Städte stimmen über Olympia-Standorte ab | WDR aktuell

02:35 Min. Verfügbar bis 10.03.2028

Olympia in NRW: Was dafür spricht und was dagegen

Stand:

Welche Auswirkungen hätte Olympia an Rhein und Ruhr für uns? Und wie stehen die Chancen, dass es in absehbarer Zeit Olympische Spiele in NRW geben wird? Die Antwort auf diese Frage hängt von vielen Faktoren ab.

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Ein wichtiger Faktor für Olympia in NRW ist die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger. Bis zum 19. April können die Wahlberechtigten der 17 NRW-Kommunen, in denen sportliche Wettbewerbe stattfinden sollen, darüber abstimmen, ob sie generell für oder gegen die Spiele sind. Offiziell firmieren diese unter der Ortsmarke "Köln-Rhein-Ruhr", beteiligt sind nach derzeitigem Stand Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen, Wuppertal sowie Köln als "Leading City".

Aber welche Vorteile hätten Olympische Spiele vor unserer Haustür? Und welche Nachteile würde ein solches sportliches Mega-Ereignis mit sich bringen, das 2036, 2040 oder 2044 stattfinden könnte?

DAS SPRICHT FÜR OLYMPIA IN NRW

Einige Argumente für Olympische Spiele in NRW könnten sein:

Infrastruktur in der Region wird verbessert

Olympische und Paralympische Spiele können nachhaltige Entwicklungen in Gang setzen, von denen die Bevölkerung auch dann profitiert, wenn die Sportler längst wieder fort sind. Es fließen Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr und in die Digitalisierung. Der Deutsche Behindertensportverband sieht ebenfalls positive Auswirkungen: "Investititionen in barrierearme Mobilität, moderne Sportstätten und Assistenztechnologien sowie eine zugängliche öffentliche Infrastruktur bleiben als dauerhaftes Vermächtnis bestehen", hieß es in einer Mitteilung. Auch werden viele Sportstätten und Trainingsgelände auf Vordermann gebracht, wovon später auch der Breitensport profitieren kann.

Dazu versprechen sich die Ausrichter einen städtebaulichen Effekt: Das Olympische Dorf und das temporäre Leichtathletikstadion, das im Kölner Norden entstehen soll, sollen nach dem Ende der Spiele die Basis für einen neuen Stadtteil bilden. Das Stadion soll zu einem grünen Park umfunktioniert werden, in den Tribünen sollen Büros, Geschäfte und Kitas aufmachen. Auch die Apartements des olympischen Dorfs mit ca. 16.000 Betten sollen nach den Spielen von den Bürgern genutzt werden, hier soll sozialer Wohnraum geschaffen werden.

Bessere Stimmung und Zusammenhalt im Land

WM 2006: Als "Schland" geboren wurde | Bildquelle: Marcel Mettelsiefen/ dpa

Wer sich an das "Sommermärchen 2006" erinnern kann, als bei der Fußball-WM "die Welt zu Gast bei Freunden" war, weiß: Ein solches Ereignis kann durchaus helfen, die Stimmung in einem Land zu verbessern. Angesichts der aktuellen politischen und sozialen Probleme wäre eine positive Geschichte, die möglichst viele Menschen teilhaben lässt, bestimmt nicht zu verachten. Erreichen wollen das die Olympiamacher mit einer Rekordkulisse: 14 Millionen Menschen sollen die Olympischen und Paralympischen Spiele besuchen können - das wären mehr als in Los Angeles 2028.

Zugute kommen sollen NRW dabei die schon vorhandenen Stadien und Sportstätten: Die Schwimmwettbewerbe sollen vor 60.000 Zuschauern in der Arena auf Schalke stattfinden, das Handballfinale könnte im Düsseldorfer Stadion vor 50.000 Menschen ausgetragen werden. Die bereits existierenden Stadien und die Erfahrung, die man in NRW mit großen Sportveranstaltungen hat, sollen es laut Christoph Niessen "ermöglichen, die Spiele viel breiter zugänglich zu machen". Das sagte der Chef des Landessportbundes der "Aachener Zeitung". Man habe den Anspruch, sehr preisgünstige Tickets anzubieten, damit möglichst vielen Menschen die Spiele besuchen können.

