Insolvenz, Alles muss raus

Insolvenz, Alles muss raus

Modebranche in der Krise Weiteres NRW-Unternehmen insolvent

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Hohe Kosten, wenig kauflustige Kunden und zuletzt der Iran-Krieg - die ohnehin kriselnde Modebranche leidet unter den Folgen.

Von Emma-Louise Rothschild

Das Modeunternehmen Marc Aurel hat eine lange Tradition. Seit über fünfzig Jahren wird hier in Gütersloh Frauenkleidung designt. Angefangen hat die Firma mit Hosen. Heute gibt es gleich das ganze Outfit in mehreren Kollektionen pro Jahr. Seine Mode verkauft das Unternehmen online und deutschlandweit in eigenen Filialen.

Es droht das Aus

Die Marke kämpft seit Monaten mit sinkenden Umsätzen - die Wirtschaftkrise verunsichert die Kundinnen, die Kauflust sinkt. Dazu kommen steigende Kosten in der Herstellung. All das kann die Geschäftsführung einfach nicht mehr auffangen. Sie hat Insolvenz angemeldet.

Ein Investor soll die Marke vor der endgültigen Pleite retten. Vorerst bleiben die Filialen geöffnet. Der Geschäftsführer von Marc Aurel, Julian Brandt, bleibt optimistisch: „Unser Ziel ist es, das Unternehmen vollumfänglich zu erhalten.“ Die rund hundert Beschäftigten müssen allerdings weiter um ihre Jobs bangen.

Marc Aurel ist kein Einzelfall

In den letzten Jahren meldete eine bekannte Modemarke nach der anderen Insolvenz an - nicht nur in NRW. Viele traditionsreiche Ketten wie Gerry Weber und Hallhuber verschwanden vom Markt.

Ein Monteur hängt ein Schild mit dem Schriftzug "Gerry Weber" an einer Filiale der Modemarke ab.

Ein Monteur hängt ein Schild mit dem Schriftzug "Gerry Weber" an einer Filiale der Modemarke ab.

Auch der traditionsreiche Hemden- und Blusenhersteller Eterna steht vor dem Aus. Nachdem die Marke in den letzten Monaten keinen Investor finden konnte, soll der Verkauf jetzt enden. Die Geschäftsführung teilte mit: „Eine Weiterführung des Geschäftsbetriebs (...) ist leider ausgeschlossen.“ Damit sind auch die 400 Arbeitsplätzte in Passau verloren.

Die gesamte Branche steckt in der Krise

Seit Jahren spitzt sich die Situation der deutschen Textilwirtschaft zu, und bislang ist keine Besserung in Sicht. Die neuesten Herausforderungen wie der Iran-Krieg lassen die ohnehin hohen Kosten vor allem für Energie und Personal noch weiter steigen.

Modebranche in der Krise

WDR 19.05.2026 05:09 Min. Verfügbar bis 18.05.2028 WDR Online

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Dazu kommen sinkende Umsätze. Sönke Padberg vom Handelsverband Textil, Schuhe und Lederwaren erklärt das grundlegende Problem: „Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind verunsichert und halten sich beim Einkaufen zurück. Die hohen Benzinpreise und die wirtschaftspolitische Weltlage tun da ihr Übriges.“

Der Markt hat sich verändert

Die Krise gibt es nicht erst seit gestern. Begonnen hat sie schon mit dem Fortschreiten der Globalisierung. Große Modemarken wie Esprit, Adidas und Hugo Boss haben Ihre deutschen Werke längst geschlossen. Produziert wird jetzt hauptsächlich in Bangladesch, Indien oder China. Billiger schnell und viel produzieren steht im Fokus.

Indische Textilarbeiterinnen an Nähmaschinen in einer Fabrik

In vielen Schwellenländern lässt die Textilindustrie Waren produzieren

Um auf dem globalen Markt mithalten zu können müssen die Unternehmen wachsen und weltweit präsent sein. Die großen Modemarken aus den USA und China stehen, auch durch den wachsenden Online-Handel, in direkter Konkurrenz zu den mittelständischen Traditionsherstellern aus Deutschland.

Problem Fast Fashion

Die Gewinner der jüngsten Krise sind Fast-Fashion-Riesen wie Temu, Shein und Primark. Die sogenannte Wegwerfmode, die maximal eine Saison durchhält, ist konkurrenzlos günstig, im Trend und jederzeit verfügbar. Qualität aus der Region ist teurer - und hat in Zeiten knapper Kassen kaum eine Chance.

Chance in der Nische

Auch wenn die Krise die Entwicklung bremst,: Grundsätzlich sind viele Verbraucher gerade bei Textilien an nachhaltiger Produktion interessiert. Darin sehen deutsche Hersteller zunehmend ihre Chance - nicht immer mit Erfolg.

So hat das Modeunternehmen C&A 2021 einen Teil seiner Jeansproduktion zurück nach NRW geholt und produzierte Hosen aus Materialien wie Biobaumwolle. Das Werk wurde allerdings schon Anfang 2025 überraschend wieder geschlossen. Trotz moderner Technik war die Produktion in Mönchengladbach wirtschaftlich nicht rentabel.

Im direkten Kostenvergleich kann die deutsche Produktion mit der Konkurrenz aus Asien nicht mithalten. Daher liegt der Fokus der Branche jetzt auf innovativen Ideen und modernsten Produktionstechniken.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, "Modebranche in der Krise", 19.05.2026, 12:00 Uhr

Hinweis der Redaktion, 20.05.2026 um 19:07 Uhr:

In einer früheren Version des Beitrags haben wir geschrieben, dass die nachhaltige Produktion im C&A-Werk in Mönchengladbach bis heute läuft. Tatsächlich ist das Werk 2025 geschlossen worden. Wir haben den Fehler korrigiert.

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