Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Vor-Steuer-Verlust zwar nur um gut 600.000 Euro, jedoch wurde eine Steuernachzahlung von rund 700.000 Euro für vier Jahre fällig.
Es war das zweite Jahr am Stück, in dem ein Verlust erwirtschaftet wurde. Dies lag insbesondere auch an deutlich gesunkenen TV-Erträgen. 2024 hatte der Verlust 2,5 Millionen Euro betragen. Den Umsatz steigerte der Bundesligist im vergangenen Jahr um knapp fünf Millionen Euro auf 189,31 Millionen Euro. Diese zahlen präsentierte Geschäftsführer Stefan Stegemann den 1.612 anwesenden Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung am Montagabend.
Für die Spielzeit 2026/2027 erhielt die Borussia die Lizenz wie gewohnt ohne Bedingungen oder Auflagen. Am Rande der Versammlung wurde zudem deutlich, dass Sportchef Rouven Schröder die Personalkosten weiter signifikant senken soll. 2025 wurden sie bereits um knapp vier Millionen Euro von 98,5 auf 94,6 Millionen Euro gesenkt.
Bonhof bricht in Tränen aus
Borussia-Präsident Rainer Bonhof wurde zu Beginn seines Jahresberichtes emotional und begann seinen Ausflug in seine "Gefühlswelt als Präsident" deutlich: "Scheißjahr!".
Die 1.612 zu dem Zeitpunkt anwesenden Mitgliedern applaudierten, doch der 74-Jährige fing an zu weinen und sagte mit brüchiger Stimme: "Ich dachte, wir wären stabiler."
Schmerzhaftes Derby
Die Vereins-Ikone der Borussia erwähnte insbesondere das vergangene Derby beim 1. FC Köln vor einem Monat, als die Gladbacher aus einem 1:2 ein 3:2 machten und am Ende nur 3:3 spielten. "Das tut weh", sagte Bonhof, der einst auch für den FC aktiv war.
"Wenn du dann bei Auswärtsspielen die Fans siehst - für die lohnt es sich nicht abzusteigen", sagte Bonhof unter Tränen und fügte pathetisch hinzu: "Aber wir haben ein Faustpfand und das ist die Raute. Und die lasse ich nicht aus den Händen." Anschließend fing sich Bonhof und brachte seinen Bericht in normaler Tonlage zu Ende.
Rücktrittsforderungen der aktiven Fanszene
Bonhof und der Rest des Präsidiums sahen sich am Montag auch Rücktrittsforderungen ausgesetzt. Auf Flugblättern drückte die aktive Fanszene ihre Sorge aus. "Borussia Mönchengladbach hat keine Zeit mehr zu verschwenden, auch nicht bis zum Ende der aktuellen Präsidiumslegislatur 2027", war dort zu lesen.
Unterschrieben war der Text vom FPMG Supporters Club, der Interessenvertretung für alle Fans von Borussia Mönchengladbach, und den Ultras.
Applaus für Schröder, Polanski kämpferisch
Viel Applaus erhielt dagegen der erst während der Saison geholte Sportchef Schröder, der für den Sommer einen Umbruch ankündigte. "Wir brauchen ein richtig gutes Transferfenster. Für mich ist ein Wort wichtig: Mut. Wir brauchen Mut zu Veränderung", sagte Schröder.
Trainer Eugen Polanski gab sich kämpferisch und blickte bereits Richtung der kommenden Saison: "Wir haben eine gute Fußball-Mannschaft, haben gute Charaktere. Aber tatsächlich fehlt mir ein bisschen die Gier auf Erfolg. Wir haben sehr liebe Charaktere, wir brauchen ein paar Arschlöcher in der Mannschaft, um Spiele zu gewinnen. Ich bin voller Tatendrang, gewisse Dinge zu ändern, so wie ich sie haben will."
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagenturen dpa und SID
Sendung: WDR.de, "Borussia Mönchengladbach erneut mit Verlusten", 27.04.2026, 19.18 Uhr