Die Stadt Venedig
Stand:
Die Lagunenstadt liegt im Nordosten Italiens. Die Altstadt von Venedig selbst steht auf mehr als 100 Inseln. Dazu kommen weitere 60 drumherum. Seit der ersten Besiedlung in der Spätantike griffen die Menschen hier in die Natur ein, um ihren Lebensraum zu sichern, aber auch, um den Wasserstand zu kontrollieren. Denn das Wasser bot immer auch Schutz vor Angreifern.
Über die Jahrhunderte wurden immer wieder Inseln trockengelegt und Flüsse umgeleitet. Doch die Beherrschung des Wassers ist eine schwierige Angelegenheit. Bis heute.
Wie gelang es, so große Gebäude ins Wasser zu stellen? Der Untergrund der Lagune ist weich und schlammig. Die venezianische Methode ist immer noch beeindruckend. Millionen Holzpfähle wurden tief in den Boden gerammt, um ihn zu verdichten. Auf die Pfahlfelder legte man Holzbalken und Steinplatten. Und darauf wurden dann die Mauern und Gebäude errichtet. Das hält tatsächlich seit über 1.000 Jahren!
175 Kanäle gibt es in Venedig. Fast der gesamte Transport in der Stadt wird immer noch über das Wasser abgewickelt, inklusive Polizeieinsätze und Krankentransport. Auch Besucher bewegen sich auf Booten in der Stadt. Mit den unterschiedlichen Wasserbuslinien, den Vaporetti, erreicht man sehr viele Orte in der Lagune, auch die zahlreichen Inseln wie Murano und Burano. Das Vaporetto vom Lido aus hält auch am Markusplatz und fährt danach weiter auf dem Canal Grande.
Tipp: Das Viertel um die Rialtobrücke hat sich im Mittelalter zum Zentrum für Handel und Finanzen entwickelt. In der Nähe befindet sich auch seit 800 Jahren der berühmte Fischmarkt von Venedig.
Das Viertel um die Rialtobrücke hat sich im Mittelalter zum Zentrum für Handel und Finanzen entwickelt.
Hochwasser und Flutsperrwerk MO.S.E
Mindestens einmal im Jahr ist man in Venedig gewohnt, vom "Aqua alta", dem Hochwasser, überwältigt zu werden – das kennen die Venezianer. Aufzeichnungen aus dem Mittelalter belegen, es gab auch damals immer schon Hochwässer. Das schlimmste Aqua alta in unseren Tagen passierte 2019. Denn es kamen starker Wind und Dauerregen dazu. Das Wasser stieg in jenem Jahr so hoch, wie schon seit 50 Jahren nicht mehr.
Woher kommen die Flutwellen? Die Lagune von Venedig hat drei Zuflüsse, durch die das Wasser der Adria einfließt. Dieser Wasseraustausch ist dringend notwendig, aber auch gefährlich für die Inseln, wenn der Meeresspiegel zu stark ansteigt. Deswegen gibt es heute flexible Wassersperren, die man öffnen und schließen kann: das Modulo Sperimentale Elettromeccanico, kurz "MO.S.E" genannt. Es besteht aus beweglichen Barrieren, die bei normalen Wasserständen am Meeresgrund verborgen liegen. Wenn der Pegel zu hoch ist, wird Luft in die Kästen gepresst, wodurch sie sich aufrichten.
Das Problem: In Venedig gibt es keine perfekte Abwasserentsorgung. Werden die Tore von MO.S.E über längere Zeit geschlossen, fehlt der Lagune der gesunde Wasseraustausch.
Aqua alta in Venedig, der Markusplatz ist überflutet bei Hochwasser
Lesetipps zu Venedig
Gianni Montieri, Anna Toscano
111 Orte in Venedig, die man gesehen haben muss
Emons Verlag, 2023
ISBN 978-3740819866
Preis: 18,00 Euro
Ulrike Zanatta
Zu Fuß durch Venedig. 12 Spaziergänge
Droste Verlag, 2025
ISBN 978-3770026029
Preis: 16,00 Euro
Sven Talaron, Sabine Becht
Venedig
Michael Müller Verlag, 2. Aufl. 2023
ISBN 978-3966852586
Preis: 19,90 Euro
Peter Koch
Karneval in Venedig: Geschichte, Traditionen und Kostüme
27amigos, 2024
ISBN 978-3750565616
Preis: 17,99 Euro