Ein Handy mit einem Spam-Anruf auf dem Bildschirm

Spam-Anrufe: Was hilft gegen Betrüger in der Leitung?

Stand:

Mit einem neuen System geht Vodafone nach eigenen Angaben erfolgreich gegen betrügerische Anrufer vor. Was kann man selbst tun?

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Der Mobilfunkanbieter Vodafone hat mit einem neuartigen Anti-Spam-System in den vergangenen drei Monaten Handynutzer in Deutschland vor rund 15 Millionen potenziellen Abzock-Anrufen gewarnt. Das geht aus einer ersten Auswertung des Spam-Warn-Dienstes hervor, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Düsseldorf mit. An einem einzigen Tag im Juli wurden demnach im Vodafone-Netz mehr als 650.000 Spam-Anrufe registriert - ein Rekord.

Dass die Zahl der betrügerischen Anrufe in jüngster Zeit zugenommen hat, bestätigt auch eine Auswertung des Tech-Unternehmens Sellwerk, das mit "Clever Dialer" selbst eine spezielle Anti-Spam-App anbietet. Demnach wurden bei den Kunden der App im Juli knapp 23 Prozent mehr unerwünschte Anrufe registriert als im Vormonat: insgesamt 523.000.

Bei welchen Anrufen sollte man misstrauisch werden? Wie funktioniert das Betrugssystem? Und wie kann man sich schützen?

Wie erkennt man Spam-Anrufe?

Das Handy klingelt, auf dem Display wird eine unbekannte Nummer oder "Anonym" angezeigt. Nach dem Abheben meldet sich eine Computerstimme, die zum Beispiel erklärt, im Auftrag des Finanzdienstleisters Paypal anzurufen. Das System habe eine verdächtige Abbuchung vom Paypal-Konto registriert. Wenn man diese nicht selbst veranlasst habe, solle man unbedingt die Taste "1" auf dem Handy drücken.

Wer in Panik gerät und der Computerstimme gehorcht, landet bei einem falschen Paypal-Mitarbeiter, der zur Identifikation des Kunden angeblich sämtliche Passwörter und persönlichen Daten wie Kontonummern benötigt. Mit diesen Informationen können die Betrüger zum Beispiel auf Kosten des Opfers im Netz einkaufen, oder auch direkt auf fremde Bankkonten zugreifen.

Die Paypal-Masche ist dabei nur eine von vielen: Manchmal gibt es auch keine Bandansage, sondern es meldet sich direkt ein angeblicher Mitarbeiter eines bekannten Unternehmens oder einer Organisation. Manche Betrüger stellen sich sogar als Mitarbeiter der Verbraucherzentrale vor, die davor warnen, dass die persönlichen Daten des Angerufenen im Darknet aufgetaucht sind. Die Verbraucherzentrale könne diese löschen lassen - dafür müsse aber zunächst ein gründlicher "Datenabgleich" erfolgen.

Wer steckt dahinter?

Ein Mann telefoniert per Headset vor einem Computerbildschirm

Ganze Call-Center für Betrüger

Hinter den Spam-Anrufen stecken laut Bundeskriminalamt (BKA) in der Regel kriminelle Organisationen, die ihre Geschäfte meist aus dem Ausland betreiben. Schon mehrmals hat zum Beispiel die türkische Polizei Call-Center geschlossen, in denen Dutzende Mitarbeiter betrügerische Anrufe im Akkord tätigten. Die Türkei ist auch deshalb ein bevorzugter Aktionsraum für die Betrüger, weil dort relativ leicht Personal angeworben werden kann, das akzentfrei Deutsch spricht.

Die Mitarbeiter der Call-Center arbeiten gewöhnlich auf Provisionsbasis. Der Großteil der Beute geht an die Hintermänner der Betrugsnetzwerke, die in der Regel mit dem "operativen Geschäft" nichts zu tun haben und sich so erfolgreich der Strafverfolgung entziehen können.

Wie funktioniert das Anti-Spam-System von Vodafone?

Bekommt ein Mobilfunk-Kunde im Vodafone-Netz einen Anruf von einer dubiosen Nummer, so erscheint der Hinweis "Vorsicht: Betrug möglich!" auf seinem Smartphone-Display. Der Kunde kann den Anruf zwar weiterhin annehmen, ist aber zumindest vorgewarnt.  Bei dem Warnsystem greift Vodafone auf einen nach eigenen Angaben ständig aktualisierten Datenpool zurück, in dem Telefonnummern hinterlegt sind, von denen bereits Spam-Anrufe getätigt wurden.