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Zeichen für Demokratie setzen

Olympische Spiele in Sotschi und Peking, Fußball-WMs in Russland, Katar und bald in Saudi-Arabien: Viele Menschen haben ein Problem damit, sich unbeschwert auf sportliche Großereignisse einzulassen, wenn im Austragungsland Demokratie und Menschenrechte im Argen liegen. Aber autoritäre Regime betreiben eben gerne "Sportswashing", um ihr Image zu verbessern und von ihren problematischen Strukturen abzulenken. Auch Katar will sich um die Spiele 2036 bewerben und könnte dann in direkter Konkurrenz zum Austragungsort "Köln-Rhein-Ruhr" stehen.

Es mag etwas hochgestochen klingen, aber in Zeiten, in denen autoritäre Regierungen und Systeme immer stärker werden, können Olympische Spiele, die in einer offenen und freien Gesellschaft stattfinden, auch über den Sport hinaus wirken. "Die Spiele können ein positives Zeichen für internationalen Zusammenhalt, Frieden und Inklusion setzen", heißt es in einer Stellungnahme des Landessportbundes. "Sie bieten die Chance, gesellschaftliche Themen wie Barrierefreiheit, Klimaschutz und Teilhabe sichtbar zu machen und zu fördern. Es gilt, die Chance zu nutzen und die Olympischen und Paralympischen Spiele in ein demokratisches Land wie Deutschland zu holen."

Sportstandort NRW profitiert

Team Deutschland bei Olympia: Mehr Medaillen sollen her | Bildquelle: EtienneGarnier/ WITTERS

Sind wir mal ehrlich: Mitmachen ist toll, aber Gewinnen ist toller. Das sieht nicht nur Bundeskanzler Friedrich Merz so, der unlängst die deutsche Bilanz der Olympischen Winterspiele als "gut, aber nicht gut genug" bezeichnete. Auch viele Sportzuschauer wunderten sich, dass Team Deutschland bei den vergangenen beiden Sommerspielen im Medaillenspiegel schlechter abschnitt als die Niederlande.

Das könnte sich mit "Köln-Rhein-Ruhr" ändern. Denn es zeigt sich immer wieder: Olympische Spiele im eigenen Land sind ein regelrechter Booster für Medaillen und Top-Leistungen. Zum einen hat man als Gastgeberland in jedem Olympischen Wettbewerb einen Startplatz bereits sicher. Und zum anderen tun sich im Vorfeld von Heimspielen diverse zusätzliche Fördertöpfe auf, es gibt verbesserte Trainingsmöglichkeiten und einen größeren Fokus auf die Sportlerinnen und Sportler. Bei Olympia werden Helden und Idole geboren, die wiederum den Sport-Nachwuchs animieren und motivieren können.

DAS SPRICHT GEGEN OLYMPIA IN NRW

Gegen die Olympischen Spiele in NRW könnte sprechen:

Spiele bringen unkalkulierbare Kosten

Wie viel Olympische Spiele letztendlich kosten, ist schwer abzuschätzen - auch im Nachhinein. Aber dass es teurer als geplant wird, war in der Vergangenheit meist die Regel.

Olympia in Paris kostete 2024 über 6 Milliarden Euro | Bildquelle: Michael Kappeler/ dpa

So wurden bei der Bewerbung für Paris 2024 öffentliche Kosten von 2,4 Milliarden Euro veranschlagt, nach den Spielen bezifferte der französische Rechnungshof die Kosten mit 6,6 Milliarden Euro - und da waren die 1,4 Milliarden Euro, die für die Reinigung der Seine ausgegeben wurden, um dort Schwimmwettbewerbe abzuhalten, noch nicht einmal komplett eingeschlossen. Natürlich haben Investitionen in Olympische Spiele auch positive Effekte, etwa für die Infrastruktur und den Tourismus. Das gegenzurechnen, ist jedoch derzeit seriös nicht machbar.

