Staufalle NRW: Welche Rolle KI künftig spielen kann

Aktuelle Stunde 02:34 Min. Verfügbar bis 30.05.2027

Staufalle NRW: Welche Rolle KI künftig spielen kann

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NRW ist Stauland Nummer eins. Nirgendwo sonst in Deutschland stockt es so auf den Autobahnen. Könnte uns KI da nicht helfen?

Wer in NRW aufs Auto angewiesen ist und zu Stoßzeiten die Autobahnen zwischen den Ballungsgebieten nutzt, braucht meist starke Nerven. Rund 155.000 Staustunden zählte der ADAC allein im vergangenen Jahr in NRW - so viel wie nirgends sonst in Deutschland. Ein Drittel aller bundesweiten Stauereignisse gab es hier. Der Hauptgrund: Hunderte von Baustellen.

Eine Datenauswertung des Dienstleisters Inrix zeigt, dass Pendler in Deutschland 2024 im Schnitt 43 Stunden im Stau verbracht haben. Spitzenreiter in der Rangliste ist übrigens Düsseldorf: Dort standen Autofahrer 60 Stunden im Stau.

In NRW leben vergleichsweise viele Menschen, die zur Arbeit pendeln: laut Landesamt für Statistik rund fünf Millionen. Nimmt die Auto- und Lastwagendichte zu, leiden Straßen und Brücken. Die Folge: Noch mehr Baustellen und Brückensperrungen, die zusätzlich den Verkehr behindern.

Es knubbelt sich im Transitland

"NRW ist das Transitland Nummer eins - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Zentraleuropa. Deshalb haben wir ganz besondere Stausituationen. Es knubbelt sich auf unseren Autobahnen", sagt Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen.

WDR-Moderatorin Catherine Vogel im Gespräch mit Stauforscher Michael Schreckenberg

WDR-Moderatorin Catherine Vogel im Gespräch mit Stauforscher Michael Schreckenberg

Aber könnte man nicht mit angesammelten Verkehrsdaten eine KI füttern, die uns dann besser durch das Stauland lenkt? Ganz so einfach sei das nicht, denn das Straßennetz ändere sich permanent. "Sie haben ständig andere Baustellen und veränderte Situationen. Und das kann das System nicht gelernt haben." Auch Unfälle seien nicht vorhersehbar, so Schreckenberg.

Hinzu kommen gerade in NRW viele marode Autobahnbrücken. Bauwerke, die man nicht einfach ersetzen könne. Man müsse sich also schon weit im Voraus überlegen, was eine Sperrung für Auswirkungen auf andere Strecken habe. Wenn man eine Brücke plötzlich sperren müsse, sei es zu spät, um sich Gedanken über diese Maßnahmen zu machen, so Schreckenberg.

"Wir haben oft den Zustand, dass wir hinter der Realität hinterherlaufen.“ Verkehrsforscher Michael Schreckenberg

Menschen machen ständig Fehler

Doch noch etwas führt häufig zu Staus. Der Fahrer selbst - und seine Emotionen. "Man fühlt sich ständig benachteiligt und wechselt die Spur, in der Hoffnung, dort geht es schneller voran." Welche Auswirkungen das auf den Verkehrsfluss habe, wüssten die wenigsten. Häufige Spurwechsel bringen andere Fahrer dazu, öfter abzubremsen. "Wenn aber Fahrer hinter sich Stauwellen auslösen, merken sie das gar nicht. Es gibt also keinen Lerneffekt." Doch nicht nur das: Autofahrerinnen und Fahrer machten ständig Fehler. Die einen setzen keinen Blinker, andere halten Abstands- und Geschwindigkeitsregeln nicht ein, überfahren durchgehende Linien.

"Wenn man bei einem normalen Pendler an einem Tag mitfahren würde, kommt ein Bußgeld von 1.000 Euro zusammen." Michael Schreckenberg

Emotionslose KI könnte Stau reduzieren

Könnte man also Staus nicht dadurch reduzieren, dass eine neutrale KI statt eines wütenden Autofahrers den Wagen lenkt? Ja, sagt Schreckenberg, wenn man den menschlichen Faktor herausnehmen könnte, damit es nicht mehr so emotional abläuft, würde man Staus reduzieren können. Der menschliche Faktor bei der Entstehung eines Staus liege immerhin bei zehn bis 20 Prozent, rechnet Schreckenberg vor. "Aber wir haben auf lange Sicht eine Mixtur aus automatisierten und menschlich geführten Fahrzeugen."

Vernetztes Fahren im Schwarm?

Wäre ein Fahrer zusätzlich vernetzt mit anderen Fahrzeugen, könne man sich wie ein Schwarm verhalten, also zum Beispiel synchron die Fahrspur wechseln oder bremsen, und auch das Reißverschlusssystem würde besser funktionieren, sagt Schreckenberg. Aber sobald der Mensch ein Mitspracherecht habe, würde er versuchen, schneller zu sein als die anderen oder eingreifen, wenn das Fahrzeug zu defensiv ist. 

"Der Individualverkehr wird uns noch lange erhalten bleiben" Michael Schreckenberg

Mobidrom-Plattform kann auch KI füttern

WDR-Moderatorin Catherine Vogel im Gespräch mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer

Erklärt die Datenplattform: NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer

Doch in NRW bewegt sich gerade was. Am 23. Mai 2025 ging mit dem NRW.Mobidrom eine neue Datenplattform des Landes in Betrieb. Künftig sollen hier alle wichtigen Mobilitätsdaten zentral zusammenlaufen und nutzbar gemacht werden. Das betrifft zum Beispiel Baustellen- und Staumeldungen oder Angaben zu Parkplatzkapazitäten in einer Stadt. Kommunen, Verkehrsunternehmen oder private Anbieter können die Daten einspeisen. Gleichzeitig stehen diese kostenfrei zur Weiterverwendung bereit, beispielsweise für Apps, Web-Portale, künftige KI-gestützte Mobilitätsdienste sowie für die kommunale Verkehrsplanung.

"Das Mobidrom ist die Datengrundlage, die Künstliche Intelligenz ist das, was Unternehmen und Kommunen daraus machen können." NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer

Mit diesen Daten kann Künstliche Intelligenz lernen. "Wir sind ein Land mit 18 Millionen Menschen. Hier gibt es in jeder Sekunde Millionen von Verkehrsbewegungen. Je mehr man das versteht und die Verkehrsbewegungen erfassen kann, desto mehr kann KI helfen, Vorhersagen zu machen", so NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer.

Lösen werde man die Verkehrsprobleme damit allerdings auch nicht von heute auf morgen, so der Grünen-Politiker. Man wolle vielmehr eine Grundlage schaffen, um künftig mit dem knappen Verkehrsraum gut umgehen zu können.

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