Pflegeheimkette Ambiente Care in der Insolvenz - NRW-Heim gerettet

WDR 02:39 Min. Verfügbar bis 11.03.2028

Pflegeheimkette Ambiente Care in der Insolvenz - NRW-Heim gerettet

Stand:

Keine Gehälter, Heimschließungen, Angehörige in Panik: Das Unternehmen Ambiente Care Süd hat nun Insolvenz beantragt. In NRW betreibt die Firma zwei Heime, eins davon ist wohl gerettet, für das zweite laufen Gespräche.

Wir wollen deine Meinung hören!

Jetzt mitdiskutieren

Nun ist es offiziell: Die schlingernde Pflegeheimkette Ambiente Care Süd ist insolvent, das teilte der eingesetzte Insolvenzverwalter Hubert Ampferl am Dienstag in einer Presseerklärung mit. Zuvor hatten bereits Angehörige dem WDR die Insolvenz mitgeteilt. Auch der Branchendienst "Care vor 9" hatte berichtet.

In den vergangenen Tagen offenbarte der Pflegeheim-Betreiber riesige Probleme. Man sehe sich "erheblichen branchenspezifischen Herausforderungen ausgesetzt, insbesondere infolge gestiegener Sach- und Personalkosten, dem Fachkräftemangel sowie fortlaufender gesetzlicher und regulatorischer Veränderungen", heißt es in der Pressemitteilung vom Dienstag. In Laatzen bei Hannover mussten etwa 60 pflegebedürftige Menschen ihr Heim verlassen - von jetzt auf gleich. Dabei kam es zu chaotischen Szenen, da kaum mehr Personal vor Ort war.

Das Personal wartet nämlich schon seit Wochen auf sein Gehalt. Weil am Mittwoch vor den Osterfeiertagen lediglich drei Pflegekräfte zum Dienst erschienen, untersagte die Heimaufsicht den Betrieb des Pflegeheims bis auf Weiteres. So kam es zu der Räumung des Heims. Es ist laut NDR dabei zu "menschenunwürdigen Zuständen" gekommen.

Probleme auch in NRW - Gehälter nicht gezahlt

Ähnliches spielte sich auch in NRW ab. Vergangene Woche hatte die komplette Belegschaft des Ambiente-Care-Heims "Haus am Hellweg" in Unna damit gedroht, die Arbeit einzustellen. Hintergrund waren auch hier die ausstehenden Gehälter. In den vergangenen Tagen habe sich die Lage in Unna weiter zugespitzt, schilderte eine Sprecherin des Kreises dem WDR. Angehörigen wurde geraten, sich Alternativen zu suchen. Ein Teil der 42 Bewohner sei bereits ausgezogen, über die Osterfeiertage sollten weitere folgen.

Bestätigung: Das Unternehmen geht in die Insolvenz

Trotz Insolvenz gibt es auch gute Nachrichten: Das Heim in Velbert hat einen neuen Betreiber gefunden. Wie der zuständige Kreis Mettmann dem WDR bestätigte, wird der Rheinische Hof zum 1. Mai 2026 den Betreiber wechseln. Neuer Betreiber wird dann Michael Müller, beziehungsweise die emida Residenzen Holding GmbH. Laut Michael Müller hat die Ambiente Care Süd seit Monaten keine Miete mehr an den Immobilienbesitzer des Rheinischen Hofs gezahlt. Deshalb habe der einen neuen Mieter gesucht und der Ambiente Care vor etwa zehn Tagen den Pachtvertrag zu Ende April gekündigt.

Ein Sprecher des Kreises Unna sagte nach Gesprächen am Dienstag, die Pflege sei dort zumindest für die nächsten Tage gesichert. Laut WDR-Informationen laufen Gespräche mit einem neuen Betreiber.

In der Presserklärung des Insolvenzverwalters heißt es, dass für jeden einzelnen Standort der gegenwärtige Status hinsichtlich Betreuungssituation und Betreuungsperspektive festgestellt werden soll. "In diesem Zusammenhang kommt auch eine Übernahme und Fortführung der Einrichtungen durch neue Träger in Betracht. Der vorläufige Insolvenzverwalter wird potenzielle und geeignete Erwerber hierzu in den kommenden Tagen gezielt ansprechen."

