Eine Reihe von Fahrrädern im Sonderangebot

Die Fahrradbranche erholt sich Saisonstart bringt Chancen für Fahrrad-Käufer

Stand:

Es geht langsam bergauf auf dem Fahrradmarkt, einen Boom erwartet zum Saisonstart aber noch niemand. Viele Hersteller und Händler haben weiter zu kämpfen. Für Radfans locken attraktive Angebote.

1

Die Lager sind voll

Gesa Kessler fährt ein Lastenrad für den Kindertransport mit einer hydraulischen Hebebühne hoch. Ein E-Bike, klar. "Das Ding wiegt locker 30 Kilo. Also das hebst du nicht mal eben rum", sagt die Werkstattleiterin im Radlager im Kölner Norden. "Das E-Bike hat die Branche schon stark verändert."

Nicht ganz die Hälfte aller im Kölner Geschäft verkauften Räder sind E-Bikes. Deutschlandweit ist das anders. Da wurden laut Branchenbericht des Zweirad-Industrie-Verbandes ZIV und anderer Verbände im vergangenen Jahr rund 3,8 Millionen Fahrräder verkauft. Mehr E-Bikes als sogenannte Bio-Bikes - also klassische Räder für Muskelkraft. Ein wichtiger Faktor für die Branche.

Fahrradwerkstatt sichert den Betrieb

Lothar Könekamp, Inhaber des Fahrradfachgeschäfts Radlager in Köln

Lothar Könekamp, Radlager Köln

Fahrradläden wie das Radlager gibt es in jeder Stadt. Sie machen einen wichtigen Teil des Marktes aus. Oben: fünf Werkstattplätze. Unten: Verkauf und die Reparaturannahme. "Es ist im Augenblick eine Situation, die wir so nicht lange durchhalten können", sagt Lothar Könekamp. Inhaber des Geschäfts.

"Wir haben weiterhin zu viele Räder, und wir werden eben diese Räder auch nicht zu normalen Preisen verkaufen können." Lothar Könekamp, Radlager Köln

"Aufgrund guter Jahre vorher geht das jetzt im Augenblick", sagt Könekamp. Rund drei Millionen Euro Umsatz pro Jahr macht das Geschäft, aber keinen Gewinn in 2024 und 2025. Die Prognose für 2026: eher auch nicht. Die Werkstatt sichert zurzeit den Betrieb, sagt der Inhaber. Mehrere Hundert Räder lagerten Ende 2025 im Keller. Die müssen noch immer raus. Teils zu Sonderpreisen.

Preisdruck vor allem bei E-Bikes

Zu viele bestellte Fahrräder aus der Corona‑Zeit drücken noch immer den Verkauf. Könekamp spricht vom "Ketchup-Flaschen‑Effekt". Vor Corona ging es der Branche gut. Dann fehlte Ware, später kam alles auf einmal. Die Folge waren volle Lager, Preiskämpfe, sinkende Margen und knappe Liquidität. Besonders im lokalen Handel. Einige gingen pleite, manchen geht es gut, andere kämpfen noch mit den Nachwehen.

"Insgesamt scheint das Preisniveau ein bisschen nach unten gegangen zu sein, sodass Verbraucherinnen und Verbraucher auch in den nächsten Monaten noch eine gute Zeit haben." Burkard Stork, Zweirad-Industrie-Verband ZIV

Diese Nachwehen drücken aktuell zum Teil noch immer die Durchschnittspreise. Besonders die von E-Bikes. Im Jahr 2025 sanken sie laut Branchenverband ZIV auf durchschnittlich 2.550 Euro. Preise für herkömmliche Fahrräder lagen stabil bei durchschnittlich 500 Euro.

Wirtschaftsfaktor Fahrrad

Nordrhein‑Westfalen ist ein Schwergewicht in der Branche. Über 50.000 Menschen arbeiteten 2022 in Herstellung, Handel, Dienstleistungen, Fahrradtourismus und Infrastruktur. Ein großer Teil der deutschen Fahrrad‑Wertschöpfung entstand hier.

Trotzdem spricht Stork vom ZIV von Ernüchterung. "Den ganz großen Durchbruch des Fahrradfahrens als neuem Volkssport hat es leider doch nicht gegeben", sagt er. Umsatzmäßig liege das neue Normal zwar über der Zeit vor Corona. Aber an den Stückzahlen habe sich nicht viel getan im Vergleich zum Vor‑Pandemie‑Niveau.

