Rückblick auf die Reit-WM 2006 in Aachen

WDR 06.07.2025 06:07 Min. Verfügbar bis 06.07.2026 WDR Online

Nach dem CHIO: Aachen wappnet sich für die WM 2026 - und für Olympia

Stand:

Der CHIO will sich vergrößern, auch mit einer neuen Reithalle. Die WM 2026 kommt dafür zu früh, aber es gibt auch noch Olympiaträume.

Von Volker Schulte

Die Reitsportszene in Aachen hat die Weltreiterspiele 2006 in allerbester Erinnerung. Das Event hinterließ Spuren in den Köpfen - und vor allem auf dem Reitsportgelände in der Soers. Ohne die WM wäre der CHIO Aachen nicht der, der er heute ist.

"Damals haben wir einen sehr großen Umbruch in der Weiterentwicklung vollzogen, beginnend mit dem Bau der Flutlichtanlage, mit neuen Tribünen und natürlich mit der Zunahme von neuen Disziplinen", sagt Michael Mronz, Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH, im WDR-Interview.

Michael Mronz: "Wir haben noch große Baumaßnahmen vor"

Sport im Westen 06.07.2025 00:52 Min. Verfügbar bis 06.07.2027 WDR

Seit 2007, also dem Folgejahr der WM, sind Voltigieren und die Vielseitigkeit Teil des jährlich stattfindenden CHIO. Nach 20 Jahren Pause wird Aachen nun vom 11. bis 23. August 2026 erneut Gastgeber der Weltreiterspiele sein. Direkt am ersten Tag, noch vor der Eröffnungsfeier, werden die Dressurreiter aktiv - wie 2006 im großen Springstadion. Die Para-Dressur und das Voltigieren werden im Dressurstadion ausgetragen, kündigte Mronz an.

"TSCHIO" statt CHIO 2026

Wegen der WM pausiert der CHIO Aachen für ein Jahr, als Ersatz veranstaltet der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) vom 22. bis 24. Mai ein Event mit Springsport und Para-Dressur unter dem Namen "TSCHIO".

Mronz hat mit der Reitturnier GmbH bereits die WM 2006 vermarktet und ist auch wieder für die WM 2026 zuständig. Die Vorbereitungen sieht er auf einem guten Weg. "Wir haben ja ein Team, das ein gewisse Erfahrung hat. Fünf der sechs Disziplinen der Reit-WM 2026 sind im jährlichen CHIO im Programm enthalten, das ist natürlich ein sehr großer Vorteil."

Michael Mronz über die Reit-WM 2026 in Aachen

WDR 06.07.2025 07:23 Min. Verfügbar bis 06.07.2026 WDR Online

WM 2026 mit Para-Dressur

Neu wird 2026 die Para-Dressur hinzukommen. Im Vergleich zu 2006 sind Westernreiten und Distanzreiten nicht mehr im Programm.

"Wir haben beim jährlichen CHIO ein Gesamtbudget von ungefähr 23 Millionen Euro. Bei der Weltmeisterschaft sind es rund 40 Millionen Euro.

Für die WM 2026 werde es "nicht so viele bauliche Veränderungen geben" wie 20 Jahre zuvor, sagte Mronz. Langfristig allerdings hat der ALRV große Pläne - und das bereits seit 2011. Damals wurde bekannt, dass das Polizeipräsidium umzieht, sodass angrenzend an die Reitsportanlage eine Fläche von 33.350 Quadratmetern frei wurde.

ALRV will neue Halle und zweiten Turnierplatz

Der ALRV hat damals direkt den Wunsch geäußert, Teile des Areals zu nutzen. Der Plan: eine neue Reitsporthalle für einen ganzjährigen Trainings- und Wettkampfbetrieb. Nach Fertigstellung soll die Albert-Vahle-Halle, in der unter anderem die Voltigierwettbewerbe stattfinden, Platz machen für einen zweiten Turnierplatz und neue Ställe.

Der Sportpark Soers aus der Luft

Der Sportpark Soers aus der Luft

"Wir wollen das Thema Para-Reiten und Jugend dauerhaft in den CHIO integrieren. Dafür ist es zwingend notwendig, dass wir zusätzliche Flächen bekommen", sagte Mronz. "Da gibt es auch einen gewissen Zeitdruck, weil die Globalität und der Wettbewerb zunehmen."

Der Abriss kann losgehen, wird aber dauern

Allerdings ist seit 2011 wenig passiert. Das Gelände samt Gebäuden gammelt seit dem tatsächlichen Auszug der Polizei im Jahr 2019 vor sich hin. Zwar hat NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst am Dienstag in Aachen einen Förderbescheid der Landesregierung übergeben und damit den Weg für den Abriss geebnet. Allerdings rechnet die Stadt Aachen damit, dass der Rückbau erst im ersten Quartal 2027 abgeschlossen ist.

Ausschreibung, Schadstoffsanierung, Abbruch - das alles dauert so lange, dass es für die WM 2026 zu spät kommen dürfte. Der ALRV hofft noch, das Areal für die Weltreiterspiele als Fläche für Logistik, Parkplätze und temporäre Ställe nutzen zu können.

Wüst: Wichtig für Olympiabewerbung

Hendrik Wüst

Hendrik Wüst

Trotz der Zeitprobleme nahm Wüst mit Blick auf die Umbaumaßnahmen im Sportpark Soers Bezug auf die Weltreiterspiele. "Dieses Projekt ist nicht nur wichtig für die Ausrichtung der Reit-WM 2026 und die Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele, sondern auch ein Beweis dafür, dass wir die Modernisierung unserer Sportstätten weiter aktiv angehen."

Deutschland will die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ausrichten. Derzeit gibt es einen bundesinternen Wettstreit zwischen vier interessierten Regionen, gleich zwei davon haben Aachen für den Reitsport im Programm: Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Die Bewerbung aus NRW basiert auf den Rhein-Ruhr-Plänen, die Mronz einst selbst als privatwirtschaftliche Initiative ins Leben gerufen hatte. Mittlerweile ist Mronz Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), das die Olympischen Spiele vergibt, und hat sich deshalb aus der NRW-Bewerbung zurückgezogen.

40 Millionen Euro Landesmittel für die Soers

Das Land NRW fördert den Umbau des Sportparks Soers mit 40 Millionen Euro aus Mitteln für den Strukturwandel im Rheinischen Revier. 8,1 Millionen Euro für den 9,015 Millionen Euro teuren Abriss sind die erste Tranche.

Neben der Reitsportanlage besteht der Sportpark Soers auch aus dem Fußballstadion Tivoli, einer Eissporthalle, aus Tennis- und Hockeyplätzen. Die Bundesliga-Volleyballerinnen "Ladies in Black" des PTSV hoffen auf eine neue Multifunktionshalle.

Für die NRW-Zuschüsse gilt ein Förderzeitraum bis Ende 2029. Zeitdruck gibt es also nicht nur aus Sicht des ALRV.

Unsere Quellen:

  • Stadt Aachen
  • Land NRW
  • Interview mit Michael Mronz
  • Aachener Zeitung

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