Paderborns Sportchef Sebastian Lange steht ein arbeitsintensiver Sommer bevor
Mission Klassenerhalt : Wie SCP-Sportchef Lange das Personalpuzzle lösen will
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Nach dem Bundesliga-Aufstieg warten knifflige Aufgaben auf den SC Paderborn: Mit wenig Budget muss ein Kader gebastelt werden, der Erstliga-Ansprüchen genügt. Gleichzeitig wollen die Ostwestfalen weiter auf junge, entwicklungsfähige Spieler setzen.
Der Bundesliga-Aufstieg ist eingetütet, die Feierlichkeiten sind vorbei - zumindest die offiziellen, öffentlichen. Für den SC Paderborn geht jetzt aber eine Phase los, die nach dem sportlichen Erfolg erneut eine riesige Herausforderung darstellt: Die Ostwestfalen müssen in kürzester Zeit einen Kader zusammenstellen, der den Klassenerhalt schaffen kann.
Einige Weichen dafür sind bereits gestellt, erste Zugänge wurden verkündet. Von Hoffenheim II kommt in Luka Duric (19 Scorer-Punkte in der vergangenen Drittliga-Saison) ein vielversprechender Mittelfeldmann, ebenfalls im Zentrum ist Tom Baack zuhause, der von Nürnberg zum SCP wechselt.
Haben die Neuzugänge Bundesliga-Niveau?
Duric und Baack sind Spieler, die in Fußball-Deutschland noch nicht allzu bekannt sind. Angesichts auffälliger Leistungen in der abgelaufenen Saison dürfen sich aber beide Hoffnungen auf die Paderborner Startelf machen - im Gegensatz zu vier weiteren bereits bestätigten Neuzugängen, die allesamt wenig bis keine Erfahrung in 1. oder 2. Liga haben und sich eher hinten anstellen müssen.
Auch die Leih-Rückkehrer Marco Wörner (21 Jahre, spielte die Rückrunde in Verl) und Tristan Zobel (22, für ein Jahr bei Aue) sind Akteure, bei denen mehr die Faktoren "Potenzial" und "Fantasie" hervorstechen als das sichere Prädikat "Bundesliga-Niveau".
Vor allem, wenn man dann noch bedenkt, dass zwei absolute Leistungsträger Paderborn verlassen, drängt sich der Eindruck auf: Es muss einiges passieren in Paderborn. Aufstiegs-Torwart Dennis Seimen ist nach seiner Leihe bei seinem Stammverein in Stuttgart eingeplant, Innenverteidiger Calvin Brackelmann wechselt ablösefrei zum FC Augsburg.
Junge Paderborner Mannschaft weckt Begehrlichkeiten
"Wir haben eine super Mannschaft, wollen aber sicherlich noch drei bis fünf neue Spieler holen, um uns punktuell zu verstärken", sagt Sport-Geschäftsführer Sebastian Lange entsprechend. Doch auf den 38-Jährigen kommt nicht nur diese Aufgabe zu. Es geht es auch darum, die begehrtesten Akteure seiner "super Mannschaft" zu halten.
Mika Baur, Sohn von Ex-Handballnationalspieler Markus Baur
Die junge Paderborner Mannschaft hat mit ihrer starken Saison Begehrlichkeiten geweckt. Allen voran bestimmt Mika Baur, 21, die Schlagzeilen, der sich als ballsicherer Mittelfeldmann in den Vordergrund gespielt hat. "Wir planen fest mit ihm", sagt Lange trotz etlicher Gerüchte um Interesse von Bundesliga-Vereinen. Unter anderem sollen Mit-Aufsteiger Schalke, Werder Bremen und der 1. FSV Mainz an Baur dran sein.
Kann der Vertrag mit Filip Bilbija verlängert werden?
Ein gewichtiges Argument bei Baur dürfte der Fakt sein, dass er eben auch ohne Vereinswechsel in der Bundesliga spielen kann - im Saison-Endspurt war das nicht unbedingt zu erwarten, schließlich hatte die Konkurrenz um Hannover am Ende die besseren Karten.
In Paderborn musste man so lange mit mehreren Szenarien planen, ein Umstand, der auch die Verhandlungen mit einem weiteren umworbenen Leistungsträger geprägt haben dürfte: Filip Bilbija.
