Heckenpflanzen lassen sich gut vermehren, und zwar über Steckhölzer oder Stecklinge. Diese Methoden sind nicht nur kostengünstig, sondern auch erstaunlich zuverlässig.
Steckholzvermehrung
Bei der Vermehrung über Steckhölzer handelt es sich um eine klassische Methode, die vor allem im Herbst oder Winter angewendet wird. Dabei werden verholzte, einjährige Triebe geschnitten und direkt in die Erde gesteckt. Wichtig ist, dass die Triebe etwa bleistiftdick und 15 bis 25 Zentimeter lang sind. Die untere Schnittstelle sollte knapp unter einem Auge liegen, die obere etwas darüber. Anschließend kommen die Steckhölzer an einen geschützten Platz ins Beet oder in Töpfe mit lockerer, humusreicher Erde. Bis zum Frühjahr bilden sich Wurzeln, und die jungen Pflanzen treiben neu aus.
Besonders gut eignet sich diese Methode für robuste Laubgehölze. Die Klassiker sind Weiden und Liguster, die sehr zuverlässig bewurzeln und schnell wachsen. Auch Hainbuche, Rotbuche oder Forsythie lassen sich problemlos über Steckhölzer vermehren. Selbst bei Beerensträuchern wie Johannisbeere oder Holunder funktioniert diese Methode sehr gut.
Stecklingsvermehrung
Stecklinge hingegen werden meist im späten Frühjahr oder Sommer geschnitten. Hier verwendet man noch nicht vollständig verholzte, sogenannte halb- oder weichholzige Triebe. Diese sind etwa 10 bis 15 Zentimeter lang und werden unterhalb eines Blattknotens abgeschnitten. Die unteren Blätter entfernt man, die oberen kürzt man gegebenenfalls etwas ein, um die Verdunstung zu reduzieren. Anschließend steckt man die Triebe in Anzuchterde und sorgt für eine hohe Luftfeuchtigkeit, etwa durch eine Abdeckung mit einer transparenten Haube oder Folie.
Diese Methode eignet sich besonders gut für immergrüne Heckenpflanzen. So lassen sich etwa Kirschlorbeer, Thuja oder Eibe erfolgreich vermehren. Auch Ziersträucher wie Buchsbaum oder Hortensie bilden über Stecklinge zuverlässig Wurzeln.
Wichtig für den Erfolg ist neben dem richtigen Zeitpunkt vor allem ein sauberer, scharfer Schnitt sowie ein geeigneter Standort. Die Erde sollte locker, nährstoffarm und gut durchlässig sein. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden. Geduld gehört ebenfalls dazu: Während Liguster oft schon nach wenigen Monaten kräftig austreibt, können Eibe oder Buchs deutlich länger für die Wurzelbildung benötigen.
Efeu – Tipp für platzsparende Hecken
Efeu ist immergrün und stark wüchsig – wenn man mit ihm Maschendrahtzäune oder andere Rankhilfen begrünt, erzielt man einen heckenartigen Sichtschutz, der extrem wenig Platz in der Breite benötigt. Auch Efeu lässt sich leicht vermehren – er gehört sogar zu den unkompliziertesten Gehölzen in der Vermehrung. Dennoch gibt es ein paar Punkte, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Als erstes muss man zwischen Jugend- und Altersform unterscheiden: Efeu bildet im Alter blühfähige, aufrecht wachsende Triebe mit anders geformten Blättern. Für Bodendecker- oder Kletterzwecke verwendet man ausschließlich Triebe aus der Jugendform, da nur diese zuverlässig ranken.
Wichtig ist zudem, nur gesunde, kräftige Triebe zu schneiden. Ideal sind halbverholzte Triebe aus dem aktuellen Jahr, die weder zu weich noch vollständig verholzt sind. Die beste Zeit liegt zwischen späten Frühjahr und Hochsommer, man kann aber bereits ab Ende Februar Stecklinge schneiden. Diese sollten etwa 15 Zentimeter lang sein und mindestens zwei bis drei Blattknoten besitzen. Geschnitten wird knapp unter einem Knoten, da sich dort bevorzugt Wurzeln bilden. Die unteren Blätter entfernt man sorgfältig, damit sie später nicht im Substrat faulen. Seitentriebe ebenfalls entfernen.
Efeu bewurzelt zwar auch in Wasser, besser ist es, die Stecklinge direkt in Erde zu setzen. So erspart man ihnen den "Umpflanzschock" vom Wasser in die Erde. Die Anzuchterde sollte gleichmäßig feucht, aber nie nass sein – Staunässe führt schnell zu Fäulnis. Eine hohe Luftfeuchtigkeit unterstützt die Wurzelbildung, etwa durch eine transparente Abdeckung oder ein Mini-Gewächshaus. Helle, aber nicht sonnige Standorte sind ideal; direkte Sonne stresst die jungen Stecklinge unnötig.
Als robuste Sorten gelten:
- Hedera helix 'Woerner': sehr winterhart, wüchsig und gut geeignet für Fassaden oder große Flächen
- Hedera helix 'Goldchild': gelb panaschierte, robuste Sorte mit guter Frosttoleranz
- Hedera helix 'Glacier': kleinblättrig, dekorativ silbrig gerandet und widerstandsfähig
- Hedera hibernica: besonders starkwachsend und sehr robust, ideal für große Flächen oder als Sichtschutz
Grünlaubige Sorten sind meist widerstandsfähiger und wüchsiger als stark panaschierte Varianten. Letztere wachsen langsamer und reagieren empfindlicher auf Frost oder starke Sonneneinstrahlung.
Mit sauberem Schnittwerkzeug, gleichmäßiger Feuchtigkeit und etwas Geduld wurzeln Efeu-Stecklinge meist innerhalb weniger Wochen. Danach können sie schrittweise an normale Gartenbedingungen gewöhnt und später ausgepflanzt werden. Wer einmal begonnen hat, kann auf diese Weise mit minimalem Aufwand zahlreiche neue Pflanzen für Hecken, Mauern, Bodendeckungen oder zum Kaschieren von Regentonnen oder Ähnlichem gewinnen.
Autorin: Anja Koenzen
Redaktion: Iris Möller-Grätz
Service Garten ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort freitags zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.