Drohne wird auf einem Feld für die Minensuche vorbereitet.

Die Asdro-Drohne wartet auf ihren Minensuch-Einsatz in Gladbeck.

Minensuche mit Drohnen Ein Essener Startup findet tödliche Sprengsätze

Stand:

Die Bundeswehr könnte sich an der Seeminensuche in der Straße von Hormus beteiligen. Ein Startup aus NRW kann das mit Drohnen.

Von Vincent Tandler-Schneider

Die Rotorblätter surren. Langsam hebt die Drohne vom Boden ab und steigt auf vier Meter Höhe. Ein langer Stab klappt aus. Darunter hängt ein Sensor, der tödliche Minen aufspüren kann. Ein paar Sekunden schwebt die Drohne in der Luft, dann fliegt sie einen Acker in Gladbeck ab - auf der Suche nach Minen.

Julian Beautemps schaut seiner Drohne hinterher. Der Gründer des Startups Asdro aus Essen wollte mit seiner Firma ursprünglich nur alte Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg aufspüren. In Nordrhein-Westfalen sind viele Städte mit Blindgängern verseucht – und das Geschäft läuft gut.

Doch dann kam der Krieg in der Ukraine. Und Geschäftsführer Beautemps wurde klar: Auch das Militär braucht seine Technologie. Fast ein Viertel der Ukraine könnte mit Landminen verseucht sein, schätzen die Vereinten Nationen. Außerdem gibt es Befürchtungen, dess der Iran in der Straße von Hormus Seeminen gelegt hat.

Gefährliche Minensuche

Minen legen ist einfach, sie zu räumen extrem aufwändig und gefährlich. Denn Soldaten suchen heute noch so nach Minen wie vor 30 Jahren: komplett analog.

"Die Pioniere müssen sich immer noch zu Fuß den Minen nähern und ganz vorsichtig Quadratmeter für Quadratmeter absuchen. Und natürlich bangen, nicht im nächsten Moment in die Luft zu fliegen." Julian Beautemps, Geschäftsführer Startup Asdro

Die Drohnen des Essener Startups Asdro können das aus der Luft machen. Ein Sensor unter der Drohne misst Änderungen im Magnetfeld der Erde. So lassen sich Minen aufspüren, weil sie solche Änderungen auslösen. Die Software im Hintergrund analysiert die Daten und speichert den Standort - zentimetergenau.

Bundeswehr interessiert an Minen-Drohnen

Soldaten der Luftlandepioniere sucht schon seit vielen Jahren nach einem Weg, digital Minen zu finden. Asdro hat die Technologie dafür.

Minen-Such-Drohnen von Start-Up aus Münster und Essen

Lokalzeit Münsterland 22.04.2026 20:17 Min. Verfügbar bis 22.04.2028 WDR Von Vincent Tandler-Schneider

Vor zwei Jahren wurde eine spezielle Einheit der Bundeswehr auf die Drohnen aus Essen aufmerksam. Das Cyber Innovation Hub sucht nach Startups, die für die Bundeswehr interessant sein könnten. Zusammen mit dem Hub haben das Essener Startup das Projekt Minesweeper gegründet.

Manöver mit Minen-Drohnen

Computerergebnis einer Minensuche per Drohne

Die Software des Essener Startups Asdro hat Minen gefunden.

Panzer der Bundeswehr rollen über das Truppengelände. Dann geraten sie in vermintes Gebiet und kommen nicht weiter. Soldaten starten die Drohne, die das Gebiet auf Minen absucht. Die Luftlandepioniere der Bundeswehr haben das System in einer Übung getestet. Mit Erfolg: Die Aufklärungsquote von Panzerminen liegt bei 100 Prozent, bei Plastikminen ist sie derzeit noch niedriger.

Ein Offizier der zuständigen Einheit, dessen Namen wir nicht nennen dürfen, hat die Drohne auch auf dem Wasser getestet: "In dem Szenario liegt in der Gewässermitte eine Mine, und wir können Minesweeper vorausschicken. Die Drohne fliegt genauso schnell wie unsere Boote." Die Soldaten können mit Vollgas fahren, vor der Mine werden sie gewarnt. "Wir können ausweichen, diese umgehen, weiter angreifen."

Drohnen noch nicht bereit für Militäreinsatz

Bis zu einem echten Militäreinsatz dauert es aber wohl noch. Die Drohnen müssen getarnt werden und weniger anfällig für Störungen durch einen potentiellen Feind sein. "Wir sprechen von gesicherten Funkverbindungen, es darf nicht mehr blinken und silbern aussehen", erklärt der Offizier. Weitere Sensoren sollen die Minensuche noch verlässlicher machen.

Die Drohne steht in der Produktionshalle des Startups neben dem Geschäftsführer Julian Beautemps

Die Minensuch-Drohnen werden in der Produktionshalle des Startups gebaut und getestet.

Gemeinsam mit der Bundeswehr hat Julian Beautemps Startup die Software weiterentwickelt: Die Koordinaten und die Art der Mine werden direkt digital auf einer Comuterkarte angezeigt, statt wie bisher in seitenlangen Papierberichten. Soldaten und Minenräumer wissen sofort, wo es sicher ist und wo lebensgefährlich.

Rüstungsstartups boomen

Die Investitionen in deutsche Rüstungsstartups sind von 33 Millionen Euro im Jahr 2022 auf über eine Milliarde gestiegen – 32-mal so viel in nur vier Jahren, so die Zahlen des deutschen Startupverbandes. Viele zivile Startups steigen jetzt ins Rüstungsgeschäft ein. Nicht nur mit Drohnen, sondern auch mit Software.

Tödliche Minen: Wie Drohnen aus Essen Leben retten können

WDR 23.04.2026 03:33 Min. Verfügbar bis 22.04.2028 WDR Online

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Zwar sitzen in NRW große Rüstungskonzerne wie zum Beispiel Rheinmetall. Bei den Startups spielt das Land aber noch keine große Rolle. Die Landesregierung will das jetzt ändern und hat einen 25 Millionen Euro schweren Fonds eingerichtet. Damit sollen Startups und innovative Projekte im Rüstungssektor gefördert werden.

Riskantes Geschäft mit der Bundeswehr

An die Bundeswehr zu verkaufen, ist für Julian Beautemps herausfordernd. "Der zivile und der militärische Markt sind zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe. Die Beschaffung dauert sehr lange, die Ansprechpartner sprechen eine andere Sprache, auch wenn sie Deutsch sprechen", sagt er.

Die Bundeswehr braucht große Stückzahlen an militärischem Gerät, aber solange sie noch nicht fest bestellt hat, kann sie die Zusammenarbeit jederzeit canceln. „Wir gehen eine finanzielle Wette ein. Wir müssen sehr, sehr viel Geld in die Hand nehmen.“ Für Julian Beautemps ist das nur möglich, weil das zivile Geschäft in NRW und darüber hinaus boomt.

Dass seine Drohnen in der Ukraine Minen aufspüren werden, ist für den Gründer sicher: "Es ist ein Muss. Es gibt keine Möglichkeit, das konventionell zu räumen. Das heißt, unsere Technologie wird dort vertreten sein."

Unsere Quellen:

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münster, 22.04.2026, 19:30 Uhr
Sendung:
WDR 5, Morgenecho, 23.04.2026, 06:00 Uhr

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