ABBA: Pop in Perfektion

Von Ingo Neumayer

Pop und Disco, Liebe und Drama, Glitzer und Fönfrisur: ABBA waren in den 70ern Stilikonen. Ihre Hochglanz-Pop-Songs sind bis heute Evergreens. 49 Jahre ist die Veröffentlichung eines ihrer erfolgreichsten Alben nun schon her – "Arrival".

ABBA in der Fernsehshow "Am laufenden Band" 1978

Agnetha, Björn, Benny, Anni-Frid – wer mit diesen vier Namen und der daraus abgeleiteten Abkürzung ABBA nichts anfangen kann, hat die letzten Jahrzehnte wahrscheinlich unter einem Stein verbracht, der sich mitten in einem Geröllfeld auf der Rückseite des Mars befindet. Alle anderen wissen natürlich Bescheid über eine der größten Popbands aller Zeiten und diskutieren höchstens darüber, was denn spektakulärer war: die Kompositionen oder die Kostüme.

Popgruppe ABBA 1974 beim Grand Prix-Vorentscheid

Das erste internationale Ausrufezeichen setzt die schwedische Band 1974 beim Grand Prix de la Chanson. Schon den schwedischen Vorentscheid entscheidet sie mit "Waterloo" für sich. Der Song ist natürlich ein Hit, aber auch die Inszenierung der Band erregt Aufsehen: Das Klavier blau, die Schuhe mit Plateau, die Klamotten bunt und glitzernd.

Popgruppe ABBA 1974 beim Grand Prix

Wenig später entscheidet ABBA in Brighton mit großem Abstand den Grand Prix für sich. "Waterloo" verkauft sich über fünf Millionen Mal und erreicht sogar in den USA die Top Ten der Charts.

Popgruppe ABBA 1982

Die Aufteilung innerhalb der Band ist von Anfang an klar: Benny und Björn schreiben die Songs, Agnetha und Anni-Frid singen sie ein und sorgen auch für eine optisch außergewöhnliche Umsetzung.

Die Mitglieder der schwedischen Popgruppe ABBA bei einem Auftritt in den 70ern

Dass Björn und Agnetha verheiratet und auch Benny und Anni-Frid seit Jahren ein Paar sind, ärgert zwar das ein oder andere Groupie, doch das allgemeine Interesse an der Band wird dadurch natürlich noch verstärkt: Ist dieser Text auf sie gemünzt? Wie ist sein Blick zu deuten? Warum kommt sie nicht näher? Und würde sie nicht viel besser zu ihm ...?

Die Mitglieder der Band ABBA posieren in einem goldenen Bilderrahmen (Aufnahme aus den 70er Jahren)

Was heute kaum mehr bekannt ist: Die Karriere von ABBA in den 1970ern läuft keineswegs immer glatt. Nach dem Erfolg von "Waterloo" gibt es erst einmal eine kleine Durststrecke zu bewältigen. Einzig in Schweden und Australien sind Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid zu dieser Zeit richtig angesagt. Im Rest der Welt sinkt ihr Stern schnell wieder, sie spielen in halbleeren Hallen, manchen gelten sie als harmloses One-Hit-Wonder.

Popgruppe ABBA bei Plattenaufnahmen 1978

Das ändert sich aber 1976: Am 11. Oktober erscheint "Arrival", das das erfolgreichste Studioalbum von ABBA wird. Schon die Liste der Singles, die aus "Arrival" ausgekoppelt werden, ist beeindruckend: "Dancing Queen", "Money Money Money", "Knowing Me, Knowing You" – allein beim Lesen der Songtitel wird das Ohrwurm-Zentrum im Hirn nachhaltig aktiviert.

Popgruppe ABBA 1977

"Arrival" verkauft sich millionenfach – Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid werden mit dem Album endgültig zu Weltstars.

Popgruppe Abba 1976

Bye-Bye Glitzer: Ab Ende der 70er wird der Look der Band etwas gemäßigter ...

Popgruppe ABBA 1982

... um nicht zu sagen: spießiger. Doch wer Hits wie "Take A Chance On Me", "Gimme! Gimme! Gimme!", "Super Trouper" oder "The Winner Takes It All" veröffentlicht, hat alle Argumente auf seiner Seite.