Für die Mitarbeitenden bedeutet die offizielle Insolvenz, dass jetzt "der von der Bundesagentur für Arbeit gewährte Insolvenzgeldschutz in Anspruch genommen werden" kann, so Insolvenzverwalter Ampferl. Weiter heißt es, dass die Belegschaft jetzt eng eingebunden werden soll, um "fortlaufend über das weitere Vorgehen zu informieren."

Was ist Ambiente Care überhaupt?

Dass es bei Ambiente Care heftig rumorte, war offensichtlich. Wie das Fachportal "Care vor 9" berichtet, schrumpfte der Pflegeanbieter innerhalb eines halben Jahres von 17 auf nur noch sieben Standorte.

Auto von Ambiente Care in Unna

Auto von Ambiente Care in Unna

Laut Medienberichten sind die Probleme vielfältig. Nicht nur, dass die Mitarbeiter teilweise auf ihr Februar-Gehalt warten, es ist wohl auch so, dass Zulieferer wegen ausstehender Zahlungen kein Pflegematerial mehr lieferten. Dies berichtet zumindest "Care vor 9".

Ambiente Care ist eine Tochtergesellschaft der Ambiente Holding GmbH. Die Firma hat ihren Sitz in Gröbenzell in Bayern, die Geschäftsführer sind Michael Novak und Karl Heinz Lukofnak.

Die Gerüchte um eine bevorstehende Insolvenz hatte das Unternehmen zuvor noch "ausdrücklich" dementiert. Die Arbeitsverhältnisse der Angestellten seien auch nicht gekündigt worden, hieß es noch am Dienstagmorgen. Die Ambiente Care GmbH selbst spricht auf ihrer Homepage von Gerüchten, die die Abläufe in ihren Einrichtungen unnötig belasteten. Man setze alles daran, eine verlässliche Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner zu gewährleisten.

Insolvenz der Ambiente Care in Wuppertal

WDR 07.04.2026 00:49 Min. Verfügbar bis 06.04.2028 WDR Online

Download

Unklar, was mit Ambiente Care Nord passiert

Ende 2025 war bereits eine andere Tochter der Ambiente Holding GmbH pleite gegangen: Die TSC Care GmbH, die eine Seniorenresidenz in Hagen betrieb. Nun folgt ihr die Ambiente Care Süd. Ob auch der zweite Teil des Unternehmens, die Ambiente Care Nord, insolvent ist, ist derzeit nicht bekannt.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 2 Wuppertal, WDR aktuell, 07.04.2026, 14:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 07.04.2026, 19:31 Uhr

Kommentare zum Thema

16 Kommentare

  • 16 Elke Sundermann 08.04.2026, 11:26 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren von der Redaktion, man muss nur wenige Internetseiten aufrufen, um zu erkennen, in welche dubiosen Geschäftspraktiken und vielfältigen Unternehmensgründungen die beiden Geschäftsführer K. H. Lukofnak und M. Nowak verwickelt waren. Das Betreiben von Pflegeheimen ist ein einträgliches Geschäft, das scheinbar keiner Kontrolle unterliegt. Für investigative Journalisten wäre dieses Thema sicher lohnenswert, denn letztlich bleiben die Kosten für die Allgemeinheit bestehen. Mit freundlichen Grüßen E. Sundermann

  • 15 Sabine 08.04.2026, 10:13 Uhr

    Besonderes Ambiente! Wie ist das mit Insolvenzverschleppung hier? Das stinkt irgendwie zum Himmel!

  • 14 Ehemalige Mitarbeiterin 07.04.2026, 20:20 Uhr

    Schon letztes Jahr wurden die Löhne nicht pünktlich gezahlt. Rechnungen und Miete wurden auch da schon nicht bezahlt. Die Zeitarbeitsfirmen haben ebenfalls kein Geld bekommen und dementsprechend auch keine Pflegekräfte mehr geschickt. Harte Zeiten waren das! Ich frage mich, warum die das so lange durchziehen konnten?!

