Der Döner ist Popkultur, Politikum und längst auch: ein Symbol für soziale Fragen. Noch bis zum Ende der 2010er Jahre waren 4 bis 5 Euro ein üblicher Preis für das weltweit bekannte türkisch-deutsche Kulturgut. Doch in den vergangenen Jahren explodierten die Preise regelrecht.
Natürlich wurde nicht nur der Döner teurer, für viele Menschen manifestierten sich die steigenden Lebenserhaltungskosten aber am eindrücklichsten an der Theke ihrer Lieblingsdönerbude. Einen Döner kann sich jeder leisten – das war einmal.
Datenauswertung für zehn NRW-Städte
Der Durchschnittspreis für einen Döner in Nordrhein-Westfalen liegt mittlerweile bei etwa 7,50 Euro. Das zeigen die neuesten Daten des Essenslieferdienstes Lieferando, der dafür wie in den beiden Vorjahren die Preise seiner Plattform ausgewertet hat. Wir haben uns die Zahlen für NRW genauer angeschaut.
Insgesamt wird diesmal das Preisniveau aus zehn NRW-Städten veröffentlicht. Nur in Krefeld, Dortmund, Paderborn und Bochum zahlte man im März 2025 für einen herkömmlichen Kalbfleisch-Döner demnach noch 7 Euro oder weniger. In Köln und Kleve hat der durchschnittliche Preis dagegen bereits die 8-Euro-Marke gesprengt.
NRW-Großstädte vergleichsweise günstig
Im bundesweiten Städtevergleich gilt aber: In Nordrhein-Westfalen bekommt man seinen Döner noch vergleichsweise günstig. Für die aktuelle Analyse 2025 wurden Lieferando-Bestellungen in insgesamt 36 ausgewählte Städten in ganz Deutschland untersucht. Darunter gab es neben den vier NRW-Städten nur zwei weitere mit einem durchschnittlichen Döner-Preis von 7 Euro oder weniger – Osnabrück und Halle.
Auch in Essen, Aachen und Münster liegt der Preis noch unter dem bundesweiten Durchschnitt von 7,47 Euro. Und selbst die drei NRW-Städte mit überdurchschnittlich hohen Preisen (Kleve, Köln und Düsseldorf) liegen im Gegensatz zu den teuersten Städten noch unter 9 Euro.
Doch wie stark sind die Preise zuletzt gestiegen? Das lässt sich nicht für alle Städte aus der aktuellen Analyse berechnen. Den Döner-Index von Lieferando gibt es zwar schon länger, allerdings wurden für 2023 und 2024 nur Daten von 20 Großstädten ausgewertet. Zumindest für die vier größten Städte in NRW – Köln, Düsseldorf, Dortmund und Essen – gibt es auch Vergleichswerte.
Deutlich mehr müssen die Essener für ihren Döner bezahlen. Mehr als 1 Euro wurde von den Dönerläden hier durchschnittlich seit Juli 2023 aufgeschlagen, das sind 16 Prozent mehr in unter zwei Jahren – der fünftgrößte Preisanstieg unter deutschen Großstädten. Auch in Dortmund und Köln ist ein Döner rund 75 Cent teurer geworden.
Nun können die Daten natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben. Es gibt einzelne Dönerläden, die ihre Produkte bei Lieferando für höhere Preise als im Laden vor Ort anbieten, um die Abgaben an den Dienstleister wieder reinzuholen.
Es gibt viele Läden, die aus eben diesen Gründen die Plattform erst gar nicht nutzen. Oder irgendwann aussteigen, weil sich das Liefergeschäft für sie nicht lohnt. Die Preise in München könnten tatsächlich um einen Euro zurückgegangen sein – oder aber einige Dönerläden mit hohen Preisen bieten keine Lieferando-Lieferung mehr an.
"Döner" ist rechtlich geschützter Begriff
Zudem wurde nur das meistverkaufte Produkt pro Dönerbude berücksichtigt, wenn es das Stichwort "Döner" im Namen trägt. Viele Dönerläden umgehen aber das "Döner-Reinheitsgebot", wonach ein Döner in Deutschland nur als solcher bezeichnet werden darf, wenn die Zusammensetzung des Kebapspießes bestimmten Vorgaben entspricht:
Zum Beispiel darf der Hackfleischanteil maximal 60 Prozent betragen. Ein "Sandwich mit Kalbfleisch" oder eine "Drehspießtasche" ist demnach nicht Teil der Lieferando-Auswertung.