Laut Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) liegen die Durchführungskosten für die "Köln-Rhein-Ruhr"-Spiele bei 4,8 Milliarden Euro (Stand Februar 2026). Um diese zu decken, würden allerdings keine öffentlichen Mittel benötigt. Im Bewerbungskonzept heißt es dazu: "Die Kosten für die Durchführung der Spiele (...) werden vollständig über Einnahmen durch TV-Rechte, Werbung und IOC-Zuschüsse abgedeckt. Öffentliches Geld würde nur für Sicherheit und medizinische Versorgung eingesetzt." Ein ausgeglichenes Budget sei das "klare Ziel". Der Deutsche Olympische Sportbund rechnet mit einem Gewinn von rund 400 Millionen Euro.

Umweltaspekte

Kritik an der NRW-Olympiabewerbung kommt unter anderem vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). So sollen das Olympische Dorf sowie das Leichtathketikstadion im Kölner Norden auf einer bisher unbebauten Fläche entstehen. Allerdings werde dieses Areal bisher unter anderem landwirtschaftlich genutzt und fungiere als wichtige Kaltluftschneise für die Stadt. "Die dürfen wir nicht versiegeln für Olympia oder ein olympisches Dorf", sagt BUND-Vorstand Helmut Röscheisen dem WDR.

IOC: Fragwürdiger Verband hält Hand auf

Das IOC sehen viele kritisch | Bildquelle: imago images/GFC Collection

Wie genau die Kommunen und das Land NRW von Olympischen Spielen profitieren würden, ist derzeit ungewiss. Nur für einen der Beteiligten lohnt sich "Olympia Köln-Rhein-Ruhr" auf jeden Fall: für das Internationale Olympische Komitee (IOC). "Das IOC nimmt die größten Summen ein aus der medialen und werberechtlichen Vermarktung. Die gibt er zu 40 Prozent auch an den Ausrichter zurück. Den Rest verwendet er, um den Olympischen Gedanken zu fördern", sagt der Sportökonom Timo Zimmermann.

Ähnlich wie die FIFA hat auch das IOC seit Jahren einen schlechten Ruf: Kritiker bemängeln Korruption, Intransparenz und zu große Nähe zu autoritären Regimen. Hinzu kommt, dass die Ausrichter in den Verträgen oft Steuererleichterungen für das IOC und seine Partner zusagen müssen. "Das IOC zwingt den Ausrichtern Host-City-Contracts auf, die der Stadt die volle Haftung auferlegen und das IOC von sämtlichen Steuern und Zöllen befreien", bemängelte etwa die Leverkusener Linken-Fraktion vergangene Woche im Stadtrat laut "Rhein-Wupper-Zeitung".

Bei den Sportlerinnern und Sportlern bleibt von den Milliarden, die die Spiele dem IOC in die Kasse spülen, aber nur ein Bruchteil hängen, kritisieren Athletenverbände. Laut einem Bericht der Organisation "Global Athlete" wurden 2020 nur 0,5 Prozent der IOC-Einnahmen für Stipendien, Zuschüsse oder Preisgelder verwendet.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, AP
  • Olympiabewerbung Köln-Rhein-Ruhr
  • Landessportbund NRW
  • Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags
  • Rhein-Wupper-Zeitung vom 6.3.2026
  • Aachener Zeitung

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 10.03.2026, 12.45 Uhr

Kommentare zum Thema

  • Canasta-Furie 12.03.2026, 12:08 Uhr

    Abstimmungsverhältnis gilt schon bei 10% Wahlbeteiligung. Ist das noch Demokratie. 10% können immer manipuliert werden. Sauerei diese teure Kampagne. Isabell Werth und ihr Pferd haben schon genug Geld.

