Der Lido
Auf dem Lido, der elf Kilometer langen Badeinsel Venedigs, kann man auch während des Karnevals Ruhe finden und auch einige Unterkünfte, die eine preiswerte Alternative zum sehr teuren Stadtzentrum bilden. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Lido von Venedig zum mondänen Seebad. Von dieser Epoche zeugen heute noch einige elegante Straßenzüge mit Villenviertel und luxuriösen Hotels.
Das ist die richtige Atmosphäre für die Internationalen Filmfestspiele, die jedes Jahr im Spätsommer rund um das Hotel Excelsior stattfinden. Mit dem Vaporetto ist es nur eine Viertelstunde zum historischen Zentrum am Markusplatz. Das ist der öffentliche Wasserbus in Venedig und zugleich das wichtigste Transportmittel für alle.
Das jüdische Ghetto
Im Stadtteil Cannaregio liegt das alte Viertel, in dem früher die jüdische Bevölkerung leben musste, eines der ältesten Ghettos der Welt. Für die katholische Kirche waren Menschen jüdischen Glaubens lange die Sündenböcke für fast alles Unglück in der Welt. In Venedig wurden sie ab 1516 durch ein Dekret des Senats gezwungen, in einem kleinen Stadtgebiet zu wohnen, und das unter harten Bedingungen. Nachts durften die Bewohner des Ghettos zum Beispiel nicht raus. Sie waren im Ghetto eingesperrt; nur die Ärzte durften hinaus, um ihre Patienten zu besuchen und das auch nur in Begleitung von einem Christen. Zudem wurden die Tore von jeweils zwei Christen bewacht, wofür die jüdische Bevölkerung bezahlen musste. Diese Einschränkung der persönlichen Freiheit bot den Juden in den Mauern des Ghettos zwar einen gewissen Schutz gegen die blutige Verfolgung, die im 16. Jahrhundert in ganz Europa stattfand. Dies war aber weniger eine humanitäre Geste. Die Republik schützte die jüdische Bevölkerung, da man sie und das Geld brauchte, das man sich bei ihr leihen konnte.
Tamina Kallert (r) besucht mit Venedig-Kennerin Ute Mathews-Werk das ehemalige Ghetto von Venedig.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde es im Ghetto immer enger. Ursprünglich waren es 700 Bewohner, zeitweilig lebten hier jedoch 5.000 Menschen, und deshalb wurden die Häuser immer höher und höher gebaut. Manche sind bis zu sieben Stockwerke hoch, was in anderen Bereichen Venedigs nicht üblich ist.
Um 1800 wurde die Residenzpflicht aufgehoben, die Tore des Ghettos geöffnet, und die Juden erlangten in den Folgejahrzehnten in Italien die gleichen Bürgerrechte. Doch dann kamen die deutschen Faschisten und löschten die jüdische Kultur in Venedig fast gänzlich aus. Im September 1943 hatte Nazi-Deutschland Venedig besetzt. Es begann die Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Vernichtungslager. Nur wenige überlebten. Daran erinnert heute ein Denkmal. Heute gibt es im früheren Ghetto wieder eine kleine jüdische Gemeinde von rund 500 Menschen. Deswegen findet man hier auch jüdische Buchhandlungen und Läden, die koschere Speisen anbieten.
Manche Häuser im jüdischen Viertel wurden bis zu sieben Stockwerke hoch gebaut, um Raum für die vielen Bewohner zu schaffen.
Kunststadt Venedig
"Dorso duro" heißt übersetzt der "harte Rücken". Denn der sogenannte Stadtteil steht größtenteils auf festem Grund und nicht auf Pfählen. Dorsoduro ist vor allem bekannt für seine Museen und Kunstgalerien. Weltberühmt ist auch das farbige Glas, das auf der Insel Murano produziert wird. Den Glasmachern drohte jahrhundertelang die Todesstrafe, wenn sie verrieten, wie die Herstellung funktioniert.
Das farbige Glas von der Insel Murano wurde unter dem Namen weltberühmt.
Peggy-Guggenheim-Museum
Direkt am Canal Grande befindet sich der Palazzo Venier de Leoni. Er ist nur ein Stockwerk hoch und gehörte einer unglaublichen Amerikanerin. Peggy Guggenheim aus der berühmten jüdischen New Yorker Familie kaufte ihn, um dort ihre Kunstsammlung zu zeigen. Ab 1949 lebte sie auch darin. Schon im Garten dieses großartigen Museums kann man berühmte Kunst des 20. Jahrhunderts sehen von Künstlern, die auch in anderen Museen der Welt prominent ausgestellt werden. Ihre Liebe zur Kunst hat Peggy Guggenheim wohl von ihrem Onkel Solomon Guggenheim geerbt, der als Kunstmäzen die gleichnamige Kunststiftung in New York gegründet hat. Die Guggenheims waren schwerreiche Industrielle und zugleich leidenschaftliche Kunstliebhaber.
In dem venezianischen Palazzo lebte Peggy Guggenheim und richtete ihre Sammlung ein.
Als Peggy Guggenheim den venezianischen Palazzo kaufte, hatte sie schon in Paris, London und New York eine bedeutende Sammlung moderner Kunst aufgebaut. In Venedig wurde sie als Sachverständige sehr geschätzt. Auch ihre unkonventionelle und sehr persönliche Art kam in Italien gut an. Man gab ihr den ehrenvollen Namen "die letzte Dogaressa", also "Frau des Dogen", was ihre Wichtigkeit für die Stadt Venedig unterstreicht. Nach ihrem Tod 1979 wurde sie im Garten des Palazzo Venier beigesetzt, gleich neben ihren zahlreichen Hunden. Ihr Besitz und ihre großartigen Kunstwerke gingen an die New Yorker Guggenheim Foundation, die ihr Onkel gegründet hatte; sie sind aber in Venedig geblieben.
Zu sehen sind heute unter anderem Gemälde von Jackson Pollock, Pablo Picasso, Piet Mondrian und Salvador Dalí. Neben der Dauersammlung zeigt das Museum wechselnde Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen moderner Kunst.
Tamina Kallert im Garten der Peggy Guggenheim Collection
Lesetipps zu Venedig
Gianni Montieri, Anna Toscano
111 Orte in Venedig, die man gesehen haben muss
Emons Verlag, 2023
ISBN 978-3740819866
Preis: 18,00 Euro
Ulrike Zanatta
Zu Fuß durch Venedig. 12 Spaziergänge
Droste Verlag, 2025
ISBN 978-3770026029
Preis: 16,00 Euro
Sven Talaron, Sabine Becht
Venedig
Michael Müller Verlag, 2. Aufl. 2023
ISBN 978-3966852586
Preis: 19,90 Euro
Peter Koch
Karneval in Venedig: Geschichte, Traditionen und Kostüme
27amigos, 2024
ISBN 978-3750565616
Preis: 17,99 Euro