2

Fahrradreparatur on Tour

"Hi, wo finden wir das Fahrrad?" Tarik Uyanik aus Duisburg, 19 Jahre alt, kommt mit Montageständer auf dem Rücken und Werkzeug in den Satteltaschen mit dem E-Bike zu seinen Kunden. TX-Bikes heißt die Ein-Mann-Fahrradwerkstatt. Während Corona brachte er sich das Schrauben bei. Nach dem Abi ging es los.

Der Betreiber der mobilen Radwerkstatt Tarik Uyanik aus Duisburg schraubt an einem Fahrrad

Tarik Uyanik, TX-Bikes Duisburg

Ines Feller, die Kundin, will das Rad ihres Mannes reparieren lassen. 200 Euro inklusive Anfahrt - der Preis ist vorher abgesprochen. Pannensichere Reifen sollen drauf, das Felgenband neu. "Was mir jetzt direkt auffällt, ist, dass die eine Außenhülle vom Seilzug, also vom hinteren Schaltwerk, hängt", sagt Tarik Uyanik und fängt an zu schrauben. Nach rund einer Stunde ist der Drahtesel wieder fit.

"Ich werde jetzt auch noch mal eine kurze Testfahrt machen, damit ich es ganz absegnen kann." Nach der Testrunde gibt es noch zwei Wochen Gewährleistung. Klappt etwas nicht, kommt Uyanik wieder. Die Kundin ist zufrieden. Das Geschäftsmodell: Reparaturen und Ersatzteile direkt zu den Kunden nach Hause. Bislang könne er gut davon leben, sagt Uyanik.

Auf Touren? Wirtschaftsfaktor Fahrrad

Dok 5 - Das Feature | WDR 5 26.04.2026 53:48 Min. Verfügbar bis 28.04.2031 WDR 5 Von Matthias Hof

Download

3

Leasing und ein neuer Markt

Dienstwagen sind für große Unternehmen ein alter Hut. Aber jetzt haben viele das Dienstrad entdeckt. Leasing war ein wichtiger Faktor für die Fahrradbranche im vergangenen Jahr. "Wir liegen bei 720.000 Rädern, die geleast worden sind", sagt Burkhard Stork vom ZIV ein bisschen stolz.

Nach den Zahlen der Verbände gibt es in Deutschland über 90 Millionen Fahrräder, davon 17,5 Millionen E-Bikes. Ein Modell, das sich gerade etabliert: Refurbished-Modelle - generalüberholte Fahrräder aus dem Dienstrad-Leasing-Markt.

Vorsichtiger Blick nach vorn

Gesa Kessler aus dem Radladen in Köln fährt das Lastenrad für den Kindertransport wieder runter von der Hebebühne. "Es ist mittlerweile so, dass die Werkstätten immer wichtiger werden", sagt sie ein bisschen optimistisch für das aktuelle Jahr. Auch die Branche blickt ein bisschen hoffnungsvoll nach vorne.

"Wir haben ja in den vergangenen Monaten doch das ein oder andere Unternehmen straucheln sehen. Und dann hieß es immer schon, es ist alles vorbei und die Fahrradwirtschaft in Deutschland hat völlig abgerockt. Das ist nicht der Fall." Burkard Stork, Zweirad-Industrie-Verband ZIV

E-Bikes, Dienstrad-Leasing, Refurbished Räder oder auch Werkstattleistungen stabilisieren den Markt. Entscheidend wird sein, wie schnell insgesamt die Lager leerer werden - und wie sich die gesamtwirtschaftliche Lage entwickelt.

Unsere Quellen:

Zweirad-Industrie-Verband (ZIV)
Transportation Think Tank T3
Kompetenznetzwerk Umweltwirtschaft.NRW
• WDR-Gespräch mit Gesa Kessler und Lothar Könekamp, Radlager Köln
• WDR-Gespräch mit Burkard Stork, Zweirad-Industrie-Verband ZIV
• WDR-Gespräch mit Tarik Uyanik, TX-Bikes Duisburg

Sendung: wdr.de, Auf Touren? Wirtschaftsfaktor Fahrrad, 26.04.26, 07:34 Uhr

Weitere Beiträge aus der Wirtschaft

1 / 2