Dennoch sind gerade in den Großstädten das Angebot und die Konkurrenz so groß, dass die Lieferando-Preise nah an der Realität sein dürften.
Ziemlich genaue Daten zur Preisentwicklung von einzelnen Lebensmitteln erhebt und veröffentlicht das Statistische Bundesamt monatlich. Mit Blick auf die Zutaten, die in einem Döner stecken, zeigen sich im Zeitraum der Lieferando-Datenerhebung (Juli 2023 bis März 2025) je nach Zutat starke Unterschiede.
Vor allem Tomaten und Salate sind in knapp zwei Jahren erheblich teurer geworden. Andere Zutaten wie Zwiebeln, Knoblauch oder Weißkohl und Rotkohl sind dagegen im Preis zurückgegangen. Genauso wie die Energiekosten.
Im Schnitt sind alle Döner-Zutaten von Juli 2023 bis März 2025 um gerade mal 3,6 Prozent teurer geworden. Zum Vergleich: Der Wertverlust des Geldes in diesem Zeitraum liegt bei über fünf Prozent.
Verbraucherpreise ungleich Erzeugerpreise
Warum also steigen die Dönerpreise? Das hat wohl mit dem Fleisch zu tun, das in einem Döner meist einen größeren Anteil als andere Zutaten ausmacht. Der Supermarkt-Preis für Kalb- und Rindfleisch ist dem Verbraucherpreisindex zufolge zwar nur um rund acht Prozent seit Sommer 2023 gestiegen. Allerdings spricht die Handwerkskammer Niedersachsen von massiven Preisanstiegen bei den für die Dönerproduzenten relevanten Erzeugerpreisen von 15 bis 20 Prozent – allein im Jahr 2025.
Auch Akif Ayar berichtet in der Rheinischen Post davon. Der Besitzer des unter Foodbloggern als einer der besten Dönerläden Deutschlands geltenden "Oğuz Döner" aus Neuss stellt seinen Kalbspieß selbst her. Er spricht davon, dass der Kilopreis für Kalbfleisch innerhalb weniger Monate von 8,50 Euro auf 13 Euro gestiegen sei, ein Dönerpreis von 10 Euro deshalb wohl bald Realität werden würde.
Die Gründe dafür sind offenbar vielschichtig: Der Verband der Dönerproduzenten führt strengere EU-Auflagen zur Rinderhaltung an. Die Landwirtschaftskammer nennt die seit Ende 2023 wieder grassierende Blauzungenkrankheit. Beides habe zu einer Verknappung des Angebots bei Rind- und Kalbfleisch geführt.
Tatsächlich ist der Rinderbestand in Deutschland innerhalb von fünf Jahren um mehr als eine Million Tiere auf 10,5 Millionen bis Ende 2024 zurückgegangen, rund ein Drittel lebt als Milchkühe. Nur sind die steigenden Marktpreise an die Verbraucher kaum weitergegeben worden. Bisher.
Das versuchen dem Anschein nach auch Dönerspieß-Produzenten und Besitzer von Dönerläden zu vermeiden. Auch sie wissen: Steigende Dönerpreise sind ein emotionales Thema. Und vielen ist es ein Anliegen, dass sich Schüler und Menschen mit wenig Geld auch künftig einen Döner leisten können. Immer häufiger ist deshalb in den Läden ein alternativer Name auf den Speisekarten zu finden. Weil sich die Rezepturen der Spieße verändern.
Eine "Döner-Schere" etabliert sich
Neben einem hohen Hackfleischanteil werden mitunter auch andere Fleischsorten mit Rind- und Kalbfleisch gemischt, um Kosten zu sparen, zum Beispiel Pute. Gleichzeitig bieten immer mehr Dönerläden sogar einen zusätzlichen Spieß neben dem normalen Kalbhackspieß an: einen teureren mit sogenanntem Steakfleisch.
Dieser entspricht meist dem traditionellen "Yaprak-Spieß", bei dem Fleischscheiben übereinander geschichtet sind. Und der vielerorts früher Standard war. Die vielbeschworene Schere zwischen Arm und Reich – sie gibt es nun auch beim Lieblingsimbiss der Deutschen, quasi als Döner-Schere.
Unsere Quellen:
- Essenslieferdienst Lieferando
- Statistisches Bundesamt
- Rheinische Post: "Der Döner wird bald zehn Euro kosten".
- Nachrichtenagentur dpa