Wisent-Projekt in NRW gescheitert? | Westpol
04:35 Min.. Verfügbar bis 15.02.2028.
NRW-Umweltminister Oliver Krischer hält das Wisent-Ansiedlungsprojekt am Rothaarsteig im Kreis Siegen Wittgenstein für "gescheitert". Das sagte er im Interview mit der Sendung Westpol. Er bedaure das sehr. Er hätte das Projekt, das 2013 mit der Auswilderung der Wisente begonnen hatte, gerne in NRW gehabt, so der Minister. Er habe es aber auch nur geerbt und müsse "jetzt die Scherben zusammenkehren".
Grund für das Scheitern des in Westeuropa einzigartigen Artenschutzprojekts sei seiner Ansicht nach ein "Konstruktionsfehler von Anfang an" gewesen: die "mangelnde Akzeptanz" in der Region.
Klagen der Waldbauern bis vor den Bundesgerichtshof
Von Wisenten beschädigter Baum
Waldbauern aus dem Sauerland, deren Bäume durch Wisente geschädigt wurden, hatten jahrelang gegen das Ansiedlungsprojekt bis hin zum Bundesgerichtshof geklagt. Der Trägerverein musste aufgrund hoher Schadensersatzansprüche der Waldbauern Insolvenz anmelden. Das Land NRW und der Kreis Siegen-Wittgenstein übernahmen die Verantwortung für die Tiere. 2022 wurde gerichtlich entschieden, dass die Wisent-Herde nicht weiter frei herumlaufen darf. Seitdem wurden die Tiere auf 24 Hektar eingezäunt.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) klagt nun vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg auf Wiederfreilassung der Wisente. Man gehe davon aus, so der Vorsitzende des BUND, Holger Sticht, dass es sich um freilebende Tiere handle, deren "Population streng geschützt" sei und dass für das Wiedereinfangen der Wisente "eine Ausnahmegenehmigung erforderlich gewesen wäre". Die habe es aber nicht gegeben.
Vorwurf BUND: 480.000 für Gatter aus Naturschutzhaushalt
Der BUND wirft dem NRW-Umweltminister vor, rund eine halbe Million Euro für die Gatter zur Einzäunung der Tiere aus dem Naturschutzhaushalt des Landes genommen zu haben. Oliver Krischer weist den Vorwurf zurück, begründet den Schritt mit dem Bestreben des Landes, die Wisente auch unter den neuen Bedingungen art- und tierschutzgerecht zu betreuen.
Umsiedlung in den Kaukasus
Siegerländer Wisente im Kaukasus
Im Januar wurden sechs Tiere der bis dahin noch 31 Wisente zählenden Herde aus NRW mit Hilfe des World Wide Fund for Nature (WWF) in ein anerkanntes Artenschutzprojekt nach Aserbaidschan in den Shahdag-Nationalpark im Kaukasus ausgeflogen. Dort werden sie gerade für die Freilassung vorbereitet. Der Leiter des Wisent-Projekts beim WWF Deutschland, Aurel Heidelberg, sieht im Nationalpark im Kaukasus im Vergleich zum Rothaarsteig einen entscheidenden Vorteil: Er sei ein geschütztes Gebiet und es gebe "auch ein relativ geringes Risiko an Wildtier-Mensch-Konflikten vor Ort." Bis Jahresende sollen nach Plänen von Umweltminister Krischer 15 weitere Wisente in den Kaukasus ausgeflogen werden. Die restlichen Tiere sollen auf Tierparks verteilt werden.
Der BUND würde gern alle Tiere in Freiheit in NRW behalten. "Wir brauchen hier auch Wisente", so Holger Sticht, denn in NRW gebe es ein noch größeres Biodiversitätsproblem als im Kaukasus.
Die genauen Kosten für den Transport der Wisente nach Aserbaidschan kann das Umweltministerium derzeit noch nicht beziffern. Sie lägen aber deutlich unter denen, die für eine Betreuung der Tiere hier anfielen. Insgesamt habe man für das Wisent-Ansiedlungsprojekt in NRW bislang "mehrere Millionen im einstelligen Bereich" ausgeben.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- WWF
- BUND
- Umweltministerium NRW
- Westpol-Interview vom 15.02.2026
Sendung: WDR Fernsehen, Westpol, 15.02.2026, 19:30 Uhr