Popgruppe ABBA bei Plattenaufnahmen 1981

So gelöst und harmonisch wie auf diesem Bild geht es bei ABBA in der Spätphase der Karriere eher selten zu. 1978 trennen sich Björn und Agnetha, 1981 Benny und Anni-Frid. Doch die Karriere von ABBA soll nicht unter dem privaten Ärger leiden. Die Band entschließt sich zu einem professionellen Umgang miteinander und macht weiter.

Auftritt der Band ABBA am 9. Januar 1979 in New York

Ob es am fehlenden emotionalen Funken zwischen den Bandmitgliedern liegt? Oder an den etwas düstereren und anspruchsvolleren Kompositionen? Fakt ist: ABBAs perfektionistischer Hochglanz-Pop ist in den 80ern nicht mehr so gefragt. Das Album "The Visitors", das Ende 1981 erscheint, wird ein ziemlicher Flop. Aufnahmen zu einem neuen Album im Sommer 1982 scheitern – wenig später gibt die Band bekannt, dass sich die Mitglieder eine "Pause" gönnen. De facto bedeutet das die Auflösung von ABBA.

Blick in das ABBA-Museum in Stockholm

Dem Erfolg schadet die Trennung aber nicht. Im Gegenteil: Nach der Auflösung sind die Umsätze höher als zu den aktiven Zeiten der Band. Die Songs werden zu Dauerbrennern in Radio, Film und TV. Mit "Mamma Mia!" gibt es ein höchst erfolgreiches ABBA-Musical, das später auch verfilmt wird. Und in Stockholm eröffnet 2013 das ABBA-Museum.

Popgruppe ABBA 2016

Und was ist mit dem von den Fans heiß ersehnten Comeback? Erstmal nichts. Im Jahr 2000 lehnt die Band das Angebot für eine Welttournee ab – obwohl ihr angeblich eine Milliarde Dollar geboten wird. Immerhin: 2016 stehen die vier Mitglieder zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder gemeinsam auf einer öffentlichen Bühne. Gesungen wird dabei aber nicht. Sie wissen offenbar sehr gut, wie man einen Mythos am Leben hält.

Das Foto zeigt Björn Ulvaeus, Agnetha Fältskog, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad, Mitglieder der schwedischen Popgruppe ABBA, bei Veröffentlichung ihres neuen Albums 2021

Und dann die große Überraschung: Im September 2021 werden neue Songs bei YouTube hochgeladen, auch Shows der Band angekündigt. Allerdings sind dabei nicht Agnetha, Benny, Björn und Anni-Frid live zu sehen. Ihren Platz nehmen digitale Abbilder, sogenannte "Abbatare" ein, die als Hologramm-Show auf der Bühne stehen.

Das neue ABBA-Album "Voyage" gibt es 2021 nach der Veröffentlichung auch als Kassette zu kaufen

Nach fast 40 Jahren Pause erscheint am 5. November 2021 ein neues ABBA-Album: "Voyage" stürmt direkt die Charts und auch die Hologramm-Shows laufen gut an. ABBA bleibt einfach eine Band der Superlative. Wir sagen nur: Thank You For The Music.

Agnetha, Björn, Benny, Anni-Frid – wer mit diesen vier Namen und der daraus abgeleiteten Abkürzung ABBA nichts anfangen kann, hat die letzten Jahrzehnte wahrscheinlich unter einem Stein verbracht, der sich mitten in einem Geröllfeld auf der Rückseite des Mars befindet. Alle anderen wissen natürlich Bescheid über eine der größten Popbands aller Zeiten und diskutieren höchstens darüber, was denn spektakulärer war: die Kompositionen oder die Kostüme.

Das erste internationale Ausrufezeichen setzt die schwedische Band 1974 beim Grand Prix de la Chanson. Schon den schwedischen Vorentscheid entscheidet sie mit "Waterloo" für sich. Der Song ist natürlich ein Hit, aber auch die Inszenierung der Band erregt Aufsehen: Das Klavier blau, die Schuhe mit Plateau, die Klamotten bunt und glitzernd.

Wenig später entscheidet ABBA in Brighton mit großem Abstand den Grand Prix für sich. "Waterloo" verkauft sich über fünf Millionen Mal und erreicht sogar in den USA die Top Ten der Charts.

Die Aufteilung innerhalb der Band ist von Anfang an klar: Benny und Björn schreiben die Songs, Agnetha und Anni-Frid singen sie ein und sorgen auch für eine optisch außergewöhnliche Umsetzung.

