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Solarpanele

Solarstrom flutet Netze Negative Strompreise kosten uns Milliarden

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Am verlängerten Wochenende haben Stromversorger Geld bezahlt, damit Menschen ihren Strom verbrauchen. Dieser negative Strompreis kostet uns Steuerzahler Milliarden. Es gibt Vorschläge, wie man das ändern könnte.

Deutschland produziert an sonnigen Tagen zu viel Strom. Das führt zur absurden Situation, dass Stromversorger Kunden Geld bezahlen, damit sie den Strom abnehmen. Uns Steuerzahler kostet das Milliarden Euro. Zuletzt ist das am verlängerten Wochenende vom 1. bis zum 3. Mai passiert.

Das liegt an der Überproduktion. Am 1. Mai hat die Sonne geschienen - Solarstromanlagen konnten also kräftig produzieren, Solarstrom flutete die Netze. Es war aber Wochenende. Fabriken und Unternehmen haben nicht gearbeitet. Es gab also geringere Nachfrage als an einem Wochentag. Weil Strom nur schwer gespeichert werden kann, haben Stromversorger Kunden Geld dafür bezahlt, dass sie den Strom verbrauchen.

Häufig das Ausland. Das klappt aber manchmal nicht, wenn es in ganz Europa sonnig ist und überall zu viel produziert wird. Also zahlt die Stromwirtschaft Geld, wenn Verbraucher den Strom abnehmen. Davon sollen zum Beispiel Kühlhäuser Gebrauch gemacht haben. Die haben also die Temperaturen in ihren Kühlhäuser runtergefahren und dafür auch noch Geld kassiert.

Theoretisch schon. Wenn Kunden einen dynamischen Stromtarif haben, können sie damit zum Beispiel ihre Batterie im E-Auto immer dann laden, wenn der Strom billig ist. Wenn der Strom so preiswert wie am Wochenende ist, können sie dafür sogar Geld bekommen. Solche dynamischen Verträge würden sich für Verbraucher aber häufig nicht rechnen, weil der Strom nur gelegentlich so billig sei. Wenn viel Strom verbraucht wird, besteht die Gefahr, dass Kunden sehr hohe Preise zahlen müssen, warnt das Verbraucherportal Finanztip.

Das kommt ein paar Dutzend Mal im Jahr vor. Häufig an Wochenenden zwischen 11 und 15 Uhr, wenn die Sonne scheint. 2025 gab es laut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI Essen) 573 Stunden mit negativen Strompreisen. Das Problem: Die Zahl der Stunden erhöht sich. 2023 waren es nur etwa 300 Stunden. Grund ist, dass es immer mehr Photovoltaik–Anlagen (PV) in Deutschland gibt. Dadurch steigt das Überangebot.

Überschüssiges Wasser in einem Leitungsnetz könnte man einfach abfließen lassen und beispielsweise in den nächsten Fluß leiten. Nicht besonders ökonomisch, aber möglich. Beim Strom funktioniert das technisch nicht, erklärt Mark Andor vom RWI.

"Man kann Strom nicht auf eine Müllhalde leiten. Ohne Verbraucher bricht das Netz zusammen." Mark Andor, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen

Die paradoxe Folge: Zu viel Strom würde zu sogenannten Brownouts führen. Das heißt, die Stromversorgung würde in einzelnen Regionen für Stunden ausfallen. Deshalb müssen Stromversorger Lösungen finden, um den Strom irgendwo abzusetzen. Manchmal hilft das Ausland dabei. Das kriegt dann von uns subventionierten Strom geschenkt.

Betreiber von Solaranlagen bekommen eine garantierte Vergütung für den von ihnen erzeugten Strom. Egal, ob der Strom gebraucht wird oder nicht. Der garantierte Preis liegt bei etwa 8 Cent pro Kilowattstunde. Liegt der Börsenpreis für Strom bei minus 10 Cent, zahlt der Staat nicht nur die acht Cent, sondern auch den negativen Preis. Also zusammen 18 Cent pro Kilowattstunde. Früher wurde das über die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage) von uns Stromverbrauchern bezahlt. Heute kommt das Geld aus dem Bundeshaushalt, also von den Steuerzahlern.

Das Bild zeigt ein Dach mit Solaranlage.

Für Privathäuser mit Solardach ist die Einspeisevergütung garantiert

Schwer zu sagen. Das wird nicht einzeln ausgewiesen. Schätzungen gehen von mehreren Milliarden Euro im Jahr aus. Allein der 1. Mai mit seinen negativen Strompreisen hat laut RWI Essen über 100 Millionen Euro gekostet. Das Institut kritisiert deshalb, dass selbst bei negativen Strompreisen die Solarstromerzeugung vom Staat subventioniert werde.

Die wäre gar nicht so schwierig. Solaranlagen könnten abgestellt werden, wenn der Preis ins Negative rutscht. Daran hat aber kein Betreiber Interesse. Schließlich verdient er an den sonnigen Tagen dank staatlicher Einspeisevergütung besonders viel Geld. Das RWI ist zum Beispiel der Ansicht, dass der Staat bei negativen Preisen nicht mehr zahlen sollte.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die Einspeisevergütung für kleine Photovoltaikanlagen, die Hausbesitzer in der Regel nutzen, streichen. Reiche begründet das damit, dass sich Anlagen schon heute nach wenigen Jahren rechnen würden. Es brauche also keinen staatlichen Anreiz mehr, damit sich Menschen Solarzellen aufs Hausdach bauen.

Hausbesitzer könnten trotzdem noch Gewinne mit den Anlagen machen. Sie müssen dann aber mit den Stromversorgern über die Höhe der Einspeisevergütung verhandeln. An sonnigen Tagen wie dem 1. Mai würden die Versorger dann wahrscheinlich keinen Strom abnehmen.

Negative Strompreise kosten Milliarden

WDR 06.05.2026 03:54 Min. Verfügbar bis 06.05.2027 WDR Online

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Die wären von einer Gesetzesänderung nicht betroffen. Es gibt einen Bestandschutz. Inhaber älterer Anlagen dürfen ihren Strom also weiter einspeisen und bekommen auch weiterhin Geld dafür. An der für 20 Jahre garantierten Einspeisevergütung ändert sich nichts.

Mark Andor vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI in Essen würde zumindest die Vergütung an sonnigen Tagen mit Negativ-Preisen abschaffen. Es sei nicht sinnvoll, Strom mit Steuergeld zu fördern, der am Ende gar nicht gebraucht wird. Er schlägt stattdessen vor, dass der Kauf einer PV-Anlage mit einer festen Summe vom Staat gefördert wird. Eine Möglichkeit sei auch, Speicheranlagen zu fördern, um den in Spitzenzeiten erzeugten Strom zwischenspeichern zu können.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Mark Andor, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung RWI Essen
  • Finanztip.de
  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
  • Recherchen des WDR-Reporters bei Stromversorgern

Sendung: WDR.de, „Negative Strompreise kosten Milliarden“, 7.5.2026, 05:03 Uhr

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