Rund 360 Freibäder sind in NRW in Betrieb. Doch die Branche steht unter Druck.
Vor allem zwei Probleme belasten die Bäder: Fachkräftemangel und ein erheblicher Sanierungsstau. Besonders gesucht werden Fachangestellte für Bäderbetriebe sowie Schwimmmeisterinnen und Schwimmmeister. Sie sind für Sicherheit, Technik und den reibungslosen Betrieb verantwortlich.
Weniger Personal in den Freibädern in NRW
Nach Einschätzung von Reinhard Nowak, Landesvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister in Nordrhein‑Westfalen, fehlen im Land mehrere Hundert Fachkräfte.
"Schätzungsweise fehlen zwischen 250 und 350 Schwimmmeister beziehungsweise Fachkräfte im Bäderbereich." Reinhard Nowak, Bundesverband Deutscher Schwimmmeister in Nordrhein‑Westfalen
Die Ausbildung zur Fachangestellten oder zum Fachangestellten für Bäderbetriebe dauert in der Regel drei Jahre. Eine Weiterbildung zur Schwimmmeisterin oder zum Schwimmmeister dauert länger. Zwar können ausgebildete Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer bei der Aufsicht unterstützen. Qualifiziertes Personal muss aber stets in kurzer Zeit helfen können.
Der Personalmangel wirkt sich bereits aus: Einige Bäder können nicht mehr alle Becken öffnen oder verkürzen ihre Öffnungszeiten. Auch an stark besuchten Wochenenden wird die Situation oft kritisch.
Viele Anlagen in NRW sind veraltet
Neben dem Personal stellt auch der Zustand der Anlagen eine Herausforderung dar. Viele Bäder stammen aus den 1970er‑Jahren und wurden seitdem nur teilweise modernisiert.
"Den Bädern geht es schlecht. Aber es werden bislang noch nicht viele endgültig geschlossen." Ann‑Christin von Kieter‑Schmidt, Deutsche Gesellschaft für das Badewesen
Viele Anlagen bleiben zwar geöffnet, erfordern aber zunehmend Reparaturen und hohen Aufwand im Betrieb. Zahlen aus der Branche zeigen den Handlungsbedarf: Nur ein Teil der Bäder wurde bislang saniert. Gleichzeitig steigt der Investitionsbedarf deutlich.
Sehr alte Bäder in NRW
Das durchschnittliche Baujahr von Bädern in NRW liegt um 1973. Der Sanierungsbedarf liegt im Schnitt pro Bad bei mehreren Millionen Euro. Steigende Energiepreise verschärfen die Lage zusätzlich, da alte Technik oft ineffizient arbeitet und hohe Betriebskosten verursacht.
Trotz der Probleme gibt es aktuell noch kein flächendeckendes Bädersterben. In Nordrhein-Westfalen sind bislang nur relativ wenige Anlagen endgültig geschlossen. Ein größerer Teil steht jedoch zur Diskussion.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Reinhard Nowak, Bundesverband Deutscher Schwimmmeister, NRW
- Gespräch mit Ann‑Christin von Kieter‑Schmidt; Deutsche Gesellschaft für das Badewesen
- Angaben aus Branchenstatistiken (Bäderatlas)
- Angaben aus Branchenstatistiken (Bäderleben)
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 26.05.2025, 13:35 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 26.05.2026.
