Auf die turbulente Jahreshauptversammlung mit Tränen am Montagabend folgte am Sonntagabend grenzenloser Jubel, als der Stadionsprecher nur wenige Minuten nach dem Treffer von Haris Tabakovic (88. Minute) gegen Borussia Dortmund über die Lautsprecher "Nächste Saison Liga eins!" rief.
Matchwinner Tabakovic sprach nach dem vorzeitigen Klassenverbleib von "Erlösung", Trainer Eugen Polanski von "Erleichterung". Letzterer mahnte zugleich auch, dass man sich keines Falls zurücklehnen wolle: "Für uns geht es noch um extrem viel. Es gibt noch sechs Punkte zu vergeben und die wollen wir haben", betonte der 40-Jährige und verwies neben dem finanziellen Aspekt der "TV-Tabelle und wie viel Kohle es gibt" auch auf die weitere Entwicklung seiner Spieler.
Zukunft von Trainer Eugen Polanski offen
"Ich habe der Mannschaft gerade gesagt, dass wir über das glücklich sein können, was wir jetzt geschaffen haben, aber niemals zufrieden", erklärte Polanski. Man habe "noch gewisse Schritte zu gehen." Fast ein bisschen nüchtern klang seine Bilanz nach dem 32. Spieltag: "Den Klassenerhalt zwei Spieltage früher als gedacht zu schaffen, um einfach jetzt die nächsten Schritte zu gehen, da bin ich extrem froh und erleichtert drüber. Das ist mein Job".
Doch ob Polanski weiter Gladbach-Trainer bleibt, ist offen. Vor Anpfiff hatte Borussia-Sportchef Rouven Schröder kein klares Bekenntnis zu Polanski über die Saison hinaus gegeben. "Eugen wird uns über den Strich führen. Danach setzen wir uns zusammen", sagte Schröder bei DAZN. 90 Minuten später wollte er keine Stellung zur Zukunftsfrage beziehen: "Nee, nee, das habe ich mir fest vorgenommen. Wir gewinnen heute 1:0 mit Eugen Polanski", wiegelte er ab.
Polanski hadert mit Kritik
Trotz des geglückten Klassenerhalts steht der Gladbacher Chefcoach weiter in der Kritik, gegen die er sich erneut auch nach der Partie gegen Dortmund wehrte. "Irgendwann habe ich aufgehört, die Presse zu verfolgen. Es werden so viele Halbwahrheiten erzählt. Wichtig ist zu wissen, was in der Kabine passiert. Wichtig ist, die richtigen Schlüsse aus der Saison zu ziehen und alles korrekt einzuordnen. Ich mache sicher nicht alles richtig, aber auch nicht alles falsch", betonte er nach dem Sieg über den BVB.
Größerer Umbruch deutet sich an
Für Sportchef Schröder liegt der Focus zunächst auf den Spielern. Trotz nun mehr Planungssicherheit seien die verbleibenden beiden Ligaspiele wichtig, damit sich jeder noch einmal zeigen könne. Ziel sei es, am Ende der Saison eine "ehrliche Bewertung" vorzunehmen und zu entscheiden, mit wem man weiter plane und wo sich möglicherweise die Wege trennen. "Ich finde es wichtig, dass wir da sehr, sehr kritisch miteinander umgehen, auch was den Kader betrifft", befand Schröder.
Als erster möglicher Neuzugang gilt der noch in Mainz spielende Torhüter Daniel Batz. Schröder bezeichnete die Gerüchte über einen ablösefreien Wechsel als "nicht ganz weit hergeholt". Auch dessen aktueller Arbeitgeber hatte am Wochenende keinen Hehl daraus gemacht, dass der 35-Jährige ein Angebot vorliegen hat und wohl vor dem Abgang aus Mainz steht. Hinter Stammkeeper Moritz Nicolas würde er in Gladbach wohl die Nummer zwei.
Haris Tabakovic jubelt nach Abpfiff mit Kevin Stöger
Für Borussia Mönchengladbach beginnt die eigentliche Arbeit jetzt, wenn die Fohlen in der kommenden Saison nicht erneut wieder nur gegen den Abstieg spielen wollen. Der Verein muss sich hinterfragen – sportlich, strategisch, vielleicht sogar kulturell. Mit welchem Anspruch geht man in die Zukunft?
Man beschäftige sich "natürlich mit vielen kreativen Lösungen, was den Sommer betrifft" erklärte Schröder und betonte zugleich: "Ich werde jetzt nicht auf einzelne Positionen eingehen. Wir werden das Ganze durchleuchten. Wir haben genügend Zeit in einer langen, langen Sommerpause". Auf den Gladbacher Sportchef dürfte ein sehr arbeitsreicher Sommer warten.
Unsere Quellen:
- Deutsche Presseagentur dpa
- Borussia Mönchengladbach
- Fussballdaten.de
Sendung: WDR.de, "Gladbach plant Umbruch nach gesichertem Klassenerhalt", 04.05.2026, 16.50 Uhr