Die eigene Aussaat lohnt sich immer dann, wenn man mehr sucht als nur das fertige Produkt. Wer erwartet, durch ein paar Balkonkästen sofort Geld zu sparen, wird wahrscheinlich enttäuscht. Saatgut, Erde, Töpfe, Dünger kosten Geld – und auch die Zeit ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Pflanzen brauchen Aufmerksamkeit, Pflege und Geduld.
Anders sieht es aus, wenn man den Wert nicht nur in Euro misst. Der Moment, in dem aus einem winzigen Samen eine Pflanze wächst, die man später tatsächlich essen kann, ist schwer zu ersetzen. Dieses Gefühl von Kontrolle und Verbindung zur eigenen Nahrung ist für viele ein zentraler Grund, überhaupt mit der Aussaat anzufangen. Besonders in einer digitalen Welt kann das Gärtnern eine sehr konkrete, fast entschleunigende Erfahrung sein.
Finanziell lohnt sich die Aussaat vor allem bei bestimmten Pflanzen. Spannende alte Gemüsesorten wie Erdbeerspinat oder exotische Kräuter wie das in Asien beliebte Perilla bzw. Shiso-Kraut findet man in der Gemüseabteilung so gut wie gar nicht. Anderes wie gestreifte Auberginen, gelbe Zucchini oder Zimtbasilikum kosten deutlich mehr als die Standardsorten.
Aussäen Schritt für Schritt
Saubere Gefäße werden mit der Aussaaterde gefüllt. Aussaat- bzw. Anzuchterde hat eine besonders feine Struktur, so dass die Pflänzchen sie leicht durchdringen können und besonders gut belüftet werden. Zudem fließt hier das Wasser leicht ab und sie besitzt einen geringeren Nährstoffgehalt als normale Blumenerde.
Wer keine spezielle Erde kaufen möchte, kann sich mit einem Gemisch von Blumenerde mit grobem Sand im Verhältnis 1:1 behelfen. Kompost und Perlite im Verhältnis 1:1 funktioniert auch prima. Wichtig ist, dass die Erde für eine erfolgreiche Aussaat weniger Nährstoffe enthält.
Auf die Erde wird der Samen ausgestreut. Die empfohlene Distanz liegt bei der drei- bis sechsfachen Korngröße. Bei ganz feinem Saatgut (z. B. Erdbeeren, Mohn oder Begonien) das Saatgut mit etwas feinem Sand (z. B. Vogelsand) in der Tüte vermischen, um es leichter gleichmäßig ausstreuen zu können.
Bei Lichtkeimern wie Basilikum die Samen leicht andrücken und mit lauwarmen Wasser besprühen. Die meisten Pflanzen sind allerdings Dunkelkeimer – hier die Samen mit Sand oder einer dünnen Erdschicht bedecken und die Erde leicht andrücken. Statt Erde verwenden Profis auch gerne eine ganz dünne Schicht Vermiculit. Das Material ist leicht und hat die Fähigkeit, Licht zu reflektieren und Feuchtigkeit zu speichern. Dies verhindert eine übermäßige Erwärmung der Setzlinge und sorgt für eine ausgeglichene Substratfeuchtigkeit.
Mit einer Brause befeuchtet man die Erde, dann deckt man eine Haube darüber, damit sich das Gewächshausklima entwickeln kann. Sammeln sich viele Wassertropfen an der Abdeckung, dann stellt man sie etwas auf, damit das überschüssige Wasser ablüften kann. Zu viel Feuchtigkeit kann nämlich vor allem Fäulnis fördern.
Nach dem Keimen die Haube abnehmen. Auf keinen Fall die Samen bzw. Keimlinge düngen! Sind die Keimlinge "aufgelaufen", das heißt so groß, dass man sie mit den Fingern fassen kann, werden sie pikiert – d. h. vereinzelt. Oft wartet man dafür so lange, bis sich nach den beiden Keimblättern das erste "richtige" Blatt zeigt. Für das Pikieren die Pflänzchen vorsichtig mit einem Holzstäbchen aus der Erde lösen und in die bereit stehenden Töpfe umsetzen. Hierbei darauf achten, dass die Wurzeln senkrecht in den neuen Topf gesetzt werden.
Nun kann auch leicht gedüngt werden. Tomaten, Paprika, Chili und Kohl sind Starkzehrer und brauchen rechtzeitig Nahrung.
Ab Mitte Mai nach den Eisheiligen dürfen auch die kälteempfindlichen Tomaten und Paprika auf den Balkon oder in den Garten.
Autorin: Anja Koenzen und Anja Friehoff
Redaktion: Iris Möller-Grätz
Service Garten ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort freitags zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.