Ein Jahr Schwarz-Rot: Wirtschaftsaufschwung versprochen

Aktuelle Stunde 06.05.2026 28:27 Min. UT Verfügbar bis 06.05.2028 WDR Von Jan Hofer

Ein Jahr Merz-Regierung NRW-Unternehmen ziehen Bilanz

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Die Wirtschaft steht unter Druck, Betriebe klagen über hohe Energiepreise und sinkende Investitionen. Ein Jahr nach Amtsantritt der Merz-Regierung stellt sich der Bundeskanzler den NRW-Unternehmen. Die klagen über gebrochene Versprechen und haben klare Forderungen.

Von Emma Rothschild und Johannes Zuber

Reinhard Tweer hatte große Hoffnungen - vor einem Jahr, als die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz angetreten ist. Der Unternehmer leitet die familieneigene Gießerei in vierter Generation. Er beschäftigt in Bielefeld mehr als 200 Menschen und liefert weltweit Teile für den Bau von Stadien, Flughäfen und Brücken.

"Die Bundesregierung und Kanzler Merz haben vor der Wahl in unseren Augen die entscheidenden Punkte festgestellt", sagt er. Die dringend reformbedürftigen Punkte. Dazu zählt er weniger Bürokratie, niedrigere Lohnnebenkosten und vor allem sinkende Strompreise. Nach einem Jahr fehle es aber immer noch an der Umsetzung, fügt er hinzu.

Überwiegend negative Zwischenbilanz

Ähnlich bewerten auch andere Unternehmer aus NRW die bisherige Arbeit der Regierung. Das Unternehmen 2G-Energy aus Heek zieht eine gemischte Bilanz des letzten Jahres. "Wir brauchen klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Die fehlen zurzeit an einigen Stellen“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Liesner.

Ein Jahr Merz-Regierung: Schlechte Stimmung in NRW-Wirtschaft

WDR 05.05.2026 03:22 Min. Verfügbar bis 04.05.2028 WDR Online

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Die Maschinenbau-Firma Joest in Buldern ist nach einem Jahr Bundeskanzler Friedrich Merz sogar enttäuscht. Man sehe einen Politiker, der eigentlich aus der Wirtschaft komme, hier aber kaum etwas bewege, erklärt Geschäftsführer Alexander Moormann. Stattdessen konzentriere sich die Arbeit des Kanzlers zu sehr auf die Außenpolitik: "Wir brauchen keinen Außenkanzler, sondern einen Innenkanzler", betont er.

Die Wettbewerbsfähigkeit fehlt

Vor allem die hohen Kosten machen dem Standort NRW zu schaffen. Viele Unternehmen tun sich schwer, auf dem Weltmarkt mitzuhalten. Die schlechte Entwicklung der letzten Jahre mache wenig Hoffnung, sagt Matthias Mainz, Geschäftsführer Wirtschaftspolitik und Digitalisierung bei der Industrie und Handelskammer (IHK) NRW: "Wenn wir auf unsere Konjunkturumfragen gucken, dann haben wir seit sechs Jahren einen Abschwung." Besonders mittelständische Unternehmen seien dadurch gezwungen, ihre Produktion herunterzufahren oder sogar ins Ausland zu verlagern.

Erste Hoffnungsschimmer

Matthias Mainz sieht zwar schon gute Ansätze - etwa bei der Modernisierungsagenda, die Bürokratie abbauen soll, und bei den geplanten Investitionen in die Infrastruktur. Die müssen aus Sicht der IHK aber auch umgesetzt werden damit die Unternehmen zuversichtlicher werden - und selbst wieder mehr investieren.

Eine Spritpistole vor einer Preisanzeige

Auch der Tankrabatt helfe Unternehmen in der aktuellen Situation weiter, weil er dazu beiträgt, die hohenTransportkosten zu senken. Allerdings schränkt Mainz ein: "Nur langfristig orientiert sind diese Maßnahmen natürlich nicht und ändert auch letztlich an der Situation nichs.."

Mehr ist nötig

Die Forderungen sind nicht neu: Besonders wichtig ist den Unternehmen ein schneller Bürokratieabbau und stabile Energiekosten. Denn genau das macht den Standort NRW so teuer. Auf dem Unternehmertag fordern sie deshalb eindeutige gesetzliche Rahmenbedingungen, an denen sie sich langfristig orientieren können. Dazu gehöre auch eine Reform der Sozialversicherungen, die bisher die Lohnnebenkosten in die Höhe trieben.

Aus Sicht der IHK braucht die Merz-Regierung einen klaren Plan, in welche Richtung sich die Wirtschaft entwickeln soll - und Initiativen, um sie wettbewerbsfähiger zu machen. Nur so könne die Stimmung in der Wirtschaft wieder besser werden.

Skepsis bei den Unternehmen

Der Optimismus unter einigen Unternehmern wie Reinhard Tweer hält sich allerdings in Grenzen. Er macht in der schwarz-roten Koalition zu wenig Gemeinsamkeiten aus : "Bei jedem Reformvorschlag kommt sofort die andere Seite und sagt, das geht mit uns nicht." Die anfängliche Hoffnung aus einen wirtschaftsfreundlichen Wandel hat Tweer längst verloren - und mit ihm viele andere Unternehmer in NRW.

Unsere Quellen:

  • WDR Interview mit Reinhard Tweer, Geschäftsführer Reinhard Tweer GMBH
  • WDR Gespräch mit Matthias Mainz, Geschäftsführer Wirtschaftspolitik und Digitalisierung IHK NRW
  • Statement zum Unternehmer Tag NRW von Ernst-Peter Brasse, Geschäftsführer des Unternehmensverbands der Metallindustrie für Dortmund und Umgebung e.V
  • WDR Interview mit Alexander Moormann, Geschäftsführer der Firma Joest
  • WDR Gespräch mit Stefan Liesner, Unternehmenssprecher 2G-Energy

Sendung: WDR.de, "Ein Jahr Merz-Regierung: Schlechte Stimmung in NRW-Wirtschaft", 06.05.2026, 05:03 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 06.05.2026, 18.45 Uhr

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