Countdown zur Rentenreform | Aktuelle Stunde
WDR. 06:12 Min.. Verfügbar bis 21.05.2028.
Die Grenze soll bis Anfang der 2060er Jahre von bald 67 auf dann 70 Jahre steigen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Kommissionskreise. Denkbar sei demnach, das Rentenalter Anfang der 2040er Jahre auf 68 und Anfang der 2050er Jahre auf 69 zu steigern.
Kommissionsmitglieder dementieren Berichte
Mitglieder der Kommission dementierten, dass es eine solche Festlegung gebe. Es sei Vieles noch nicht entschieden, sagt SPD-Bundestagsabgeordnete und Kommissionsmitglied Annika Klose der Nachrichtenagentur AFP.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Pascal Reddig sagte zu AFP, der Bericht der "Bild" treffe "schon deshalb nicht zu, weil bislang über die beschriebenen Punkte noch keine Beschlüsse getroffen wurden".
Was könnte die Rentenreform bringen?
Laut den Berichten wolle die Kommission damit erreichen, dass die Rente sicherer finanziert werden kann, weil Arbeitnehmende länger in die Rentenkasse einzahlen. Gleichzeitig solle das Rentenniveau auf 46 Prozent gesenkt werden - derzeit liegt es bei 48 Prozent.
Diskutiert werde in der Rentenkommission auch die Frage, ob Beamtinnen und Beamte künftig in die Rentenkasse einzahlen sollten. Für diese Änderung gebe es in der Kommission aktuell aber keine Mehrheit. Bislang erhalten Beamtinnen und Beamte im Rentenalter eine Pension, die aus Steuermitteln finanziert wird.
Kritik kommt auch aus der Bundesregierung
Die SPD hatte eine Anhebung des Renteneintrittsalters bisher stets abgelehnt, 67 Jahre sei das Maximum. Eine Sprecherin des SPD-geführten Bundessozialministeriums betonte, die Bundesregierung vertraue auf die hohe Kompetenz des Kommissionsvorsitzenden, einvernehmliche Empfehlungen der gesamten Kommission zu erreichen.
Auch der Arbeitnehmerflügel der CDU hat die Überlegungen zur Erhöhung des Rentenalters scharf kritisiert. Der Bochumer CDU-Politiker Dennis Radtke ist Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflüges CDA. Er meint, das Rentenniveau müsse jetzt stabilisiert werden, damit die junge Generation überhaupt noch eine Rente erleben könne.
"Wir haben heute schon Menschen, die aufgrund der Belastung keine Chance haben, überhaupt bis 67 zu arbeiten." Dennis Radtke, Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA
Auch Zustimmung zur Rente mit 70
Der Unionsfraktionsvize unterstützt den Vorstoß hingegen: "Ich finde es richtig, wenn unsere Generation in den 2050er-Jahren bis 70 arbeiten geht", so der 37-jährige gegenüber ntv. Es gehe darum, dass "unsere Generation überhaupt noch Rente erleben darf".
Auch der Wirtschaftsrat der CDU und der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind dafür. Eine Rente mit 70 könnte das Rentenniveau stabilisieren, ohne den Beitragssatz anzuheben, so IW-Direktor Michael Hüther gegenüber der "Rheinischen Post".
Linken-Chefin fordert einheitliches Rentensystem
Auch aus der Opposition kommt Kritik. Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hat vor den Folgen einer Anhebung des Renteneintrittsalters gewarnt. Sie sehe ein "weiteres Auseinanderdriften zwischen oben und unten" und plädiert stattdessen für ein Rentensystem, in das alle Erwerbstätigen einzahlen.
Gewerkschaften klar gegen höheres Eintrittsalter
Verdi-Chef Frank Werneke warnte vor der Rente mit 70: Ein so hohes Eintrittsalter sei für die meisten Arbeitnehmenden gar nicht gesund erreichbar: "Sie müssten mit Abschlägen früher in Rente."
Auch der DGB lehnt die Idee ab. Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Yasmin Fahimi fordert stattdessen eine Erhöhung der Zahl der Erwerbstätigen. Im ARD-Morgenmagazin betonte sie, die Rentenpolitik sei "nicht ein mathematisches Problem", viel wichtiger sei es, Menschen in Arbeit zu bringen.
Rentenkommission tagt noch bis Ende Juni
Am 30. Juni will die Rentenkommission ihre Empfehlungen an die Bundesregierung vorstellen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat jedoch darum gebeten, die Ergebnisse der Kommission bereits am 10. Juni zu erhalten.
Unsere Quellen:
- AFP
- DPA
- Reuters
- WDR-Informationen
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