Es tritt vielleicht eine Marktsituation ein, die wir vor vier Wochen noch nicht hatten. Der ein oder andere Spieler kann sich jetzt vielleicht vorstellen, hierhin zu kommen. Sport-Geschäftsführer Sebastian Lange zu veränderten Voraussetzungen durch den Aufstieg
Mit 15 Liga-Toren ist der 26-Jährige mit Abstand Paderborns Top-Torjäger. Auch an ihm soll Medienberichten zufolge Werder Bremen Interesse zeigen. "Es ist weiter alles offen und die Gespräche werden jetzt gerade aktuell auch nochmal intensiviert", sagt Lange zu den Verhandlungen mit Bilbija, dessen Vertrag ausläuft.
Castaneda und Co. - lockt das große Geld?
Doch auch weitere Leistungsträger dürften auf dem Zettel diverser Bundesligaklubs stehen: Insbesondere Santiago Castaneda (21), Laurin Curda (24) oder Mattes Hansen (22) haben mit ihren Auftritten maßgeblich zum Aufstieg beigetragen und haben angesichts ihres jungen Alters Entwicklungspotenzial.
Starke Saison: Santiago Castaneda (l.) und Filip Bilbija jubeln
Es bedarf wenig Vorstellungskraft, zu vermuten, dass Lange auch hier die ein oder andere Anfrage vorliegen hat. Und wenn das große Geld lockt, werden sich sowohl die Spieler- und Beraterseite als auch der Verein mit den Angeboten beschäftigen müssen. Denn auch das ist ein Teil von Langes Herausforderung: Finanziell ist Paderborn nicht in der Lage, mit dem Großteil der Bundesligisten zu konkurrieren.
Langes Mammutaufgabe: Wenig Geld, hohe Anforderungen
"Wenn wir den Lizenzbereich betrachten, werden wir in der neuen Saison den Etat von einem guten Zweitligisten haben", so Lange. "Das heißt, wir sind natürlich weiterhin ein klarer Underdog." Ein Underdog, der darauf angewiesen ist, dass die Verstärkungen einschlagen - oder eben weitere Spieler aus dem bisherigen Kader weitere Entwicklungsschritte gehen.
Spieler wie Stefano Marino (22), Jonah Sticker (22) oder auch Niklas Mohr (21) haben vor allem im Saisonendspurt ihr Potenzial gezeigt.
Den Paderborner Weg macht ja genau das aus: Dass sich junge Spieler an diesem Standort weiterentwickeln können. Sebastian Lange, Geschäftsführer Sport beim SC Paderborn
Die wohl größte Baustelle dürfte für den SCP aber zunächst die Nachfolge von U-21-Nationaltorwart Seimen sein, den Lange für einen "herausragenden Torhüter" hält. Es soll ein neuer Keeper kommen, der "schon nachgewiesen hat, dass er ein sehr, sehr guter Torhüter im Profibereich ist".
Mit Ersatztorwart Markus Schubert verhandelt man seit Wochen über eine Vertragsverlängerung, eine Einigung stehe laut Lange kurz bevor. Auch Schubert traue man die Rolle der Nummer eins zu.
Und dann ist da ja auch noch ein Trainer, der Begehrlichkeiten weckt. Ralf Kettemann überzeugt mit fachlicher Kompetenz und scheint bei der Mannschaft außerordentlich beliebt zu sein. Ob Lange auch bei ihm Anfragen anderer Vereine abblocken muss? "Wir planen fest mit 'Kette'", sagt Lange knapp. "Auch er freut sich auf die Bundesliga." Auch in Paderborn? "Ja, klar."
"Nochmal mehr machen" gilt auch für den Sportchef
Ein talentierter wie begehrter Kader, neu zu besetzende Planstellen, Vertragsgespräche mit etablierten Kräften und ein Trainer, mit dem sich der ein oder andere Bundesligist beschäftigen dürfte - die Liste an Baustellen ist für Sportchef Lange extrem lang. Die Meetings mit Beratern, Vereinen und Spielern dürften seinen WM-Sommer dominieren.
Das große Ziel ist natürlich im kommenden Jahr der Klassenerhalt. Dafür müsse der Verein "nochmal den Zentimeter mehr machen, um vielleicht auch im nächsten Jahr den Traum wahr werden zu lassen". Das gilt für die Mannschaft, aber eben auch für Lange selbst, dessen Entscheidungen dieser Sommertage maßgeblich den Ausgang der kommenden Saison beeinflussen werden.
Unsere Quellen:
- Saisonabschluss-Pressekonferenz des SC Paderborn am 29.05.2026
Sendung: wdr.de, "Paderborns Transfersommer muss sitzen", 30.05.2026, 17:38 Uhr