Rocco Reitz im Dialog mit Trainer Eugen Polanski

Frust in Mönchengladbach Passivität, Patzer und ein "harter Weg" für die Borussia

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Bei Borussia Mönchengladbach sitzt der Ärger über den verpassten Sieg gegen Mainz 05 tief. Ein riesiger Schritt in Richtung Klassenerhalt wurde verpasst. Während über Passivität und eklatante Fehler gesprochen wird, darf sich immerhin Trainer Eugen Polanski seines Jobs sicher sein - zumindest vorerst.

Von Markus Kramer

Bei der Einordnung der eigenen Leistung waren sich Kapitän und Trainer nach dem Spiel nicht ganz einig. "Es war unser Fehler", sagte Kapitän Rocco Reitz gegenüber der Sportschau, nachdem seine Mannschaft in den Schlussminuten noch den Mainzer Ausgleich zugelassen hatte. "Wir sind zu passiv geworden, haben nicht mehr die Momente im Pressing gefunden. Wie der Fußball so ist: Zum Ende kann dann immer was passieren."

Das wollte sein Trainer so nicht stehenlassen. "Ich weiß gar nicht, ob es passiv ist", so Eugen Polanski, dessen Kritik sich gegen das eigene Umschaltspiel richtete: "Ich hatte das Gefühl, dass wir schon sehr viel wegverteidigen und gute Ballgewinne hatten. Und dann geht es eben darum, aus den Ballgewinnen was zu machen. Wir sind sehr schlampig mit unseren Konterchancen umgegangen. Da müssen wir uns vorwerfen, dass wir zwei, drei Entscheidungen getroffen haben, die nicht prickelnd waren."

"Ärgerlich" und "bitter": Gladbach verpasst den Sieg

Einig waren sich die beiden in ihrer Gefühlswelt nach der Partie. "Extrem bitter" fand Polanski den Last-Minute-Ausgleich, "extrem ärgerlich" war die Wortwahl von Reitz. In einer umkämpften Partie waren die Fohlen durch ein sehenswertes Tor von Joe Scally früh in Führung gegangen. In der zweiten Halbzeit erspielten sich die Mainzer ein klares Chancenplus und kamen durch Nadiem Amiri vom Elfmeterpunkt noch zum Ausgleich.

Es war kein Top-Spiel von uns. In so einer Phase brauchst du eigentlich genau solche Spiele, die du dann gewinnst. Rocco Reitz, Kapitän von Borussia Mönchengladbach

Mit einem Sieg hätte die Borussia einen entscheidenden Schritt aus dem Tabellenkeller machen können, so aber sind es weiterhin nur fünf Punkte Vorsprung auf St. Pauli auf dem Relegationsplatz. Die Stimmung im Umfeld wird angesichts von vier sieglosen Spielen in Serie unruhiger, auch die zum Teil abwartende Spielweise unter Polanski ruft Kritik hervor. Der Borussen-Coach will aber von aufkommender Panik nichts wissen.

"Am Ende ist es die gleiche Situation wie vorher auch. Wir haben fünf Punkte Vorsprung, plus ein besseres Torverhältnis", sagte Polanski. "Es ist ein Spiel weniger geworden. Es ist für uns keine neue Situation. Wir spielen die gesamte Saison um den Klassenerhalt. Wenn das der Weg von Borussia Mönchengladbach ist, dass wir diesen harten Weg gehen müssen, dann müssen wir diesen Weg eben gehen und erfolgreich sein. Das habe ich auch der Mannschaft gesagt."

Mönchengladbachs Trainer Polanski - "Vermeidbarster Elfmeter"

NRW-Sport 19.04.2026 01:56 Min. Verfügbar bis 18.04.2028 WDR Online

Trainerdiskussion? Schröder will zunächst an Polanski festhalten

Eine kurzfristige Trainerdiskussion wollte Sportchef Rouven Schröder nach der verpassten Chance nicht aufkommen lassen - kündigte aber eine Analyse nach der Saison an. "Natürlich werden wir uns nach der Saison Gedanken machen, wir wollen erfolgreich Fußball spielen".

Wohin geht die Reise für Gladabach und Sportdirektor Rouven Schröder die nächsten Wochen?

Wohin geht die Reise für Gladabach und Sportdirektor Rouven Schröder?

Ob mit oder ohne Polanski, ließ Schröder offen, sprach ihm aber für den Saisonendspurt von vier Partien das Vertrauen aus. "Den Trainer lassen wir jetzt mal außen vor. Eugen wird uns über den Strich führen, dann werden wir gemeinsam die Saison Revue passieren lassen."

Sündenbock Yannik Engelhardt

Um erfolgreicher Fußball zu spielen, wird die Borussia in den letzten Spielen daran arbeiten müssen, entscheidende Fehler zu vermeiden. Gegen Mainz gelang das nicht: Yannik Engelhardt ging ohne Not völlig ungestüm in den Zweikampf mit Philipp Mwene und brachte den Österreicher zu Fall.

Gladbachs Yannik Engelhardt foult Phillipp Mwene zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Gladbachs Yannik Engelhardt foult Phillipp Mwene zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt

Auch in diesem Fall waren sich Trainer und Kapitän einer Meinung, Engelhardt kam in der Bewertung schlecht weg. "Wenn man die Elfmeterszene sieht, muss man schon sagen: Das ist der vermeidbarste Elfmeter, den man hätte verursachen können", so Polanski deutlich. Reitz sparte sich Beschönigungen ebenfalls: "Ich glaube, Yannik weiß, dass das ein bisschen zu forsch war, was er da gemacht hat. Da wird er draus lernen."

Kein einfaches Restprogramm - Reitz will "nicht rechnen"

Lernen, den harten Weg gehen, über dem Strich bleiben - für Mönchengladbach geht es in den verbleibenden Partien gegen Wolfsburg (A), Dortmund (H), Augsburg (A) und Hoffenheim (H) allein um den Klassenerhalt. "Ich will gar nicht rechnen. Du musst einfach Spiele gewinnen, um sicher zu sein", brachte es Reitz auf den Punkt.

Nach der Saison müssen dann erneut einige Steine umgedreht werden, um den ambitionierten Traditionsverein wieder in ruhigere Fahrwasser zu lenken. Da werden sich Trainer und der scheidende Kapitän nicht widersprechen.

Frustbewältigung in Gladbach

NRW-Sport 20.04.2026 01:45 Min. Verfügbar bis 19.04.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Frustbewältigung in Mönchengladbach, 20.04.2026, 12:39 Uhr

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