Bundesrechnungshof rügt RAG-Stiftung in Essen

WDR 03:26 Min. Verfügbar bis 10.06.2028

Kritik des Bundesrechnungshofes Geht bei der RAG-Stiftung zu viel Kohle stiften?

Stand:

Die Essener RAG-Stiftung soll sich um die Folgen des Bergbaus kümmern. Verluste bei der Kapitalanlage sorgen für massive Kritik. Heute hat die Stiftung ihre Bilanz vorgelegt.

Kleiner ging es nicht: Im Welterbe 10 lautet die Adresse der RAG-Stiftung in Essen. Gleich im Schatten des Weltkulturerbes Zeche Zollverein geht es gerade aber auch um ein finanzielles Erbe: Wie viel Kapital hinterlassen die Verantwortlichen der 2007 gegründeten Stiftung der Nachwelt?

Heute gab es erstmal gute Kunde: Ein Jahreserfolg von 420 Millionen. Das reichte, um die 309 Millionen Euro für die Ewigkeitslasten wie die Entwässerung der ehemaligen Bergbaubetriebe zu finanzieren.

Zuletzt hatte die weitere Geldanlage erheblichen Schaden genommen. Zwischen Ende 2021 und Mitte 2025 reduzierte sich der Kapitalstock um 4,8 Milliarden Euro auf rund 16 Milliarden Euro. Der Bundesrechnungshof kritisiert die Verantwortlichen der Stiftung in einem Bericht, der dem WDR vorliegt, dafür scharf. Die Stiftung sei zu hohe Einzelrisiken eingegangen: "Die Kapitalanlage der Stiftung ist damit unwirtschaftlich."

Prüfung des Bundesrechnungshofs

Der Bundesrechnungshof in Bonn.

Der Bundesrechnungshof in Bonn

Besonders kritisch sieht der Bundesrechnungshof, dass sich die Stiftung stark auf Immobilien und direkte Beteiligungen konzentriert. Weltweit gestreute Aktien seien hingegen unterrepräsentiert. Falls das zutrifft, ist das kein gutes Zeugnis. Heute hat die Stiftung dieser Einschätzung in Teilen widersprochen.

Aktuelle Marktwertverluste könnten durch künftige Wertaufholung wieder wettgemacht werden. Für einen Teil der Geldanlage trifft das zu, für andere nicht. Längst hat sich auch der Bund der Steuerzahler NRW zu Wort gemeldet. Die Sorge: Wenn irgendwann das Geld der Stiftung nicht mehr reicht, muss der Steuerzahler einspringen.

Verluste größer als eine halbe Milliarde Euro

Einen Großteil ihres Kapitals hat die Stiftung aus historischen Gründen in den Spezialchemiekonzern Evonik investiert. Hier sind Aktienkurs und Dividenden zuletzt deutlich zurückgegangen. Stabil ist die Beteiligung am Wohnungskonzern Viwawest.

Besonders viele Fragen stehen hinter einigen Investitionen, die die RAG-Stiftung inzwischen komplett abschreiben musste. Dazu gehören Beteiligungen an der Signa-Gruppe von Ex-Karstadt-Eigentümer René Benko oder der United Robotics Group – einem Roboterhersteller, der zwischenzeitlich insolvent war. Insgesamt belaufen sich die Verluste durch diese und weitere Beteiligungen auf weit über eine halbe Milliarde Euro.

Stiftung mit wichtiger Aufgabe

Die RAG-Stiftung gibt es seit knapp 20 Jahren. Gegründet, um den Ausstieg aus dem 2018 beendeten Steinkohlebergbau zu begleiten und besonders, um die Ewigkeitslasten zu finanzieren: Grubenwasser abpumpen, Schäden beseitigen, Grundwasser reinigen. Pro Jahr fallen dafür geschätzt rund 250 Millionen Euro benötigt, manchmal mehr, manchmal weniger. 2025 waren es 309 Milllionen. "Die Tendenz bleibt steigend", so heute Stitungsvorsitzender Bernd Tönjes.

Bernd Tönjes, RAG Chef, Porträt

Bernd Tönjes, RAG-Chef

Der ehemalige Bergwerksdirektor Tönjes (70) leitet die Stiftung seit 2018. Kontrollieren soll die die Arbeit des Vorstandes ein 13-köpfiges Kuratorium, darunter der Ministerpräsident von NRW, Hendrik Wüst (CDU), Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und IGBCE-Chef Michael Vassiliadis. An der Spitze des Gremiums steht der ehemalige CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet.

FDP-Antrag im Landtag

Und auch hier setzt jetzt Kritik an. Das Gremium soll zu unkritisch sein, sich zu wenig mit der Geldanlage beschäftigen. Die FDP-Fraktion hat am Dienstag einen Antrag im NRW-Landtag eingebracht. Sie möchte, dass die Stiftungssatzung geändert und die Kuratoriumsarbeit professionalisiert wird.

"Die langfristige Verantwortung der RAG-Stiftung für die Finanzierung der Ewigkeitsaufgaben macht eine Stärkung der Kontroll-, Governance- und Compliance-Strukturen sowie eine bessere Informationsgrundlage des Kuratoriums erforderlich", heißt es.

Kuratorium sieht Stiftung auf einem guten Weg

Das Kuratorium der RAG-Stiftung setzt dagegen auf Selbstheilungskräfte. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU), selbst Mitglied im Gremium, lässt verlauten, dass man sich mit den Empfehlungen des Bundesrechnungshofes befasst und mit dem Stiftungsvorstand und externen Wirtschaftsprüfern diskutiert habe.

Das Bild zeigt Oberbürgermeister Thomas Kufen vor dem Berufskolleg in Essen.

Thomas Kufen, Essener Oberbürgermeister (CDU)

"Einige der Empfehlungen stimmen mit Maßnahmen überein, die der Vorstand der RAG-Stiftung bereits Ende des vergangenen Jahres angestoßen hat. Eine abschließende Kommentierung und Bewertung nehmen wir erst vor, wenn auch der endgültige Bericht der Landesrechnungshöfe vorliegt", sagt Kufen.

Im Welterbe 10 bleibt es also spannend. Historische Veränderungen sind aber so schnell nicht zu erwarten.

RAG-Stiftung legt Bilanz vor

WDR 10.06.2026 00:38 Min. Verfügbar bis 09.06.2028

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Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Thomas Kufen, Essener Oberbürgermeister (CDU)
  • WDR-Gespräch mit Dietmar Brockes, wirtschaftfspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion
  • WDR-Gespräch mit dem Bund der Steuerzahler
  • Interner Bericht des Bundesrechnungshofs
  • RAG-Stiftung

Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 10.06.2026, 10:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 10.06.2026, 19:30 Uhr

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