Anni-Frid Lyngstad: Vom Waisenkind zur Prinzessin

Von Philip Stegers

Der Weg zum Weltstar war kein Spaziergang für Anni-Frid Lyngstad, besser bekannt als Frida. Immer wieder musste die ABBA-Sängerin in ihrem Leben mit Widrigkeiten und Schicksalsschlägen fertig werden. Am 15.11.2025 wird sie 80 Jahre alt.

Anni-Frid Lyngstad 1982

Die Trennung von Frida und Benny läutet auch das Ende von ABBA ein. Sie veröffentlicht zeitnah zwei erfolgreiche Soloalben, "Something's Going On" (1982) und "Shine" (1984). Danach zieht sie sich zunehmend ins Privatleben zurück.

Anni-Frid Lyngstad kommt 1945 in Norwegen zur Welt. Ihre 19-jährige Mutter Synni hat zuvor eine Affäre mit einem deutschen Wehrmachtssoldaten, der laut Auskunft der Behörden bei der Rückkehr nach Deutschland ums Leben kommt. Zwei Jahre später stirbt Fridas Mutter an Nierenversagen. Frida wächst bei ihrer Großmutter auf, die mit ihr nach Schweden übersiedelt.

Fridas Großmutter arbeitet als Näherin, um ihrer Enkelin eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Einziger Luxus ist ein altes Grammophon und ein paar Jazzplatten, die Frida alle mitsingen kann. Mit 13 singt sie in der lokalen Swingband und schummelt bei der Altersangabe, um jede Woche in einem Restaurant auftreten zu können.

Mit 17 Jahren heiratet sie Ragnar Fredericksson, den Bassisten der Bengt Sandlund Jazz Big Band, in der Frida inzwischen singt. Sie bekommen zwei Kinder, Hans und Lisa-Lotte. Bald stellt Frida schmerzhaft fest, dass ein Leben als Hausfrau und Mutter und ihre Ambitionen als Sängerin nicht zusammenpassen. Die Ehe scheitert, die Kinder wachsen beim Vater auf.

Nach ihrem ersten Fernsehauftritt erhält Frida sofort einen Plattenvertrag, ihr gelingen ein paar kleinere Hits. Ab 1969 arbeitet sie mit dem schwedischen Showveteranen Charlie Norman zusammen, der sie fördert und zeitweise eine Art Vaterfigur wird.

Nach einem Auftritt in einem Nachtclub lernt Frida Benny Andersson kennen, den Keyboarder der "Hep Stars". Es dauert nicht lange und die beiden verlieben sich ineinander. Musik machen sie natürlich auch zusammen. Benny produziert ihr erstes Album "Frida". 1978 heiraten die beiden.

Mit ABBA wird Frida zum Weltstar. Sie kann den Ruhm von den Vieren am meisten genießen. Agnetha hat mit den Schattenseiten des Rummels zu kämpfen und leidet an Lampenfieber und Flugangst. Benny und Björn verbringen ihre Zeit viel lieber im Studio, als auf Tour zu gehen oder Pressetermine zu absolvieren.

Auf vielen ABBA-Songs teilen sich Frida und Agnetha den Gesang. Frida singt die Leadvocals auf Songs wie "Fernando", "I have a dream", "Money, Money, Money" oder "Super Trouper".

Sein Name ist Alfred Haase, er wusste von nichts: 1977 erlebt Frida eine Überraschung. Die BRAVO findet heraus, dass ihr Vater nicht im Krieg ums Leben gekommen ist, sondern quicklebendig in Karlsruhe wohnt. Bei einem Treffen lernt sie ihn persönlich kennen, eine tiefergehende Beziehung erwächst daraus jedoch nicht. Das Verhältnis zu ihrem Vater bleibt distanziert.

Die Trennung von Frida und Benny läutet auch das Ende von ABBA ein. Sie veröffentlicht zeitnah zwei erfolgreiche Soloalben, "Something's Going On" (1982) und "Shine" (1984). Danach zieht sie sich zunehmend ins Privatleben zurück.

Frida mit ihrem Enkelsohn Jonathan: Ende der 90er Jahre muss Frida zwei schwere Schicksalsschläge verkraften. 1998 verunglückt ihre Tochter Lisa-Lotte bei einem Autounfall, ein Jahr später stirbt Fridas dritter Ehemann Heinrich Ruzzo Prinz Reuß von Plauen an Krebs.

Frida war mit dem 2012 verstorbenen Deep Purple-Keyboarder Jon Lord gut befreundet. Kennengelernt haben sich die beiden beim Skifahren in Zermatt. 2004 nahm sie mit ihm den Song "The Sun Will Shine Again" auf.

Seit 2007 ist Frida mit dem adeligen Millionenerben Henry Smith liiert. Frida ist seit ihrer Hochzeit mit ihrem verstorbenen dritten Ehemann selbst in den Adelsstand aufgestiegen. Mit vollem Namen heißt sie Anni-Frid Lyngstad Prinzessin Reuss von Plauen.

In den 2010ern Jahren ist Prinzessin Anni-Frid gelegentlich in Werken anderer Künstler zu hören, z. B. mit einer jazzigen Cover-Version von "Morning Has Broken" in Georg Wadenius' Album "Reconnection". 2015 veröffentlicht Frida, die damals im schweizerischen Zermatt wohnt, die Matterhorn-Hymne "1865" gemeinsam mit Dan Daniell.

Inzwischen genießt die Sängerin ihren verdienten Ruhestand – und lässt stattdessen die "Abbatare" für sich arbeiten: Seit 2023 läuft in London die erfolgreiche Hologramm-Show "ABBA Voyage". Und auch sonst sind die Hits von ABBA weiter allgegenwärtig.

Stand: 15.11.2025, 00:00 Uhr