter.
Laut Daten des Zensus waren in NRW zuletzt rund zehn Prozent aller Über-65-Jährigen noch erwerbstätig. Die so genannte Aktivrente soll das Arbeiten im Alter seit diesem Jahr attraktiver machen. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen monatlich bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen.
Unsere Quellen:
- WDR-Anfrage Deutsche Rentenversicherung
- Rentenatlas 2025
- IT.NRW: Selbständigkeit von Seniorinnen und Senioren in NRW
- Informationen von epd, dpa und AFP
- Statistik IW
Sendung: WDR 5 "Das Wirtschaftsmagazin", 22.06.2026, 13:35 Uhr