  • Franziska 1 11.03.2026, 14:03 Uhr

    NRW, wie wäre es, wenn es als Erster der Welt eine Sportspiel - Olympiade ins Leben bringen würde, nur für international sportliche Kinder zur besseren Verständigung untereinander? Damit Migration und Integration in Zukunft besser als Erwachsener gelingt? Die Olympiaden die auf der Welt praktiziert werden, haben doch nebenbei auch ähnliche Ziele. So eine Olympia im kleineren Stil müsste nicht XXX - Milliarden kosten. Olympia geht in wenigen Wochen zu Ende, was bleibt sind die Kosten die nicht kalkuliert wurden? Würde, Respekt und humanen Umgang zu anderen Menschen lernen Kinder leichter, wenn Erwachsene sich als gute Vorbilder zeigen. Dazu brauchen sie als Kinder eine internationale Bühne mit allen Religionen der Welt. Schulen schaffen es nicht alleine. Eine bessere Stimmung und Zusammenhalt wünscht man sich im Land? Wenn Menschenrechte im Argen liegen, bedarf es auch Mal mehr zu tun, als nur den Blick auf den eigenen Traditions- Ablauf hinzulenken.

    • Canasta-Furie 11.03.2026, 21:56 Uhr

      Leider gibt es immer mehr kulturellen Druck, so dass Mädchen aus ethnischen/religiösen Gründen vom Sport- und Schwimmunterricht ausgeschlossen werden sollen. Unsere Gesellschaft wird immer ungleicher. Die Gesellschaft wird gespalten. Religiöse Ernährungsgewohnheiten werden auch Schulen und Kindergärten aufgezwungen. St-Martin soll Lichterfest heißen. Tannenbäume werden teilweise nicht mehr geschmückt, weil man sich religiös nicht mehr auf die Tradition einigen kann. Mädchen sollen durch das Kopftuch ausdrücken, dass sie sich dem antiquierten Männlichkeitsideal unterordnen. Wie kann sich eine Gesellschaft wie die unsere nur so dermaßen selbst verraten. Die Kinder der Nationen werden nicht zu einer Kinderolympiade zusammenfinden können. Unsere Nation wird sich wahrscheinlich auflösen. Unsere Werte auch.

    • Franziska 1 12.03.2026, 11:25 Uhr

      @Canasta-Furie …Ja, man kann sich Gedanken machen wie man will, es scheitert an so vielen Dingen. Wie wollen wir jemals in Frieden leben können, wenn sich Menschen selbst Knüppel vor die Beine legen, wo manches einem selbst so unwichtig erscheint. Danke für ihre Antwort!

  • Dieter 11.03.2026, 11:21 Uhr

    Ich lehne die Spiele ab. Weil......... die Spiele kosten sehr viel Geld. Das wissen wir aus der Vergangenheit. Und wir haben in NRW noch so viel zu tun, da haben wir keine Zeit dafür, und kein Geld. Fangen wir doch mal an: 1. Wir brauchen dringend Wohnungen. 2. Unsere Brücken sind veraltert. 3. Das Radwegenetz muss ausgebaut werden. 4. Unsere Schulen sind reparaturbedürftig. 5. Schwimmbäder mussten stillgelegt werden, wil kein Geld da war. 6.Viele Straßen müssen erneuert u. instandgesetzt werden. 7. Der öffentliche Nahverkehr darf nicht zu teuer werden. 8.Wir haben zu wenig Altenheime,bzw. Seniorenwohnungen. 9. DB.......das Schienennetz ist veraltert, u. muss erneuert werden. Mit Sicherheit fehlen noch mehrere Punkte, aber ich muss Schluss machen. Und das alles kostet viel,viel Geld. Und überall sin die Kassen leer. Und deswegen können wir kein Olympia veranstalten!!!!!-