Service Garten : Kräuter im Herbst auf Balkon und Terrasse
Vor dem ersten Frost sollten Kräuter wie Minze, Rosmarin und Estragon geerntet werden. Kälteempfindliche Kräuter können über Stecklinge im Haus überwintern – das macht Freude, ist nachhaltig und spart eine Menge Geld. Tipps von Gartenexpertin Anja Koenzen.
Kräutergarten auf Balkon und Terrasse im Herbst
Kräuter sind nicht nur ein Genuss in der Küche, sondern auch ein echter Hingucker auf Balkon und Terrasse. So haben Sie die schmackhaften und gesunden Pflanzen griffbereit und vor allem die tollen Düfte direkt vor der Nase.
Für die Ernte schneiden Sie bei Salbei, Basilikum, Thymian und Rosmarin nur die Triebspitzen ab. Bei Minze, Melisse und Estragon dagegen besser den ganzen Trieb bodennah abschneiden, denn sie treiben schön wieder aus dem Boden aus.
Kräutervorrat für den Winter anlegen
Im September wird es Zeit, die nicht winter- bzw. immergrünen Kräuter wie Estragon und Minze rechtzeitig vor den ersten Frösten zu ernten und zu trocknen – so erhält man noch lange in den Winter hinein die köstlichen Aromen. Das Trocknen erfolgt am besten an einem schattigen Platz mit möglichst wenig Luftfeuchtigkeit.
Kälteempfindliche Kräuter überwintern
Das klassische Basilikum ist eine einjährige Pflanze, das wunderbare afrikanische Strauchbasilikum dagegen mehrjährig, nur ist es nicht frostfest. Sparen Sie also Geld und überwintern kälteempfindliche Pflanzen wie Zitronenverbene oder das afrikanische Strauchbasilikum im Haus.
Bei wenig Platz auf der Fensterbank ist das Überwintern von kleinen Stecklingen eine gute Alternative. Im nächsten Frühjahr werden sich mit der richtigen Pflege die kleinen Pflanzen schnell zu üppigen Pflanzen entwickeln.
Kräuter vermehren über Stecklinge
Schneiden Sie hierfür die oberen Triebspitzen mit circa drei Blattpaaren dicht unterhalb von einem Blattknoten ab. Entfernen Sie das unterste Blattpaar, und kappen Sie über dem nächsten Blattpaar die Spitze.
Den Steckling in nährstoffarme Anzuchterde (oder ein Gemisch aus Torf beziehungsweise Kokosfaser und Quarzsand) setzen, befeuchten, mit einer Abdeckhaube vor dem Austrocknen schützen und hell aufstellen.
Tipp: Rosmarin besser einzeln halten
Rosmarin (Rosmarinus officinalis) besticht nicht nur durch seinen aromatischen Duft, sondern auch durch seine immergrünen, nadelartigen Blätter besticht. In der Gartengestaltung wird Rosmarin gerne in Kräuterbeeten, Steingärten oder als dekorativer Kübelpflanze eingesetzt.
Aber Achtung: Rosmarin ist nicht mit allen Pflanzen gut verträglich: Zitruspflanzen zum Beispiel gedeihen nicht gut direkt neben einem Rosmarin. Denn Rosmarin enthält eine Reihe von Inhaltsstoffen, die das Wachstum anderer Pflanzen hemmen können.
Dieses Phänomen wird als Allelopathie bezeichnet. Vor allem ätherische Öle wie 1,8-Cineol, Kampfer, Borneol und α-Pinen sowie Phenolverbindungen wie Rosmarinsäure spielen dabei eine Rolle. Diese Stoffe können über Wurzelausscheidungen, herabfallendes Laub oder durch Verdunstung in die Umgebung abgegeben werden und wirken dort hemmend auf die Keimung und das Wachstum anderer Pflanzen.
Besonders empfindlich reagieren junge Keimlinge oder Pflanzen mit zarter Struktur, wie zum Beispiel Basilikum. Daher kann Rosmarin in unmittelbarer Nähe durchaus die Entwicklung von Nachbarpflanzen beeinträchtigen. Gleichzeitig bietet er durch seine stark duftenden Öle aber auch Vorteile, da er Schädlinge fernhält.
In der gärtnerischen Praxis empfiehlt es sich, Rosmarin mit etwas Abstand zu empfindlichen Arten zu setzen, etwa in einer Kräuterspirale am oberen, trockenen Standort, wo er weniger Konkurrenz hat und seine allelopathische Wirkung sich nicht direkt auf benachbarte Pflanzen auswirkt.
Autor: Anja Koenzen
Redaktion: Iris Möller-Grätz
Service Garten ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort freitags zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.