Dass Björn und Agnetha verheiratet und auch Benny und Anni-Frid seit Jahren ein Paar sind, ärgert zwar das ein oder andere Groupie, doch das allgemeine Interesse an der Band wird dadurch natürlich noch verstärkt: Ist dieser Text auf sie gemünzt? Wie ist sein Blick zu deuten? Warum kommt sie nicht näher? Und würde sie nicht viel besser zu ihm ...?

Was heute kaum mehr bekannt ist: Die Karriere von ABBA in den 1970ern läuft keineswegs immer glatt. Nach dem Erfolg von "Waterloo" gibt es erst einmal eine kleine Durststrecke zu bewältigen. Einzig in Schweden und Australien sind Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid zu dieser Zeit richtig angesagt. Im Rest der Welt sinkt ihr Stern schnell wieder, sie spielen in halbleeren Hallen, manchen gelten sie als harmloses One-Hit-Wonder.

Das ändert sich aber 1976: Am 11. Oktober erscheint "Arrival", das das erfolgreichste Studioalbum von ABBA wird. Schon die Liste der Singles, die aus "Arrival" ausgekoppelt werden, ist beeindruckend: "Dancing Queen", "Money Money Money", "Knowing Me, Knowing You" – allein beim Lesen der Songtitel wird das Ohrwurm-Zentrum im Hirn nachhaltig aktiviert.

"Arrival" verkauft sich millionenfach – Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid werden mit dem Album endgültig zu Weltstars.

Bye-Bye Glitzer: Ab Ende der 70er wird der Look der Band etwas gemäßigter ...

... um nicht zu sagen: spießiger. Doch wer Hits wie "Take A Chance On Me", "Gimme! Gimme! Gimme!", "Super Trouper" oder "The Winner Takes It All" veröffentlicht, hat alle Argumente auf seiner Seite.

So gelöst und harmonisch wie auf diesem Bild geht es bei ABBA in der Spätphase der Karriere eher selten zu. 1978 trennen sich Björn und Agnetha, 1981 Benny und Anni-Frid. Doch die Karriere von ABBA soll nicht unter dem privaten Ärger leiden. Die Band entschließt sich zu einem professionellen Umgang miteinander und macht weiter.

Ob es am fehlenden emotionalen Funken zwischen den Bandmitgliedern liegt? Oder an den etwas düstereren und anspruchsvolleren Kompositionen? Fakt ist: ABBAs perfektionistischer Hochglanz-Pop ist in den 80ern nicht mehr so gefragt. Das Album "The Visitors", das Ende 1981 erscheint, wird ein ziemlicher Flop. Aufnahmen zu einem neuen Album im Sommer 1982 scheitern – wenig später gibt die Band bekannt, dass sich die Mitglieder eine "Pause" gönnen. De facto bedeutet das die Auflösung von ABBA.

Dem Erfolg schadet die Trennung aber nicht. Im Gegenteil: Nach der Auflösung sind die Umsätze höher als zu den aktiven Zeiten der Band. Die Songs werden zu Dauerbrennern in Radio, Film und TV. Mit "Mamma Mia!" gibt es ein höchst erfolgreiches ABBA-Musical, das später auch verfilmt wird. Und in Stockholm eröffnet 2013 das ABBA-Museum.

Und was ist mit dem von den Fans heiß ersehnten Comeback? Erstmal nichts. Im Jahr 2000 lehnt die Band das Angebot für eine Welttournee ab – obwohl ihr angeblich eine Milliarde Dollar geboten wird. Immerhin: 2016 stehen die vier Mitglieder zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder gemeinsam auf einer öffentlichen Bühne. Gesungen wird dabei aber nicht. Sie wissen offenbar sehr gut, wie man einen Mythos am Leben hält.

Und dann die große Überraschung: Im September 2021 werden neue Songs bei YouTube hochgeladen, auch Shows der Band angekündigt. Allerdings sind dabei nicht Agnetha, Benny, Björn und Anni-Frid live zu sehen. Ihren Platz nehmen digitale Abbilder, sogenannte "Abbatare" ein, die als Hologramm-Show auf der Bühne stehen.

Nach fast 40 Jahren Pause erscheint am 5. November 2021 ein neues ABBA-Album: "Voyage" stürmt direkt die Charts und auch die Hologramm-Shows laufen gut an. ABBA bleibt einfach eine Band der Superlative. Wir sagen nur: Thank You For The Music.

Stand: 07.10.2025, 10:45 Uhr