Handy mit Telefonnummer auf dem Bilschirm

Warnung auf dem Display

Narrensicher ist das System allerdings nicht: Die Anrufer wechseln ihre Nummern sehr häufig, um die Spamfilter zu überlisten. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Übermittlung der eigenen Nummer zu fälschen. In diesem Fall scheinen die Betrüger tatsächlich von der offiziellen Rufnummer einer Behörde oder eines bekannte Unternehmens anzurufen - und die Warnung bleibt aus.

Vodafone Spam-Alarm

WDR Studios NRW 06.08.2025 00:33 Min. Verfügbar bis 06.08.2027 WDR Online

Was können Kunden der Telekom und anderen Mobilfunkanbietern tun?

Die anderen großen Mobilfunkbetreiber wie die Deutsche Telekom und O2 Telefónica arbeiten zwar an eigenen Anti-Spam-Lösungen, diese werden aber noch nicht angeboten. Bis dahin hilft ein gesundes Misstrauen, um nicht selbst zum Betrugsopfer zu werden.

  • Anrufe mit unbekannter Nummer nicht beantworten. Seriöse Anrufer hinterlassen in der Regel eine Nachricht auf der Mailbox
  • Niemals den Anweisungen einer Computerstimme folgen - vor allem wenn sie zur Eingabe von Tasten aufruft
  • Falls sich der Anrufer als Mitarbeiter einer Behörde oder eines Unternehmens vorstellt: Gespräch beenden und im Zweifelsfall selbst bei den genannten Institutionen nachfragen, ob der Anruf echt war
  • Niemals auf ein Gespräch mit einem mutmaßlichen Betrüger einlassen. Selbst ein simples "Ja" kann aufgezeichnet und der Mitschnitt so manipuliert werden, als handle es sich um die Zustimmung zu einem Vertrag
  • Sobald nach persönlichen Daten wie Kontonummern oder Adressen gefragt wird - Gespräch beenden
  • Anschließend die Nummer des Anrufers auf dem eigenen Smartphone sperren. Anleitungen dazu gibt es für jedes Betriebssystem im Netz

Und wenn man den Anruf doch entgegengenommen hat?

Die Betrüger können oft sehr überzeugend sein - schließlich sind sie Profis. Falls sie es geschafft haben, euch persönliche Daten zu entlocken, sollte man schnell sein:

  • Zugangsdaten zum Online-Banking oder anderen Portalen sofort ändern
  • Paypal oder die Hausbank informieren, um mögliche Transaktionen zu stoppen
  • Strafanzeige stellen
  • Vorfall der Bundesnetzagentur melden

Gibt es auch Blocker für Spam-SMS?

Betrüger können sich auch per SMS melden. Eine beliebte Masche ist zum Beispiel die angebliche Nachricht eines großen Logistikers wie DHL, dass ein Paket nicht zugestellt werden kann. Wer für weitere Anweisungen den empfohlenen Link aufruft, landet oft auf einer gefälschten DHL-Seite, auf der verschiedene persönlichen Daten abgefragt werden.

Inzwischen bieten alle großen Mobilfunkbetreiber teilweise kostenpflichtige Spam-Filter an, die auch betrügerische SMS erkennen können. Alternativ kann man auch spezialisierte Apps anderer Anbieter nutzen. Diese scannen neben der Nummer des Absenders auch den Text einer SMS und vergleichen ihn mit bekannten Spam-Mitteilungen.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Anfragen bei Vodafone, Telekom und Sellwerk
  • Bundeskriminalamt
  • Anti-Virus-Software-Hersteller Kaspersky

Kommentare zum Thema

8 Kommentare

  • 8 Mel 08.08.2025, 20:39 Uhr

    Das Blockieren einzelner Nummern hat gar keinen Sinn. Die wird ruckzuck eine neue Telefonnummer generiert und schon klingelt das Handy wieder. So geht mir das zur Zeit jeden Tag mehrfach. Und immer aus dem Ausland und ich benötige keine Fremdapp oder gar Unterstützung des Anbieters zur Identifkation eines potentiellen ping/spam/Betrugsanruf. Ich will einfach, daß solche Anrufe einfach nicht mehr zum Klingeln meines Telefons führen. Also warum ist es nicht möglich, selbst verantwortlich ganze Nummercluster zu sperren? Das ist aus meiner Sicht die einzige Lösung dieser Nerverei zu entkommen.

    Antworten (1)
    • Paul S. 08.08.2025, 23:15 Uhr

      Sie könnten doch Ausland- Vorwahlnummern blockieren, geht das nicht bei Ihnen? Wegen Kinder kann man ebenfalls bestimmte Vorwahlnummern sperren. Blockieren einzelnen Nummern hat keinen Sinn? Klingeln, müssten Sie doch auch deaktivieren können und auf Vibrieren stellen. Warum geht es bei mir und nicht bei Ihnen? Liegt es am Handy und am Computer?

