Service Garten : Kraftkörner aus der Natur – Essbare Wildsamen im August
Wenn die Sommermonate sich ihrem Höhepunkt nähern, kann man wertvolle Samen für die Küche ernten, die sonst oft unbeachtet am Wegesrand stehen. Vor allem die Samen der Brennnessel, des Spitzwegerichs und des Gänsefußes sind Ende August und im September reif.
Brennnesselsamen sind kleine Kraftpakete. Von Juli bis weit in den September hängen die grünlich bis braunen Samenstände schwer an den weiblichen Pflanzen herab. Sie lassen sich leicht abzupfen und trocknen. Ihr Geschmack ist mild-nussig, und ihr Nährstoffgehalt beeindruckend: Sie enthalten wertvolles Eiweiß, Mineralstoffe und reichlich Vitamin E. In der Volksheilkunde gelten sie als energiespendend, stärkend für Haare und Haut sowie als sanfter "Muntermacher". In der Küche passen sie gut in Müsli, Smoothies oder einfach als Topping über Salate – ob frisch, getrocknet oder besonders lecker, vorher in der Pfanne geröstet.
Auch der Spitzwegerich schenkt uns im Hochsommer seine Samen. Wer genau hinsieht, erkennt die länglichen, unscheinbaren Ähren, die sich nach der Blüte mit winzigen bräunlichen Samen füllen. Diese sind reich an Schleimstoffen, was ihnen eine wohltuende Wirkung auf Hals und Verdauung verleiht. Geschmacklich erinnern sie leicht an Flohsamen, die man aus dem Reformhaus kennt. Gesammelt werden die Ähren, indem man sie vorsichtig abstreift und die Samen anschließend trocknet. Im Müsli oder in Backwaren sorgen sie für einen feinen, leicht nussigen Akzent.
Der Weiße Gänsefuß (Chenopodium album), auch oft als "Melde" bekannt, setzt ebenfalls im August Samen an. Diese unscheinbare Pflanze bildet dichte, graugrüne Samenstände, deren Körnchen entfernt an winzige Quinoasamen erinnern – was kein Zufall ist, denn Quinoa gehört zur selben Familie. Die Gänsefußsamen sind reich an Eiweiß und Mineralstoffen, sollten aber wie Quinoa vor dem Verzehr gewaschen oder gekocht werden, um die leicht bitteren Saponine zu entfernen. In der Küche eignen sie sich als nahrhafte Beilage, in Suppen oder zu Bratlingen verarbeitet. Wer mit offenen Augen durch Wiesen, Wege und Gärten geht, kann kleine Schätze entdecken, die nicht nur Abwechslung in die Küche bringen, sondern auch die Verbindung zur uralten Tradition des Sammelns und Nutzens von Wildpflanzen lebendig machen.
Autor: Anja Koenzen
Redaktion: Iris Möller-Grätz
Service Garten ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort freitags zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.