Sowohl in Herdecke, als auch in Paderborn musste die Feuerwehr in der vergangenen Woche mit vielen Einsatzkräften ausrücken, weil dort Solaranlagen auf den Dächern Feuer gefangen hatten. Es dauerte mehrere Stunden, die Brände zu löschen. Die Photovoltaikanlagen mussten vom Strom genommen werden. In beiden Fällen könnte ein Blitzeinschlag der Auslöser für den Brand gewesen sein. Wir beantworten für euch die wichtigsten Fragen:
Zieht eine Photovoltaikanlage Blitze an?
Dass Blitze in eine PV-Anlage einschlagen, kommt durchaus vor, sagt der Bundesverband der Solarwirtschaft. Aber eine Solaranlage ziehe Blitze nicht öfter an. Bisher habe man diesen Zusammenhang nicht nachweisen können. Wo der Blitz einschlägt, hänge eher von der Höhe eines Objekts ab, da Blitze sich immer den kürzesten Weg suchen.
Die Höhe des Gebäudes werde nur unwesentlich durch eine Solaranlage verändert. Auch die Vorgaben einer DIN-Norm würden sicherstellen, dass durch solche Anlagen die Wahrscheinlichkeit eines direkten Blitzeinschlages ins Haus nicht erhöht sein darf.
Eine Photovoltaikanlage sollte das Blitz-Risiko nicht erhöhen
Von der Paderborner Feuerwehr heißt es, dass man nicht pauschal sagen kann, ob Blitze häufiger in Dächern mit einer Photovoltaikanlage einschlagen. Das müsse man im Zweifel mit einer Studie klären. Zwar sei mit einer Solaranlage mehr Metall auf dem Dach verbaut. Das müsse aber nicht zwangsläufig dazu führen, dass der Blitz dort häufiger einschlägt.
Ist der Schaden größer, wenn ein Blitz in eine Solaranlage einschlägt?
Die Feuerwehr sagt klar: Ja. In so einem Fall sei der Aufwand, das Feuer zu löschen, deutlich höher. Denn wenn im Dachstuhl Feuer ausbricht, müsse man zuerst die Photovoltaikanlage abbauen, um überhaupt an den Brandherd zu kommen.
Weil die Feuerwehr im Fall des Dachstuhlbrands in Paderborn erst lange mit dem Abbau der Solaranlage beschäftigt war, konnte sich der Brand währenddessen immer weiter im Haus ausbreiten und so höhere Schaden anrichten.
Kann man eine Solaranlage vor Blitzeinschlag schützen?
Auch der Bundesverband der Solarwirtschaft sagt, dass eine Photovoltaikanlage durch einen Blitzeinschlag stark beschädigt werden kann. Das könne bereits auch schon durch Überspannungen bei Blitzeinschlägen in der Nähe passieren. Es ist aber möglich, eine Solaranlage vor Blitzeinschlägen zu schützen.
Dafür muss man sowohl einen inneren, als auch einen äußeren Blitzschutz an der Solaranlage installieren. Innerer Blitzschutz heißt, dass Überspannungsableiter auf der Gleich- und Wechselspannungsseite der Anlage angebracht werden müssen.
Sind Schäden durch Blitzeinschläge versichert?
Grundsätzlich sind Blitz- und Feuerschäden mit in der Gebäudeversicherung enthalten. Es lohnt sich aber in jedem Fall, dies noch einmal genau im Versicherungsschein nachzulesen.
Manche Versicherer fordern nach Empfehlung des Verbands der Sachversicherer bereits bei Solaranlagen ab einer Leistung von 10 kW einen Blitz- und Überspannungsschutz. Es handelt sich aber um eine privatrechtliche Vereinbarung zwischen Versicherungsnehmer und Versicherungsgeber
Ist eine Photovoltaikanlage notstromfähig?
Ja, eine Photovoltaikanlage kann notstromfähig gemacht werden, das ist allerdings nicht der Standard bei allen Anlagen. Bei einem Netzausfall erkennt ein notstromfähiger Wechselrichter automatisch den Ausfall.
Innerhalb weniger Sekunden wird das Hausnetz vom öffentlichen Stromnetz getrennt und ein eigenständiger, sogenannter "Inselbetrieb" aufgebaut. Die Solaranlage und der Batteriespeicher versorgen dann das Haus unabhängig weiter.
Unsere Quellen:
- Feuerwehr Paderborn
- Bundesverband Solarwirtschaft e.V.
- Verband der Sachversicherer
- ENnergy.de
Sendung: WDR4, Tag um 6, 20.06.2026, 18:00 Uhr