Ein Mann steht in Sportklamotten auf einem Sportplatz und hält einen Holzschläger und einen Ball vor sich.

Die Sportart Speckbrett ähnelt Tennis

"Arme-Leute-Tennis": In Münster wird seit 95 Jahren Speckbrett gespielt

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Erst wird das Schinkenbrot belegt, dann werden Bälle geschlagen. In Münster hat eine Sportart Tradition, die zwar Tennis ähnelt, sich in einem Punkt aber deutlich unterscheidet: dem Schläger. Heute werden für Speckbrett zwar keine echten Küchenbretter mehr benutzt, der Sport erfreut sich aber immer noch großer Beliebtheit im Münsterland.

Von Annika Müller (Text) und Markus Schröder (Multimedia)

Den nackten Oberkörper nach vorne gebeugt steht ein Mann auf dem Spielfeld und wartet auf den nächsten Ball. Als der auf ihn zufliegt, holt er aus und schlägt ihn mit dem kleinen, quadratischen Brett in seiner Hand mit Wucht wieder auf die andere Seite des Netzes. Ein paar Meter weiter schmiert eine Frau auf genau so einem Brett gerade Schinkenbrote. Ein kleiner Junge kaut noch den letzten Bissen und nimmt das Holzbrett vom Tisch, um sich damit vom Schinken gestärkt wieder den Spielen anzuschließen.

Das Tennis der 1950er-Jahre

00:25 Min. Verfügbar bis 26.07.2027

Diese Filmaufnahmen aus den 1950er-Jahren dokumentieren, wie damals die Münsteraner Traditionssportart Speckbrett tatsächlich noch mit dem namensgebenden Küchenutensil gespielt wurde. Heute ist der Sport noch immer populär, hat mit seinen Ursprüngen aber nicht mehr viel gemein.

Speckbrett: Eine Sportart mit viel Tradition

Die Ursprünge im Münsterland reichen zurück ins Jahr 1930, sagt Timo Höppner. Der 47-Jährige hat die Geschichte des Sports bis zu seinen Anfängen bei einer Jugendgruppe des Schwimmvereins Sudmühle erforscht, die den Sport von einer Reise mitbrachten.

Timo Höppner erklärt, wie die Sportart Speckbrett nach Münster kam

00:18 Min. Verfügbar bis 26.07.2027

Höppner ist selbst seit seinen Kindheitstagen begeisterter Speckbrett-Spieler. Wie für ihn ist der Sport für viele Münsteraner die Alternative zum Tennis. Der Platz ist etwas kleiner, die Regeln sind ein bisschen anders, ansonsten weist Speckbrett jedoch viele Parallelen zum Tennis auf. Damals wurde das Speckbrett-Spiel deshalb auch als "Arme-Leute-Tennis" tituliert: "Tennis war sehr elitär, deutlich elitärer, als es heute in gewissen Teilen immer noch ist. Speckbrett wurde aus diesen Kreisen natürlich belächelt", sagt Höppner.

Kostenlose Speckbrett-Plätze in Münster

Heute habe sich das geändert. Menschen aus allen sozialen Schichten würden zum Speckbrett greifen - beziehungsweise zu dem gelöcherten Holzschläger, der heute das Speckbrett ersetzt. Obwohl der Schläger nicht mehr aus der Küche kommt, bleibt der Sport unkomplizierter und günstiger als Tennis.

Als die Popularität nach dem Krieg wuchs und nachdem mehrere Vereine eigene Plätze errichtet hatten, wurde auch die Stadt Münster aktiv. Schon in den 70ern berichtete der WDR über die Speckbrett-Plätze, die bis heute kostenlos genutzt werden können.

So wird heute Speckbrett gespielt

00:44 Min. Verfügbar bis 26.07.2027

In den letzten Jahren tummelten sich darauf immer mehr motivierte Speckbrett-Spieler, Männer wie Frauen jeden Alters und auch Kinder stehen an warmen, sonnigen Tagen Schlange. Sonst habe sich die Beliebtheit des Spiels immer parallel zum Tennis entwickelt. Woher der Boom in den letzten etwa zehn Jahren kommt, weiß Höppner nicht. Aber: "Spätestens seit Corona hat es nochmal zusätzlichen Aufschwung bekommen, weil Speckbrett da eine der wenigen Sportarten war, die man betreiben konnte."

Das zeigt sich auch bei den Vereinen, deren Mitgliederzahlen seitdem deutlich gestiegen sind, erklärt Höppner. Und auch bei den Stadtmeisterschaften, die jährlich in Münster ausgetragen werden, melden sich immer mehr Speckbrett-Spieler an. So bleibt diese sehr spezielle Münsteraner Tradition lebendig.

Über dieses Thema haben wir auch am 03.06.2024 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.

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