  • 7 Brigitta S. 08.08.2025, 11:29 Uhr

    Es ist beim unbekannten (Spam) Anruf auch wichtig, dass man auf die Ländervorwahl achtet. Bei EU- Länder und aus dem Ausland. Wer da keinen Anruf erwartet, besser nicht ans Telefon gehen. Und wichtig sofort sperren, auf die Sperrliste setzen. Anrufe können noch kommen, aber hören tut man sie nicht. Mittlerweile sollte das doch jeder wissen in der digitalen Zeit. Spontan Anrufe annehmen, ohne sich eine Sekunde Bedenkzeit darüber geben, dass auch Kriminelle dran sein könnten, ist ein leichtsinniges reagieren heutzutage, was viel Ärger bringt. Das Handy bei unbekannter Nummer nicht ausschalten, Anruf nicht wegdrücken, damit weiß sonst der Anrufer die Nummer ist aktiv. Besser läuten lassen und dann den Anruf sofort löschen, wenn der Anrufer abschaltet. Warum in Panik geraten und der Computerstimme horchen, was nichts Gutes bringt? Die digitale Welt ist sehr schnell kriminell geworden, sich selbst zu schützen wird zur Tagespflicht, in Verbindung mit den Mobilfunk- und WLAN Anbieter.

  • 6 Andre Schäfer 08.08.2025, 00:19 Uhr

    Na ja, Spam- und Scam-Anrufe sind doch ein alter Hut. Wer einen Schutz davor noch nicht auf seinem Schirm hat, dem ist doch nicht mehr zu helfen. Auf dem modernen Smartphone lassen sich zumindest anonyme Anrufe mit Bordmitteln sperren. Auf dem PC werkelt bei mir schon lange der Schutz von Bitdefender. Da ist der Schutz für Smartphone und weitere Geräte inklusive und ermöglicht etwa, alle ausländischen Nummern pauschal zu sperren und nur das eigene Telefonbuch auszunehmen und auch die Prüfung von Nachrichten per SMS und Messenger. Wichtig ist bei solchen Programmen nur, die automatische Lizenzverlängerung auszuschalten. Läuft die direkt über den Hersteller ist die gut doppelt so teuer, wie der Erwerb einer neuen Jahreslizenz über den Fachhandel. Für meine Eltern habe ich spezielle Handys und Rufus fürs Festnetz angeschafft. Nummern, die meine Eltern nicht in ihrem Telefonbuch haben, gehen pauschal auf die Mailbox, wo ich mir die in aller Ruhe anhören kann.

  • 5 Franziska 1 07.08.2025, 22:43 Uhr

    Wie kommen die Spam - Sender an die vielen Handys, Tel. Nr. und E-Mail - Adressen? Ich vermute, bei Foren wo die E-Mail bei Registrierung angegeben werden muss und manche Konsum - Geschäfte die E-Mail und Daten - Details an Dritte (Ausland) weiter reichen und so verwertet werden kann? Könnte mir schon vorstellen, dass damit auch Geld verdient werden kann. Ich denke, Hacker sind da nicht immer am Werk. Was natürlich der größte Fehler ist, wenn Menschen für unbekannte Menschen zu locker die Weitergabe der Telefonnummer und E- Mail Adresse sind. Mal ein Flirt da, mal da im Urlaub, weil man sich sympathisch ist, schon wandert die Nummer auf das andere Handy! Stimmt's ?

  • 4 Er 07.08.2025, 20:34 Uhr

    Ich habe fast jeden tag irgendwelche Anrufe mit unbekannten Nummern, die werden bei mir sofort gelöscht....und falls Vodafone dann Spam melden anzeigt,dann mache ich das sofort....denn ich habe weder Freunde in den Arabischen noch im Thailändischen Raum.... mit Rumänen und Bulgaren Nummern können mich eh am A,..h lecken.....

  • 3 Franziska 1 07.08.2025, 20:33 Uhr

    Vodafone arbeitet doch schon seit Jahren an Anti- Spam-Systeme. Probeweise laufen Apps, wo es heißt sie sind kostenlos, aber wie lange noch? Perfekt sicher ist noch keine App, sonst wäre der Artikel mit den Warnungen nicht. Ich kaufe keinen kostenpflichtigen APP- Spamfilter extra. Der ist bei mir schon beim Computer -Betriebssystem gut vorhanden. Er filtert Spam- Anrufe weil ich alle unbekannte Anrufe sperr. Spam - E-mail, bei Verdacht schiebt er sie in den Spam - Ordner. Ein Klick am Computer sie werden ungelesen gelöscht. Das Handy benutze ich nicht ins Internet, die Fummelei der Suche nervt. Nehme keinen unbekannten Anruf am Handy an. Warum diese Neugier? Sie kann ins Auge gehen, wie jeder im Artikel lesen kann. Womöglich am Handy einen Kommentar daddeln, nein danke! Den Artikel habe ich verstanden, falls wieder einer Mann meint, ich verstehe ihn nicht.