    Antworten (1)
    • Karsten 08.04.2026, 03:47 Uhr

      Im Betrieb meiner Frau lief/läuft das seit dem letzten Betreiberwechsel nur so...

  • 13 Räbiger 07.04.2026, 19:18 Uhr

    In Unna stehen 70 Pflegeplätze auf dem Spiel. Die Investitionskosten sind unbekannt. In Velbert kann der neue Investor allein 602.000 € an Kaltmiete für 80 Heimplätze erzielen, zuzüglich 27 Appartements. In Dresden stehen 118 Heimplätze und 30 Wohnungen auf dem Spiel. In Gröbenzell bei München entfallen 36 Plätze zum 31.5.26. Dazu kommen noch drei Einrichtungen in Niedersachsen mit 373 Bettplätzen und bei Berlin 133 Plätze. Für die Gebäude wurden Investitionskosten entrichtet. - Vom neuen Eigentümer ist ein Kaufpreis zum Zeit- und Erhaltungswert zu entrichten. Die Refinanzierung ist gesichert. Die Kommunen sind bei der älterwerdenden Gemeinschaft gefordert. Warum nicht an eine Genossenschaft der Bürger mit Unterstützung der Kommune und des Landkreises denken.

  • 12 ANdreas Beckenroth 07.04.2026, 18:46 Uhr

    Es ist einfach schade, wie viele Kommentare geduldet werden, obwohl ein menschenverachtender diskriminierender Hinzergrund klar erkennbar ist. Bestimmte häufig verwendeten Vokabeln sind doch eindeutig genug vorhanden.

  • 11 Paul voss 07.04.2026, 18:27 Uhr

    Da wird bald viel bunte Vielfalt einziehen...gratis und von Steuergeld finanziert..

    Antworten (1)
    • Hugo 07.04.2026, 20:05 Uhr

      Jeder hatte die Chance, gratis und von Steuergeld finanziert eine bunte Mischung aus Bildung und Anstand bei sich selbst einziehen zu lassen

  • 10 DL 07.04.2026, 17:46 Uhr

    Also die Preise weiter erhöhen! Kann sich doch eh kein Rentner mehr leisten! Da stimmt was im System nicht!

  • 9 Antje 07.04.2026, 17:45 Uhr

    Viel Kraft und Geduld den Mitarbeitern. Wir sind selber gerade durch eine Insolvenz gegangen. Die Kommunikation lief zu Beginn auch sehr zäh, wurde aber durch den Verwalter transparenter. Vielen Führungskräften ist leider nicht klar, das für die Mitarbeiter ein harter Weg vor Ihnen liegt, und das wir als Angestellte manchmal Monate brauchen um aus der Situation wieder raus zu kommen. Sei es finanziell oder Psychisch es zert am Leben!!! Alle wollen ständig Auskünfte wann Geld fließt, Vermieter, Versicherung Versorger.... etc. Da muss man erstmal wieder raus aus diesem Teufelskreis! Haltet durch, .... LG aus dem Norden

  • 8 Unbekannt 07.04.2026, 17:39 Uhr

    Was passiert mit dem Haus in Hatten?

  • 7 Pierre 07.04.2026, 17:32 Uhr

    Uhhh mein alter Arbeitgeber Grüße aus Köln:)

  • 6 Sepp 07.04.2026, 17:17 Uhr

    Ich suche gerade ein Heim für meine betagten Eltern. Was soll ich denen sagen, erst die bescheidene Rente für die Kosten aufkommen lassen und dann noch das kleine Häuschen verkaufen, um den geldgierigen Betreibern solcher SeniorenHeime ein luxuriöses Leben auf den Malediven zu ermöglichen? Unfassbar traurig und skandalös! Völlig richtig, diese Heimes MÜSSEN staatlich betrieben werden, die "freie Wirtschaft" ist in diesem System völlig ungeeignet. Für Rüstung und Krieg werden Milliarden Staatsgelder aufgewendet und die armen alten Menschen müssen elendig zu Grunde gehen?

Weitere Beiträge aus der Wirtschaft

1 / 2