  • 2 Renate 07.08.2025, 19:25 Uhr

    Ja, dass ich ich dem , der" Hajö" als Gruß geschrieben hat nur bestätigen. Dadurch habe ich schon Mal einen Anruf von einer privaten Zahnversicherung verpasst. Aber das hat sich schon mittlerweile erledigt. Zum Glück. Späm Anrufe sind mit der größten Vorsicht zu genießen. Nicht abnehmen wenn Mann die Nr. kennt. Dafür hat man ja ein Telefonregister wo man die Nr. drin stehen hat wo man die Person dann kennt die anruft.

  • 1 Brigitta S. 07.08.2025, 16:54 Uhr

    „Anrufe mit unbekannter Nummer nicht beantworten. Seriöse Anrufer hinterlassen in der Regel eine Nachricht auf der Mailbox". Weitere hier von WDR ist eine gute Warnung. Zitat. Leider spricht oft noch die Neugier mancher Menschen dagegen. Dabei ist es so einfach sich zu schützen. Man nimmt nur die Anrufe entgegen deren Nummer privat, persönlich und geschäftlich kennt und gespeichert hat. Kommt eine Nummer die ich nicht kenne sperre ich sie sofort. Bei Unsicherheit informiere ich mich im Internet und siehe da: Es wird vor der Nummer gewarnt. Bei weitere seriöse Kontakt- Geschäfte die man kennt, die Nummer speichern. Man sollte immer daran denken, kein fremder Mensch schenkt einem umsonst was, weder per E- Mail noch per SMS. Seit ich seit Jahren das praktiziere kommt selten eine unbekannte Nummer an, wobei ich niemals annehme oder zurück ruf. Wer mich kennt und mich unbedingt erreichen will, dazu gibt es noch den Postbriefkasten.

    Antworten (3)
    • Hajö 07.08.2025, 17:28 Uhr

      Ganz so einfach ist es nicht. Ich rufe meinen Arzt auf der Festnetznummer vom Handy aus an. Mehrere Praxen rufen aufs Handy aber per Handynummer zurück, die nirgends steht. So bin ich schon zum Termin gegangen obwohl dieser abgesagt werden sollte - vom Handy der Arztpraxis aus. Die Schwester bestätigte übrigens, dass viele Patienten nicht rangehen würden, da sie die Handynummer nicht kennen. Den Schaden hatte ich weil ich nicht ans Telefon gegangen bin und umsonst zum Arzttermin. Manchmal ist eine unbekannte Handynummer auch seriös und man verpasst etwas.

    • Rallef 07.08.2025, 22:42 Uhr

      Genau so, wie Brigitte S. Es beschreibt, verhalte ich mich auch. Das auf Android aufsetzende Smartphone kann man zusätzlich effektiv mit dem Tool PhoneBlock ( https://phoneblock.net ) absichern. Wer sein Festnetztelefon über eine Fritzbox angeschlossen hat, kann dieses ebenfalls durch eine Verknüpfung mit Phoneblock absichern. Ein Erklärvideo zu Letzterem gibt es vom Urheber auf Youtube unter https://youtu.be/iV3aWhU1cMU?si=7tXYXa4qzd2MmSWO. Auch wichtig: wer noch seine Festnetz- Rufnummer in einem öffentlichen Telefonverzeichnis stehen hat, sollte diese daraus löschen lassen. Telefonbetrüger (falsche Polizisten, falsche Bankmitarbeiter, Schockanrufe, love scam etc.) suchen gezielt dort nach potentiellen leichten Opfern, aus deren Vornamen sie schließen, dass es sich um Senioren handelt, deren Gutgläubigkeit bzw. Hilfsbereitschaft dieser Abschaum gnadenlos ausnutzt.

    • J. Joker 08.08.2025, 09:11 Uhr

      @Hajö - Das ist ein hilfreicher Hinweis. Mir ist es zwar noch nicht so ergangen, aber ich würde die Praxis bitten, angesichts der vielen Betrugsfälle nicht von irgendwelchen Handynummern anzurufen. Falls das ein Notfallhandy der Praxis ist, wird das in der Regel auf Visitenkarte und/oder Homepage der Praxis angegeben, dann kann man sich die Nummer speichern.

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